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aus Heft 53/2009 Gesellschaft/Leben 1 Kommentar

These 7: Jeder kann Verleger sein

Großkonzerne, Plattenmogule – es wird Zeit, sich von überkommenen Hierarchien zu verabschieden: Jeder kann sein eigener Verleger oder Produzent sein.

Von Douglas Coupland 

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Tausend neue Technologien, tausend neue Arten zu leben. Wenn ich mit Studenten rede, wundere ich mich immer über das Tempo ihrer Gedanken – und merke: Wir sind Zeugen eines gewaltigen Sprungs in der menschlichen Evolution, angetrieben von Facebook, MySpace und dem iPhone. Das Denken in komplexen Strukturen verdrängt lineare Gedankengänge, Netzwerke lösen Hierarchien ab.

Das hat aufregende Folgen. Jeder Mensch mit einem Computer kann heute sein eigener Verleger, Chefredakteur, Produzent sein. Er kann eine Revolution starten oder einen Bestseller veröffentlichen, ohne vom Schreibtisch aufzustehen – der Revolutionär muss sich nur mit den richtigen Leuten vernetzen. Die Internetkampagne zu den Protesten im Iran zum Beispiel wurde aus New York gesteuert.

Zeit und Raum haben für einen Zwanzigjährigen eine vollkommen andere Bedeutung als für jemanden wie mich, der im Zeitalter der ersten Taschenrechner aufwuchs.

Damals war die Welt sehr viel hierarchischer. Ob Verlag, Plattenlabel oder Behörde: Überall gab es wenige Entscheider an der Spitze und viel Fußvolk, das Entscheidungen entgegennahm.

Mir gefällt die Vorstellung, dass diese Welt zu Ende geht. Ich mache da mit, so gut ich kann. Auch wenn ich dem Ganzen weiterhin ein bisschen fremd gegenüberstehe. Mittlerweile reagieren Verleger verstimmt, wenn ihre Autoren keine eigene Homepage betreiben. Also habe ich vor einigen Jahren coupland.com entworfen. Da finden meine Leser das Übliche – Tourdaten, Biografie, Interviews –, aber auch einen wichtigen Hinweis, gleich ganz oben auf der Homepage: Douglas Coupland besitzt keine Facebook- oder MySpace-Seite. So viel old school muss sein.

(Der kanadische Autor Douglas Coupland prägte mit seinem Roman Generation X den Namen für die linksalternative Jugendkultur der frühen Neunzigerjahre.)

Kommentare

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  • Domingos Schmidt (0) Heute kann tatsächlich jeder ein Schriftsteller werden. Vor allem durch das E-Book erweitern sich die Möglichkeiten, denn hier besteht Bedarf an neuen Formen des Schreibens, die sich an die Lesegewohnheiten des E-Book-Lesers anpassen. Dostojewskis Gebrüder Karamsov ist eine Schwarte von Buch, die man nicht unbedingt auf einer zehn Minuten langen U-Bahn-Fahrt lesen möchte. Dann wäre man nach ungefähr zwei Jahren fertig, der Häppchenkonsum ist bei solchen Büchern nicht stilgemäß. Stattdessen könnten Kurzgeschichten ein Revival erleben, Comics, wenn die Displays der Reader bunt werden, Reportagen und Features, die man am Bildschirm nicht lesen mag und vieles mehr. Die Revolution des Publizierens steht bevor, vor allem, weil es nicht mehr darauf ankommt, einen Verlag zu finden, ein Millionenpublikum zu begeistern und bei der Stange zu halten, um von der brotlosen Kunst leben zu können.
    http://www.oliveira-online.net/wordpress...