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aus Heft 24/2007 Außenpolitik

Der Krieg beginnt hier

Seite 3

Gerald Selch (Text); Mirco Taliercio (Fotos) 

Wenn in Grafenwöhr morgens um sechs Panzergranaten explodieren, endet damit die Nachtruhe der Anwohner. »Dann brüllen die Kinder, weil sie wach werden. Da glaubt man, die Soldaten liegen direkt im eigenen Garten und schießen«, sagt Armin Griesbeck aus Nitzlbuch, Vorsitzender der örtlichen Initiative gegen Schießlärm. Grießbeck wohnt neben der Schießbahn 213, einer von fünfzig Schießbahnen, die derzeit in Betrieb sind. Er zeigt in den Fichtenwald hinter seinem Haus. Wenige Minuten Fußweg entfernt feuern oft bis zu zehn Radpanzer in Reihe. Die amerikanischen Soldaten bekommen vom Lärm kaum etwas mit: Ihre neuen Häuser sind schalldicht gebaut. Für die deutschen Nachbarn, beschwert sich Griesbeck, werde nicht einmal ein Erdwall als Lärmschutz um die Schießanlage gezogen, wie mittlerweile an jeder Autobahn üblich: »Aber deutsche Anlieger sind der US Army egal, und die Politik traut sich nichts zu sagen.«

Das Leben neben dem 371 Quadratkilometer großen militärischen Sperrgebiet ist oft alles andere als friedlich. Eine kurze Bilanz der vergangenen zehn Jahre: Eine Helikopterrakete verfehlte das Krankenhaus im angrenzenden Eschenbach nur knapp, eine Lenkrakete schlug in ein Waldstück bei Haselmühle ein, ein Panzer feuerte eine Salve MG-Kugeln auf eine Scheune in Treinreuth. 2001 landeten zwei Panzergranaten auf dem Dach einer Grundschule in Kirchenthumbach, während die Kinder im Pausenhof spielten. Zum Glück nur Übungsmunition. In Auerbach, am Westzipfel des Truppenübungsplatzes, waren die Trinkwasserquellen mit dem mehr als 70-fachen Grenzwert an Hexogen verseucht, einem Bestandteil von Sprengstoff, der als krebserregend gilt. Als der Skandal aufflog, wurden neue Quellen angebohrt. Aber davor hatte die halbe Stadt jahrelang verseuchtes Wasser getrunken.
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Dennoch: Wer gegen den Truppenübungsplatz eintritt, hat es schwer, auch unter der deutschen Bevölkerung. Die Region lebt »vom Amerikaner«, wie die Oberpfälzer sagen. 3895 deutsche Arbeitnehmer beschäftigt die Garnison Grafenwöhr, 160 Millionen Euro werden im Jahr an Gehältern gezahlt. »Sie glauben gar nicht, was der Amerikaner hier für eine Macht hat«, sagt Griesbeck.

Im September letzten Jahres reiste sogar Ministerpräsident Edmund Stoiber an, um das 2. US-Kavallerieregiment zu begrüßen, das von Washington nach Grafenwöhr verlegt wurde. »Heute ist ein großer Tag für die US-Armee«, sagte Stoiber damals. Und: »Es ist ein großer Tag für Bayern.«
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