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HundertHotels 02. Juni 2009 Noch keine Kommentare

Folge 10: Hotel Rival - Stockholm

Das Midsommar-Fest naht und man sollte dringend versuchen, bis zum 21. Juni einen Platz irgendwo zwischen Ystad und Falun einzunehmen. Und wo wäre man besser aufgehoben als in einem Hotel, das einem ABBA-Sänger gehört?

Von Max Scharnigg 



Nirgends wird der längste Tag des Jahres so nett und herzlich begangen wie in Schweden, wo die Menschen dann stundenlang im Kreis tanzen und dabei Lieder singen, in denen man Tiergeräusche machen muss.

Dieses nette Brauchtum gedeiht nicht nur auf dem Land – auch in der Hauptstadt Stockholm werden Plätze mit Maistangen bestückt und wird auf Dachterrassen gefeiert. Selbst die vielen spindeldürren Hipster, die tagsüber das Künstlerviertel Södermalm bevölkern, reihen sich dann in die Tanzkreise ein und machen ganz selbstverständlich mit.

Södermalm ist natürlich auch das restliche Jahr einen Besuch wert, kaum ein Stadtteil hat derzeit eine vergleichbare internationale Strahlkraft was Mode- und Designtrends angeht. Mitten drin liegt das »Hotel Rival«. Es ist vielleicht nicht das puristischste dieser an puristischen Designhotels reichen Stadt, aber seine Verwobenheit mit dem Viertel und die Lage am reizenden Mariatorget machen es zur perfekten Grundlage für den Stockholm-Aufenthalt.

Weil man sich hier den ganzen Tag von einer kleinen Boutique zum nächsten Designstore schleppen wird und dabei die Tüten immer schwerer werden, sind abends Betten ganz wichtig. Im »Rival« sind sie sehr groß, sehr weiß und kommen von der schwedischen Bettenmanufaktur Dux – erholsamer als jedes Spa! Dazu kommen ein mit Sorgfalt ausgesuchtes und gar nicht kühles Innendesign, genug Platz und eine beinahe unheimliche Ruhe – vielleicht weil auf den Fluren so dicke Teppiche liegen?
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Morgens frühstückt es sich jedenfalls auf dem kleinen Balkon über dem Mariatorget-Platz gleichzeitig urban & idyllisch, außerdem treibt das hübsche Völkchen direkt unter einem vorbei und manchmal auch direkt ins Hotel hinein. Denn die Lobby ist auch der Eingang in ein Kino von 1937 – immer noch in Betrieb und unbedingt sehenswert.

Abends ins »Rival« zurückkehren ist nicht zuletzt wegen des Kinopublikums auch ein bisschen so, als würde man einfach nur einen angesagten Club aufsuchen, allerdings mit Aufzug, der einen von der Bar weg in sein Zimmer bringt. Der Umgang im Hotel ist von schwedischer Lässigkeit geprägt, die Angestellten machen kein Aufhebens darum, dass sie aussehen wie Models, man duzt sich, und auf jedem Stockwerk gibt es immer Kaffee – der gehört nämlich genauso zu Schweden wie ABBA.

Dass deren Benny auch Eigentümer des »Rival« ist, bleibt eine niedliche Fußnote – weder dudelt die ganze Zeit Popmusik aus den Lautsprechern (nur auf der Homepage!), noch warten irgendwo Fellhocker und Pailletten-Sofas.

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Hotel Rival, Mariatorget 3, Stockholm, Schweden, 46 (0) 8-545 789 00, http://www.rival.se, Doppelzimmer ab 160 Euro. (An Wochenenden zahlt man in Schweden meistens viel günstigere Hotelpreise als unter der Woche.)

Mit wem hinfahren: Mit jemandem, der Strindbergs Das rote Zimmer vorlesen kann. Die Geschichte beginnt nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt, auf der malerischen Mosebacke-Terrasse, wo man auch heute noch eine tolle Aussicht und jede Menge Unterhaltung findet.

Unbedingt essen/trinken: Jansons Frestelse (schwedische Hausmannskost, so eine Art Allerlei vom Kartoffelgratin mit Fisch).

Was man im Hotel am liebsten klauen würde: Tatsächlich einen der sehr lässigen Vintage-Teddybären, von denen in jedem Zimmer einer wartet.

Welches Zimmer: Mit Blick auf den Park!

Nicht perfekt: Der verlockend große Flachbild-Fernseher in jedem Zimmer. Zum Fernsehen hat man hier überhaupt keine Zeit und Lust.

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