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aus Heft 49/2009 Respekt

Der Holzbeschützer

Serge Debrebant (Interview) 

Interviews mit Menschen, die wir gut finden. Diese Woche: Alexander von Bismarck, der gegen Produkte aus illegal geschlagenem Holz kämpft.

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Respekt, Herr von Bismarck, dank Ihrer Arbeit haben die USA das strengste Gesetz gegen illegal geschlagenes Holz.
Alexander von Bismarck:
Das Gesetz stellt es unter Strafe, sogenanntes Raubholz, das meist aus den Tropen stammt, zu kaufen. Klingt selbstverständlich, aber in Europa gibt es ein solches Gesetz nicht. Allein Deutschland führt jährlich Raubholz im Wert von mehr als einer Milliarde Euro ein.

Ihre Organisation heißt Environmental Investigation Agency. Wie arbeiten Sie?
Wir unterhalten Büros in London und Washington mit etwa dreißig Mitarbeitern, finanziert werden wir durch Spenden. Aber die zentrale Arbeit findet draußen statt: Wir wollten zum Beispiel beweisen, dass große Firmen wie Wal-Mart Produkte aus illegalem Holz verkaufen. Also haben wir uns zuerst in den Läden umgeschaut, von welchen Firmen die Waren stammen. Dann sind wir zu den Herstellern geflogen, um herauszufinden, wo sie das Holz gekauft haben. Am Ende der Zuliefererkette landet man irgendwo im Urwald – in Indonesien, Russland oder Peru.
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Die Adresse Ihres Büros steht weder im Internet noch im Telefonbuch. Absicht?
Wir machen uns mit dieser Arbeit viele Feinde. Viele Holzschmuggler sind in den Drogen- und Waffenhandel verwickelt.

War Ihr Leben schon einmal in Gefahr?

Ja, zum Beispiel vor einigen Jahren in Honduras: Ich habe mit einem anderen Ermittler ein Dorf im Urwald besucht. Es war in den Händen von Kokainhändlern, die gleichzeitig den Regenwald abholzten. Wir haben uns als Touristen ausgegeben, die Vögel beobachten wollten. In der Lagune schwamm das Kokain paketweise, und fast jeder, den wir trafen, trug einen Revolver bei sich.

Aber geschnappt wurden Sie noch nie?

Vor drei Jahren hätte es eine Bande in Kuala Lumpur fast geschafft. Wir hatten Beweise gesammelt, die zeigten, dass sie Raubholz von Indonesien nach Malaysia schmuggelten, obwohl die Einfuhr verboten ist. Wir folgten einem Laster mit Raubholz. Er bog von der Hauptstraße ab und blieb vor einem Sägewerk stehen. Der Fahrer stieg aus und telefonierte. Plötzlich rasten zwei Mercedes auf uns zu und stellten sich uns in den Weg. Und ein Laster versperrte die Straße. Ich habe Gas gegeben, und wir konnten gerade noch entwischen. Unser zweites Team wurde am gleichen Tag von der Polizei festgenommen – es war also ein geplanter Gegenschlag.

Was machen Sie mit Ihren Beweisen?
Wir übergeben sie den Behörden, den Medien, zeigen sie Politikern. So finden wir das Gehör dieser Leute. Für das Gesetz gegen illegales Holz haben sogar Republikaner gestimmt – also nicht gerade klassische Umweltschützer. Um etwas zu erreichen, muss man ungewöhnliche Bündnisse eingehen.

Klingt nach Realpolitik – ein Begriff, den Ihr Vorfahr Otto von Bismarck erfunden hat.
Damit habe ich kein Problem. Es hilft nicht, auf seinen Idealen zu beharren. Wenn es uns nicht gelingt, dem Welthandel Regeln aufzuerlegen, werden wir unsere Zukunft bald zerstört haben. Wir hinken dermaßen hinterher – ich glaube, viele begreifen gar nicht, wie ernst die Lage ist.


Foto: privat

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