Doch ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat sich Ernüchterung bei den Bürgern und vor allem den SPD-Anhängern und Parteimitgliedern eingestellt. Vor allem aber hat Kurt Beck den Rückhalt bei den eigenen Anhängern in dramatischer Weise verloren. Von den SPD-Wählern der Bundestagswahl 2005 würden sich Mitte 2007 noch nicht einmal 30 Prozent für Beck entscheiden, 44 Prozent dagegen für Merkel. Merkel verfügt somit nicht nur bei allen Wahlberechtigten über einen großen Vorsprung (plus 40 Prozentpunkte!) vor Beck, sondern liegt auch bei den SPD-Wählern vor dem SPD-Vorsitzenden.
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Nach einem Jahr ist von den hohen Erwartungen der SPD- Mitglieder wenig geblieben, tiefer Frust und große Hoffnungslosigkeit haben sich breitgemacht: Nur noch eine Minderheit von 48 Prozent meint, Beck habe seine Arbeit gut gemacht. Während im April 2006 noch 73 Prozent der SPD-Mitglieder erwarteten, die Chancen der SPD seien mit Kurt Beck gestiegen, glauben dies ein Jahr später nur noch 33 Prozent. Folge-richtig glaubt auch eine Mehr-heit von 56 Prozent der SPD-Mitglieder nicht daran, dass Kurt Beck die SPD aus ihrem jetzigen Stimmungstief herausführen könnte, und nur eine Minderheit der potenziellen SPD-Wähler (29 Prozent) hält Kurt Beck für den richtigen zehnten SPD-Kanzlerkandidat.
Das hat wenig mit von Beck unterstellten Kampagnen der Medien oder einiger Meinungsforscher, viel aber mit der Person Kurt Beck und seiner Wahrnehmung durch die Bürger zu tun. Nachdem die Menschen Kurt Beck ein Jahr beobachtet haben, hat er Profil bekommen – allerdings ein weit-gehend negatives. So hielten Beck im April 2006, als er noch keinerlei Konturen aufwies, 19 Prozent für vertrauenswürdig. Nach einem Jahr als SPD-Vorsitzender ist der Anteil auf 13 Prozent gefallen. Dass er »auf der Seite der kleinen Leute stehe«, glaubten im Frühjahr 2006 14 Prozent, ein Jahr später tun dies nur noch neun. Als »modern« schätzten ihn 2006 12 Prozent ein; 2007 finden dies noch sieben. Bei den SPD-Anhängern gehen auch diese Werte jeweils überdurchschnittlich stark zurück.
Für das schwache Erscheinungsbild Kurt Becks im Sommer 2007 ist er selbst verantwortlich: Zu unglücklich wirken inzwischen seine Auftritte. So war zum Beispiel sein Auftritt am Abend der Bürgerschaftswahl in Bremen in der Pose eines Wahlsiegers alles andere als geeignet, ein Signal der Hoffnung an die verunsicher-ten und frustrierten SPD-Anhänger zu senden. Gestützt auf zu positive SPD-Zahlen der ARD (die die SPD in Bremen bei 42 Prozent verortet hatte; das Wahlergebnis lag dann nur bei 36,8) hatte Beck gehofft, der SPD-Basis mit der Verkündung eines Wahlsieges wieder Mut zu machen. Die Siegerpose behielt er auch bei, als sich abzeichnete, dass die SPD an der Weser bei einer Bürgerschaftswahl noch nie so wenig Wähler mobilisiert hatte und sich der Wählerschwund der Partei auch in Bremen fortsetzte. Vor dem Hintergrund des Stimmenrückgangs der SPD wirkte Becks Auftritt ebenso wirklichkeitsfremd wie viele andere.
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