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aus Heft 24/2007 Außenpolitik

Der Krieg beginnt hier

Gerald Selch (Text); Mirco Taliercio (Fotos) 

Die US-Armee baut ihren Stützpunkt in Grafenwöhr zum größten Standort in Europa aus: Fast jede amerikanische Einheit im Irak trainiert in der Oberpfalz. Und wenn hier die Übungsbomben fallen, steht in Bagdad und Umgebung wieder eine Offensive bevor.

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Die Oberpfalz ist eigentlich ein stiller Landstrich. Und doch kündigt sich hier jede Großoffensive der US-Armee im Irak an, ungefähr vier Wochen zuvor: wenn man sich in Grafenwöhr warmschießt. Dann hängt eine schwarze Wolke von Fallschirmjägern am Himmel und Schwärme von Angriffshubschraubern vom Typ Apache setzen zu Attacken an. Aus Italien kommen Düsenjäger über die Alpen, um hier Bomben abzuwerfen. Zu Boden ziehen Tausende Soldaten mit scharfer Munition ins Manöver, mit Panzern und Haubitzen. Noch 50 Kilometer entfernt ist ein Donnergrollen zu hören, das Ortsfremde den Regenschirm einpacken lässt, weil sie glauben, es ziehe ein Gewitter auf.

Die Oberpfalz ist ein stiller Landstrich, so still, dass außerhalb kaum jemand über sie spricht. Das schätzt die US Army, die hier, fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit, ihre größte europäische Militärbasis baut. Eine Milliarde Euro investiert die US-Regierung, um Grafenwöhr zur europäischen Drehscheibe im Kampf gegen den Terror auszubauen. Schon Ende 2008 werden hier 10000 US-Soldaten stationiert sein, dann leben mit Familienangehörigen und zivilen Angestellten mehr als 30000 US-Staatsbürger in der waldreichen, dünn besiedelten Region. »Wir könnten für die Oberpfalz den 51. Stern auf der amerikanischen Flagge beantragen«, scherzt US-Armeesprecherin Susanne Bartsch.
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Vor der Tür von Colonel Brian T. Boyle, dem kantigen Commander des Stützpunkts, hängt ein Porträt von George W. Bush. Boyle sitzt an einem Schreibtisch aus Massivholz, den die US-Armee 1945 von den Nazis übernommen hat, wie das gesamte Truppenübungs-gelände. Im Gebäude nebenan stehe der Schreibtisch von Rommel, erzählt Boyle noch. Dann sagt er: »Grafenwöhr ist ein Kronjuwel der amerikanischen Streitkräfte, fast jede Einheit, die im Irak kämpft, hat einmal hier trainiert«; er lobt die Oberpfälzer: wunderbare Menschen, gute Nachbarn und diese fantastischen Trainingsmöglichkeiten vor Ort. Seine Oberpfälzer Sekretärin serviert Kaffee, typisch amerikanisch: dünn und im Styroporbecher. »We really, really love this place«, sagt der Commander.
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