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aus Heft 25/2007 Gesellschaft/Leben Noch keine Kommentare

Ein Einfall ist kein Zufall

Der Hirnforscher und Psychologe Ernst Pöppel erklärt, warum Hunger die Kreativität fördert und gute Ideen in Bürohochhäusern leicht verpuffen. Von Ernst Pöppel 



Kann man Kreativität definieren? Man sollte es lieber sein lassen, weil Definitionen kreative Gedanken verhindern können. Unausgesprochen weiß jeder, was mit Kreati-vität gemeint ist. Doch was ist das Ziel und was sind Bedingungen für Kreativität? Ein kreativer Prozess sollte zu etwas Neuem führen, und das Neue ist immer neues Wissen. Das Schaffen neuen Wissens kann nicht aus dem Nichts entstehen; es muss eine Basis bereitstehen, auf der das Neue entstehen kann. Ohne schon vorhandenes Wissen oder Können ist Kreativität ein blinder Prozess, in dem manch Neues entsteht, das jedoch keinen Bezug zur Realität hat.

Es gibt natürlich ein paar äußere und innere Bedingungen, die Kreativität beeinflussen. Wenn man sie berücksichtigt, kann man die Kreativitätsausbeute verbessern. Die tageszeitliche Schwankung aller Funktionen in unserem Körper bedingt, dass wir zu bestimmten Tageszeiten sehr einfallsreich oder aber sehr eingeschränkt sind. Ein besonderer Rahmen der Kreativität wird durch die Ernährung gegeben. Aufgrund der Möglichkeiten, die unsere moderne Gesellschaft bietet, sind viele von uns überernährt. Besonders kreativ sind wir aber gerade dann, wenn wir hungrig (ein wenig hungrig) sind. Abnehmen unterstützt also auch die kreativen Potenziale.
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Kreativität hängt weiter davon ab, wie die physikalische Umwelt gestaltet ist: von der Raumtemperatur, der Lichtintensität, dem Geräuschpegel, dem Geruch, der Architektur der Räume, in denen man sich aufhält. Da die Interaktion mit anderen für den kreativen Prozess entscheidend ist, spielt die Gestaltung der Räume oder eines Gebäudes eine maßgebliche Rolle. Es fällt auf, dass bereits ein anderes Stockwerk daran hindert, mit anderen in einen kreativen Kontakt zu treten. Kreativität findet in einem Radius von etwa fünfzig Metern statt. Eine gelungene Architektur der Kreativität muss von der Innenperspektive des Menschen ausgehen, zu der die Sehnsucht nach Einsichten gehört. Übereinandergetürmte Räume in Hochhäusern isolieren voneinander, und mangelnder Kontakt zu anderen lässt kreative Potenziale ungenutzt. Man denkt und handelt in der Ebene, und hierbei spielt der Türrahmen eine wichtige Rolle. Wie viele gute Gespräche finden im Türrahmen statt; man hat etwas gesagt, und im Hinausgehen fällt einem noch etwas ein. Der Türrahmen ist in gewisser Weise auch ein Symbol: Wenn man kreativ gewesen ist, muss man durch die Tür gehen und es anderen sagen. Wirkliche Kreativität kann nicht eingeschlossen bleiben; sie will mitgeteilt werden.

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