.« Auf dem Dorfmarkt stellt sich der 64-jährige John Odero als offizieller Fahrradreparateur von Mama Sarah vor, obwohl Mama Sarah gar kein Fahrrad besitzt. Am Tag repariert Odero im Schnitt 35 Fahrräder, sagt er. Das bringe ihm knapp 2000 Kenianische Schilling im Monat, umgerechnet rund 22 Euro. Sein gleichaltriger Freund Nelson Odhiambo, ein Grundschullehrer, sagt: »Die Obama-Manie ist in unserem Dorf 2004 ausgebrochen, nachdem ›der Junge‹ den Einzug in den Senat geschafft hatte. Seitdem nennen die Menschen ihre Kinder, aber auch ihre Hühner, Kühe und Ziegen Obama. Eine Biersorte namens ›Senator‹ wurde kurzerhand zu ›Obamas Bier‹ umbenannt. Von einigen Bewohnern wurde bei der Provinzregierung vor Kurzem sogar der Bau eines kleinen Flughafens gefordert, um für den erhofften Massenansturm der Touristen gewappnet zu sein, wenn Obama Präsident ist.«
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Nelson tippt sich an die Stirn. »Wir leben in einem sehr armen Dorf, kaum einer verfügt über eine ordentliche Schulbildung. Der durchschnittliche Verdienst liegt selten über 20 Dollar pro Monat. Viele sehen in Obama deshalb eine Art Erlöser. Dabei begreifen sie nicht einmal, wie man ein Kondom richtig benutzt. Aids ist immer noch unser größtes Problem. Die Seuche drückt die Lebenserwartung eines Menschen in Kogelo und den benachbarten Dörfern auf unter 41 Jahre.«
Barack Obama war seit 1983 mehrere Male in Kogelo zu Besuch. Das letzte Mal im August 2006. Es war ein offizieller Staatsbesuch auf Einladung der kenianischen Regierung. Die Dorfschule erhielt damals den Namen »Senator Obama Secondary School«. Obama wurde wie ein Messias empfangen. Alle jubelten ihm zu und jeder wollte ihm die Hand schütteln.
»Wir versuchen seinem Namen alle Ehre zu machen«, meint Yuanita A Obiero, die 47-jährige Rektorin der Schule. Es genügt jedoch ein starker Regen, um die Klassenzimmer in einen Sumpf zu verwandeln. Das Chemielabor, das von Obama eingeweiht wurde, ist noch nicht benutzbar, und die Bibliothek, in der sich die paar Dutzend Bücher auf grauem Zementboden stapeln, auch nicht. Aber in ihren Träumen sind die Schüler längst in Amerika. Sie träumen davon, Anwälte in Chicago, Rechtsprofessoren in Harvard oder auch Senator von Illinois zu werden und manchmal sogar Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Mama Sarah hat sich nie gewünscht, Kogelo zu verlassen. Sie wurde in diesem Dorf geboren, und »wenn Gott es gut mit mir meint, werde ich auch hier sterben«. Natürlich hofft sie, bald den ersten afroamerikanischen Präsidenten Amerikas umarmen zu können. Aber ihr ist nur eines wirklich wichtig: »Ich habe Barack gesagt, dass er sich nicht um uns sorgen soll. Es gibt Menschen, die seine Hilfe nötiger haben. Er soll nur nie vergessen, wo er herkommt.«
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