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aus Heft 27/2009 Der perfekte Plan 1 Kommentar

Hamburg-Blankenese

Muss ja nicht gleich jeder hier ein Bankdirektor oder Chefredakteur sein: Auch für ganz normale Besucher ist das Viertel so angenehm wie ein italienisches Hafenstädtchen.

Von Christine Mortag 



Es gibt Stadtviertel, die sich laufend neu erfinden wollen. Und es gibt Blankenese. Ein Ort wie in Stein gemeißelt, der jeder Veränderung trotzt. Darum tut sich der Hamburger so leicht mit der milden Verachtung, die er für seinen westlichsten Stadtteil empfindet, der an der Hansestadt hängt wie eine Spinne am Faden: zu reich, zu etepetete, zu standesdünkelhaft.

Blankeneser Frauen nennt er »Eisente« oder »Elbschnecke« – wegen ihrer generationsübergreifenden Vorliebe für dunkelblaue Twinsets und Perlenketten, Männer unter 40 bezeichnet er als »Schnösel«, über 40 als »Pfeffersack«. Hier wohnen mehr Eigentümer als Mieter, die Immobilienpreise liegen bei undemokratischen 5000 Euro pro Quadratmeter. Dabei war Blankenese einst die Heimat der Fischer. Weil ihr Navigationssystem offenbar nur auf See funktionierte, bauten sie sich ihre Häuser unkoordiniert in die steilen Hänge des Elbufers.
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Hingeschüttet wie Legosteine – mit einem Irrgarten enger Gässchen. Doch man muss im Treppenviertel nur einmal unter Baumdächern spazieren und vergisst auf der Stelle alle Vorurteile: Hier sieht Blankenese nicht schnöselig aus, eher mediterran wie ein Dorf am Mittelmeer. Unten an der Elbe angekommen, wird man mit feinem Sandstrand belohnt. Den mögen an freien Tagen auch – psst! – alle anderen Hamburger.

(1) Zehn Zimmer, fünf Sterne: Hotel Süllberg, Süllbergsterrasse 12, Tel. 040/866 25 20, DZ ab 190 Euro, www.suellberg-hamburg.de.
(2) Kuchen und Pies – alles bio: Lühmanns Teestube, Blankeneser Landstr. 29, Tel. 86 34 42, www.luehmanns-teestube.de.
(3) Guter Imbiss am Elbstrand: Bei Inge & Peter, Falkensteiner Ufer 54.
(4) Witthüs, Café, Restaurant, Elbchaussee 449a, Tel. 86 01 73, www.witthues.com.
(5) Wochenmarkt Blankenese, Blankeneser Bahnhofstr. 31a, Di., Fr., Sa.
Spaziergänge: Strandweg, Baurs Park,
(6) Wilmans Park Nr. 17, gehörte Lagerfeld.

Kommentare

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  • Heiner Fosseck (0) Liebe Christine Montag!

    Einige Aussagen über Blankenese und ihre Bewohner/innen müssen doch etwas korrigiert werden. Bankdirektoren und Chefredakteure werden hier wohl auch leben, wie überall in Hamburgs bevorzugten Wohnlagen, aber die leben hier nicht, die wohnen hier nur. Blankeneser Frauen würden sich sicherlich dagegen verwahren, wenn man sie als Elbschnecke oder Eisente betiteln würde und dunkelblaue Twinsets wird man höchstens in der Kleiderkammer neben unserer guten Kirche finden.
    Blankeneser Fischer bauten ihre Häuser immer mit der Fensterfront Richtung Elbe und nicht unkoordiniert an die steilen Hänge des Süllberges. So kam es im Laufe der Zeit in Blankenese zu einem Sammelsurium von Bauten aus allen Stilepochen der letzten 5 Jahrhunderten. Das macht den Reiz von Alt-Blankenese aus.
    Hans Leip schrieb mal über unser Blankenese folgendes Gedicht:
    Ein Kleingebirg aus bunten Muscheln,
    Darüber dick die Wolken kuscheln.
    Darunter Flaggen hin und her,
    des Stromes Überseeverkehr.
    Hoch auf der schlanken Promenade
    Haus über Haus das Grüngestade.
    Ein kleines Nest, ein großes Bild.
    Die Architekten lächeln mild.
    Ein Dorf, das wie ein Eden liegt
    und sanft nach Grog und Flundern riecht.
    Von angenehmen Parks verschönt,
    von einer Gastwirtsburg gekrönt.
    Die stille Zuflucht – im Vertrauen –
    zeitmüder Schlemmer, schöner Frauen.
    Der Liebesstrand, das Sonntagsbad,
    das Tanzlokal der großen Stadt.
    Treppauf, treppab die Winkelgänge,
    Schlafpuppengärten, Netzgehänge,
    Boot, Abendbank und Fliesenkram,
    versponnen, blond und tugendsam.
    Solide Wäsche bauscht im Wind,
    mit fremden Münzen spielt ein Kind,
    ein Junge träumt von großer Fahrt,
    ein Alter spinnt in seinen Bart.
    Hoch über Baum und Schornsteindach
    kommt man zu Atem allgemach.
    Es brist herauf so meergeschwellt,
    tief unten blitzt die weite Welt.
    Herzliche Grüße nach München, Ihr Heiner Fosseck