Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München
Anzeige
Anzeige

aus Heft 41/2009 Stars

Völlig aus dem Häuschen

Philip Reichardt  Illustrationen: Bernd Wagener

Oliver Pocher, Sandy Meyer-Wölden, Verena Kerth und Martin Krug unter einem Dach - das wäre Stoff für eine gute Soap. In München-Schwabing ist es Realität. Wir haben mal geklingelt.

Anzeige
L O V E stand da, einfach L O V E, rot leuchtete der Schriftzug aus einem Fenster im dritten Stock. Vier Buchstaben nur, doch ihre Botschaft war unmissverständlich: Es wohnten jetzt wieder Menschen in dem Altbau mitten in München-Schwabing, wenn auch nicht dieselben wie früher. Das alte Mietshaus hatte sich in eine Luxusimmobilie verwandelt. Ein paar Tage später begegneten mir die vier Buchstaben wieder, diesmal bei ProSieben. Sandy Meyer-Wölden führte durch ihre Wohnung. Großaufnahme, eine Pop-Art-Skulptur, derselbe Schriftzug im Fenster: L O V E. War Sandy Meyer-Wölden in das restaurierte Haus in Schwabing eingezogen?

Nach der ProSieben-Episode ging ich wieder am L O V E-Haus vorbei und suchte den Namen Meyer-Wöldens auf dem Klingelschild. Vergeblich. Hier wohnen fast nur Menschen, die ihren Namen abkürzen: MJK, MJP, FW und, ja, M-W. Wie Meyer-Wölden. Nur drei der acht Parteien geben ihren ganzen Namen preis, eine Wohnung ist noch nicht vermietet. Offenbar soll keiner wissen, wer hier wohnt. Ich beschloss, es herauszufinden. Klingeln, mich kurz vorstellen, um Einlass bitten, nur ein paar Fragen. An manchen Tagen kam ich mehrmals vorbei. Es wurde eine lange Woche im September.
Anzeige
Auf keinen Fall darf hier stehen, wo genau dieses Haus sich befindet. In einer der schönsten Ecken Schwabings, das muss genügen, alles andere falle unter den Schutz der Privatsphäre, sagt die Justiziarin des Süddeutschen Verlags. So ging es weiter. Eine Frau, die alle Mieter kennt, doch über sie partout keine Auskunft geben will und auch selbst nicht genannt werden möchte, sagt nur: »Das sind keine einfachen Menschen.« Auch der Eigentümer verbirgt sich hinter einer verschachtelten Konstruktion von Firmen, die alle in einer feinen Adresse im Münchner Herzogpark zu Hause sind.

Vor knapp einem Jahr hatte ich mir selbst einige Wohnungen in dem ominösen Haus angesehen. Acht waren auf einen Schlag zu vermieten, vom Hochparterre bis in den dritten Stock, sowie eine unterm Dach, alle »hochwertig kernsaniert«. Also neues Parkett, aufwendig restaurierter Stuck, luxuriöse Bäder. Einen Aufzug gibt es nun, und – absolute Rarität in einem Altbau – ein »Komfortparksystem« unter dem Haus, Tiefgarage hätte man früher dazu gesagt. Die Maklerin, die mich herumführte, sah blendend aus, ihrem Äußeren nach hätte man sie genauso gut in einer Modelagentur vermuten können.

Die kleineren Wohnungen, rund 110 Quadratmeter groß, sollten 2800 Euro kosten, die größeren, 130 Quadratmeter, 3400, die 310-Quadratmeter-Dachwohnung 7800 Euro. Kalt, Nebenkosten extra. Das sind, je nach Stockwerk, zwischen 25 und gut 26 Euro für einen Quadratmeter. Mehr als dreimal so viel wie früher.

Als wir uns damals in dem riesigen Treppenhaus verabschiedeten, stellte ich der Maklerin eine letzte Frage: Ob es möglich sei, dort einen Kinderwagen abzustellen. In ihr Gesicht schlichen sich Züge des Entsetzens. Fassungslos antwortete sie: »So ein Haus ist das nicht.«


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Bis vor drei Jahren war es ein gewöhnliches Mietshaus, dann wurde es plötzlich zum Investorenobjekt.)
Seite 1 2 3 4
  • Stars

    »Ich mache ja nur beschissene Popmusik«

    Simon Fuller hat die Spice Girls groß gemacht und gehört zu den wichtigsten britischen Star-Managern. Im Interview erklärt er, warum Leute wie Robbie Williams und Chris Martin trotzdem nur Verachtung für ihn übrig haben.

    Interview: Silke Wichert
  • Anzeige
    Stars

    Was der berühmteste Friseur Hollywoods über Stars weiß

    Seit Jahrzehnten kreiert er die Frisuren von Lady Gaga bis Madonna: Peter Savic. Im Interview verrät er, wie man am besten mit Diven umgeht und was er bei seiner Arbeit über Schönheit gelernt hat.

    Von Sven Michaelsen
  • Stars

    Aller guten Dinge

    John Waynes Gewehr, Elvis Presleys Mikrofon, Jim Hensons erste Muppetpuppe: Wer neue Einblicke in das Leben der Größten gewinnen will, muss sich ansehen, womit sie ihren Job gemacht haben. Eine Werkzeugschau.

    Von Max Fellmann