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aus Heft 32/2009 Das Prinzip

Händewaschen

Tobias Kniebe 

Manche Ärzte sagen, die Schweinegrippe lasse sich tatsächlich mit wenigen Handgriffen besiegen.


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Jetzt drangsalieren sie uns wieder, die allgegenwärtigen Propagandisten des Händewaschens, vom Vorsteher des Gesundheitsamts um die Ecke bis zum US-Präsidenten. Die Ärzte des Robert-Koch-Instituts, Deutschlands oberste Seuchen- und Schweinegrippenbekämpfer, haben sich unter der Parole »Wir gegen Viren« sogar einen besonders furchterregenden Film ausgedacht.

Böse Keime hüpfen darin in Windeseile durch die ganze Stadt, von Mensch zu Aufzugsknopf, von Geldschein zu Hand, von Türklinke zu Hosentürl – bis ein erlösender Wasserstrahl, gepaart mit schäumender Seife, diesem Staffellauf des Grauens ein Ende setzt. In seiner pädagogischen Strenge erinnert der Spot sehr an die frühe Kindheit, an den Ordnungsruf der Mutter, bevor das Essen auf den Tisch kam, oder an die gelegentlichen Enthüllungsberichte auf RTL, wo die Reporter eine versteckte Kamera auf der Männertoilette installieren und die Waschbecken-Verweigerer dann draußen einer strafenden Befragung unterziehen.
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Das Gute daran ist natürlich, dass das Händewaschen eine sichtbare, nachvollziehbare, sinnlich erfahrbare und äußerst handfeste Angelegenheit ist, während die Bakterien, Viren und Keime, die man damit bekämpft, vollkommen unsichtbar bleiben – genauso abstrakt wie die Ansteckungsgefahr selbst. Ohne das Händewaschen wäre das Ringen um die Gesundheit eine sehr virtuelle Sache: auf der einen Seite eine kaum einschätzbare Bedrohung, auf die man manchmal mit Panik, manchmal eher mit Schulterzucken reagiert, und auf der anderen Seite Impfstoffe oder Grippemittel, die in ihrer echten oder nur vermeintlichen Wirksamkeit ungefähr so undurchschaubar sind wie das Virus selbst.

Würden sie im Ernstfall irgendwem nützen – außer den Chemiekonzernen, die sie millionenfach und milliardenteuer verkauft haben? Wie viel einfacher scheint es da doch, gelegentlich zum nächsten Wasserhahn zu gehen und wieder ein paar Bastarde in die Kanalisation zu spülen! Unabhängige Experten, wie der britische Arzt und Epidemiologe Tom Jefferson, werfen der Pharmaindustrie inzwischen sogar eine »Sehnsucht nach der Pandemie« vor – und erklären, regelmäßiges Händewaschen sei viel wirksamer als jedes Medikament.

Das trifft sich natürlich mit unserer menschheitsgeschichtlichen Erfahrung. Fühlte sich nicht schon Pontius Pilatus gleich wesentlich besser, nachdem er seine Hände in Unschuld gewaschen hatte? Und lassen nicht allerlei rituelle Waschungen, die man aus diversen Religionen kennt, auf eine jahrtausendealte Weisheit schließen? Gut möglich. Ganz so einfach ist die Sache aber trotzdem nicht.

Wer sich nämlich vorgenommen hat, den Viren an den eigenen Händen endlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken, kommt schnell auf einen merkwürdigen Trip: Von jeder Türklinke grinst dich das Böse an, beim Stehen in der U-Bahn würdest du plötzlich lieber umfallen, als dich an die sicherlich total verseuchte Haltestange zu klammern, und im Büro stehst du wegen ständiger Ausflüge zur Toilette schon im Verdacht der Arbeitszeitverkürzung.

Der reinigenden Kraft des Händewaschens steht nicht umsonst auch die Pathologie des Waschzwangs gegenüber. Im schlimmsten Fall endet man wie Jack Nicholson in Besser geht’s nicht: mit einem Schrank voller Seifenstücke und kerngesund, aber leider unausstehlich im sozialen Zusammenleben. Und ehrlich gesagt: Die Wilden von Stadiontoilette und Autobahnraststätte, die nach dem Pinkeln noch mal korrigierend ans Gemächt greifen, ihre Hände aber niemals mit Wasser benetzen würden – strahlen sie nicht auch eine eigentümliche Vitalität aus? Erst im ständigen Nahkampf mit Schmutz und Viren, wir erinnern uns, erwächst dem Menschen seine Widerstandskraft. Dreck reinigt den Magen? Was nicht tötet, härtet ab?

Ach was, Schluss jetzt. Ich muss nämlich auch ganz dringend von meiner Computertastatur weg, auf der laut britischen Mikrobiologen bis zu fünfmal mehr Keime hausen könnten als auf einem durchschnittlichen Toilettensitz.


Foto: dpa
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