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aus Heft 53/2009 Gesellschaft/Leben 2 Kommentare

These 12: Pop ist unsterblich

Pop befindet sich in einer Endlosschleife – er hat sich zu oft selbst zitiert.

Von Max Fellmann 

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Natürlich ist Pop nicht tot. Er ist unsterblich – als Konsumprodukt. Es wird bis in alle Ewigkeit neue Lady Gagas und neue Feuchtgebiete geben, neue Haie in Formaldehyd und neue Star Wars. Das Problem ist nur, dass dem Pop langsam die Ersten auszugehen scheinen, also die Protagonisten, die nie Dagewesenes schaffen.

Wenn man sich ansieht, was Kritiker zurzeit so schreiben, über Musik, Filme, Bücher, Kunst – dann ist da viel Müdigkeit zu erkennen. Der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen diagnostizierte vor Kurzem sogar, es sei Zeit für »Ende und Umbau der Popmusik«. Und wenn dann doch etwas bejubelt wird, im Bereich der Musik zuletzt etwa die Band The XX, dann lautet das Argument oft, hier werde dies und jenes auf geniale Weise neu zusammengesetzt. Im Falle von The XX: Musikversatzstücke der Achtzigerjahre.

Das muss nicht schlecht sein, ein gutes Zitat kann wie neu wirken. So funktionierte Pop-Art, so funktioniert Lady Gaga, eine Art jüngere Madonna. Die Frage ist nur, wie viele Zitate und Zitatzitate der Pop verträgt. Je älter die Popkultur wird, umso mehr verweist jeder Ton, jedes Bild, jeder Buchstabe auf unzählige vorangegangene Aussagen. Und wo alles alles bedeuten kann, geht jede spezifische Bedeutung verloren.

Um Jean Baudrillards berühmte Feststellung, dass das Reale durch das Zeichen des Realen ersetzt wird, auf Pop zu übertragen: Statt etwas Neuem kommt das Zitat dessen, was vorher mal neu war. Nur das offensichtlichste aller Beispiele: Die erfolgreichsten Filme sind nicht selten Teil 2 oder 3 früherer Blockbuster.

Und in der Musik? Das letzte neue Ding war Techno – und das ist 15 Jahre her. Aber es wäre albern, daran jetzt kulturpessimistisch rumzunörgeln. Denn für die jeweils jüngste Generation von Konsumenten funktioniert Pop prächtig, als Kunst des Moments, nicht der Ewigkeit. Für jede neue Generation ist das, was sie vorfindet, wieder völlig neu, also aufregend.

Und was ist mit den Alten, die brummen, das erinnere doch nur wieder an lauter Altbekanntes? Völlig egal, sie sind ja nicht gemeint. Wer nach Jahren die Endlosschleifen der Populärkultur verdammt, verrät damit mehr über sich selbst als über Pop: Er wird eben alt. Und die Jungen legen los. Das ist der Generationenvertrag des Pop.

(Max Fellmann, Redakteur des SZ-Magazins, hofft zurzeit auf ein Neunzigerjahre-Revival.)

Kommentare

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  • Malte Strang (0) Wenn mit Pop gegenwärtig Lady Gaga und Schlotte Roche gemeint sind, bin ich ja beruhigt;-)
  • Max Mokka (0) Erst einmal Glückwunsch zur aktuellen Ausgabe mit den vielen lesenwerten Beiträgen. Nur schade, dass auch deutlich wird, dass Eure Redaktion vom Thema Pop so herzlich wenig versteht. Dabei hättet Ihr es dem Beitrag von Tim Renner entnehmen können: Videospiele sind an die Stelle des Rock'n'Roll getreten. Und Ihr? Statt Euch in dieser Ausgabe mit dem Thema zu beschäftigen untertitelt Ihr das Foto mit dem GTA-Motiv einfach nur mit "Gewaltvideospiel", obwohl GTA IV, dieser "interaktive Tarantino", diese geniale Satire auf den America Way of Life vielleicht das wichtigste Pop-Produkt der letzten Jahre ist. (Ja, Herr Fellmann, es gibt sie noch, die "Protagonisten, die nie Dagewesenes schaffen"!) Da zeigt sich mal wieder, dass die deutschen Feuilleton-Redaktionen auch nichts anderes sind als "eine Ansammlung alter, dicker, hässlicher Besitzstandswahrer" (sieheMalcolm McLaren). (Die Schirrmacher-Truppe aus Frankfurt nehme ich da ausdrücklich aus, immerhin hat man dort schon vor Jahren das Kultur-Buch mit einem Beitrag über die deutsche Veröffentlichung von Indigo Prophecy aufgemacht. Und ernsthaft über Comics berichtet wird dort auch.)
    PS: Der Verfasser dieser Zeilen ist über 40, hat gerade online eine CD (sic!) bestellt und liest jetzt gleich wieder in der 85 Jahre alten Ausgabe von De Costers "Halewijn", die er kürzlich in einem verstaubten Antiquariat erstanden hat (wunderbar illustriert von Fritz Löwen).