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aus Heft 28/2009 Außenpolitik 1 Kommentar

Morgenland ohne Morgen

Seite 6

Von Dietmar Herz 



Kontrollen mit Kalaschnikows

Kurz nachdem wir Lowgar erreichen, ist die Straße am Ortsausgang eines kleinen Dorfes bis auf einen schmalen Durchlass blockiert. Junge bärtige Männer, mit Kalaschnikows bewaffnet, kontrollieren die Fahrzeuge. Sie tragen keine Uniform. Mansur fährt langsam, aber er hält nicht an. Er wirft mir einen Blick zu, fast wütend. Er ist jetzt noch nervöser. Sein Manöver, einfach weiterzufahren, misslingt. Zwei der Bewaffneten stoppen uns. Sie bedeuten uns, an den Straßenrand zu fahren. Dann geht einer langsam um das Taxi, klopft an mein Fenster. Ich öffne es, auch Mansur hat das Seitenfenster geöffnet. Dies sind keine Polizisten. Ich nehme meine Brille ab und schaue dem Mann ins Gesicht. Er ist jung, trägt einen ungepflegten Bart.
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Den Finger hält er am Abzug. Die Waffe ist entsichert. Mansur grüßt ihn, ich murmele den gleichen Gruß – in der Hoffnung, dass er mich nicht deutlich versteht und als Ausländer erkennt. Jetzt wirft er einen Blick auf die Frau im Fonds, noch einmal auf Mansur und mich. Meine Übersetzerin rückt ihr Kopftuch zurecht, sie blickt zu Boden. Dann erwidert der Bewaffnete den Gruß und fordert uns auf weiterzufahren. Bis Kabul sind es noch weit über hundert Kilometer – es sind also noch viele solcher Kontrollen möglich. Wir sind wertvolle Ware, ein Faustpfand oder, schlimmer noch, Objekte einer oft brutalen »symbolischen« Politik.

Erst als wir den Stadtrand der Hauptstadt erreichen, wirkt Mansur wieder gelöster. Er hält, nicht weit vom Holzmarkt, an einem Obststand an und kauft Orangen und Süßigkeiten, die wir zusammen essen. Die Begegnung in Lowgar war gefährlich: Die paschtunische Bevölkerung unterstützt die Taliban, Beobachter aus dem »Westen« sind nicht willkommen. Als Folge befährt kaum noch jemand die Straßen Afghanistans, und so geht der Kontakt mit dem Land Stück für Stück verloren.

Die Erinnerung an meine Reise in den Irak vor drei Jahren kommt auf: Auch dort entstanden Parallelwelten, die sich nur in ritualisierten, formalen Kontakten oder im Kampf begegneten. Nach den Kontrollen entlang des Weges ist die Rückkehr nach Kabul fast eine Heimkehr, das Gästehaus ein Hort der Sicherheit. Nach einigen Stunden geht dieses Gefühl verloren, es dominiert wieder die unwirkliche Atmosphäre der Stadt. Wir planen, am nächsten Tag abzureisen.

Wie sich herausstellt, ist der Landweg nach Pakistan für Ausländer – ohne militärische Absicherung – nicht passierbar. Mein deutscher Pass würde von den Kontrolleuren an der Grenze schnell an die Taliban gemeldet werden. Auf der pakistanischen Seite müssten wir damit rechnen, entführt zu werden, sagen uns Mitarbeiter des Tribal Liaison Office, einer Einrichtung, die in den paschtunischen Stammesgebieten forscht und dort auch Projekte zum Aufbau des Verwaltungs- und Gerichtswesens koordiniert. Mountstuart Elphinstone war 1808, von Indien kommend, bis nach Peschawar vorgedrungen, dem »Außenposten« (so die Bedeutung des Wortes), den Sultan Akbar im 16. Jahrhundert errichtet hatte – nach Kabul gelangte er nicht. Uns geht es nun in gewisser Weise umgekehrt: Statt nach Peschawar zu fahren, fliegen wir am nächsten Morgen von Kabul nach Islamabad.

In Pakistan beginnt in diesen Tagen die Offensive der Armee gegen die Taliban im Nordosten des Landes. Einen Tag vor unserer Ankunft in Islamabad hatte Präsident Obama auf einer Pressekonferenz die pakistanische Regierung scharf kritisiert und größere militärische Anstrengungen gegen die in Richtung Islamabad vordringenden Taliban verlangt. Pakistan verfügt über eine starke Armee und einen einflussreichen Geheimdienst – diese Institutionen ermöglichen die Kontrolle, teilweise sogar die Beherrschung der radikal-religiösen Gruppen, erklärt mir ein pakistanischer Politikwissenschaftler, der vor seiner späten akademischen Karriere ein ranghoher Offizier war. Mit den radikalen Islamisten können daher von Fall zu Fall Allianzen geschmiedet werden.

Von Teilen der Armee werden die Taliban geduldet, manchmal auch unterstützt. Nicht zuletzt weil die Kämpfer in Kaschmir von diesen Gruppen verdeckte oder weniger verdeckte Hilfe erhoffen können. Die Eskalation der Gewalt richtet sich – in den Augen vieler Militärs – nicht gegen Armee und Geheimdienst und untergräbt daher nicht deren Machtposition. Nur hat es den Anschein, dass die Taktik nicht länger aufgeht: Die Taliban beschränken sich nicht mehr auf die ihnen stillschweigend überlassenen Gebiete, sie rücken auf das Machtzentrum des pakistanischen Staates vor. Und die Amerikaner bewerten die Kollaboration mit den Taliban inzwischen zunehmend kritisch.


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Betonbarrieren, Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren vermitteln ein Gefühl der Sicherheit. Ansonsten erinnert nichts mehr an den Anschlag, der Pakistan tief verunsicherte.)

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    http://myshortbiography.blogspot.com/

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    WHY TO ACCEPT LIABILITIES FOR CRIMES COMMITTED WHEN WE CAN SIMPLY ASSASSINATE OUR VICTIMS(YOU) THANKS TO HUMAN RIGHTS ORGANIZATIONS AND FREE PRESS/MEDIA(most severe censorship of genocide ever !!!)!!

    Related to WHITES AREN?T WELCOME IN AMERICA ANY LONGER !!! http://www.youtube.com/user/BostjanAvsec