aus Heft 02/2010 Gesellschaft/Leben 30 Kommentare
Das beste Leben der Welt
Um 1950 in Westdeutschland geboren, das bedeutete für eine ganze Generation: nie Krieg, nie Armut, nie Sorgen. Aber was macht sie daraus?
Von Christian Nürnberger
Nächstes Jahr werde ich sechzig. Wenn ich dann auf mein Leben zurückblicke, werde ich sagen können, nie etwas anderes kennengelernt zu haben als Frieden und Freiheit bei wachsendem Wohlstand. Mein Staunen darüber wächst seit ungefähr anderthalb Jahrzehnten. Und zugleich, im selben Maß, wächst meine Sorge – und, in höherem Maß, meine Verzweiflung.
Es war ungefähr Mitte der Neunzigerjahre während einer sonnigen Herbstwanderung mit meiner Familie durch den Rheingau, als dieses Staunen und Sorgen begann. Unten glitzerte der Rhein und zog sich als silbernes Band durch die Landschaft. Oben leuchtete das Laub in den schönsten Farben. Wir gingen vorbei an Weinstöcken mit schweren Reben und an Obstbäumen, deren Äste vom Gewicht der Äpfel und Birnen nach unten gezogen wurden.
Deutschland ist ein schönes Land, dachte ich, ein reiches und ein wohlgeordnetes Land, in dem sich gut leben lässt. Für einen Moment lang war ich dankbar und glücklich.
Wahrscheinlich lag es am Besuch des Niederwalddenkmals, dieser triumphierend martialischen Germania hoch über Rüdesheim, dass sich andere Gedanken in den Vordergrund schoben. Wörter und Satzfetzen aus dem Lied von der Wacht am Rhein, dessen Text unter den Füßen der Germania in Stein gemeißelt ist, mussten irgendwo im Unbewussten ihre Arbeit verrichtet haben – »es braust ein Ruf wie Donnerhall«, »Heldenblut«, »Feindesblut«, »in Gottvertrau’n greif’ zu dem Schwert« …
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Mein Vater hatte als Wehrmachtssoldat Wache am Rhein geschoben. Daher war ich in Gedanken plötzlich bei meinen Eltern, die den größeren Teil ihres Lebens in einem ganz anderen Deutschland verbracht haben. Krieg, Inflation, Hunger, Not, die Hitlerei – meine Mutter hat drei ihrer Brüder im Krieg verloren, das Haus meines Vaters wurde von einer Bombe zerstört. Überall in Europa hatten die Generationen meiner Eltern und Großeltern Ähnliches erlebt und erlitten, und wer aus diesen Generationen jüdischen Glaubens war, dessen Leben endete mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer von Deutschen betriebenen Gaskammer.
Danach waren die Deutschen aus ihrem Helden- und Feindesblutrausch erwacht, und daher ist das Leben von uns Nachkriegsgeborenen völlig anders verlaufen als das unserer Eltern. Nach sechs Jahrzehnten erscheint uns dieses Leben als selbstverständlich, tatsächlich aber sind diese Jahre ein einziger Ausnahmezustand. Alle Generationen vor uns lebten stets mehr oder weniger in jenem seit Urzeiten herrschenden Normalzustand, dessen Konstanten Armut, Ausbeutung, Krieg, Not und das Recht des Stärkeren sind.
Nicht nur im Vergleich mit der Vergangenheit, auch im Vergleich mit der gegenwärtigen Welt jenseits der Grenzen West- und Mitteleuropas sind unsere Verhältnisse die Ausnahme. Drei Viertel der heutigen Weltbevölkerung würden sich glücklich preisen, wenn sie in den Genuss jener Existenzbedingungen kämen, die heute bei uns als Armut definiert werden. Die Zehntausende von Flüchtlingen, die täglich aus ihrem Elend aufbrechen, um unter Einsatz ihres Lebens über Tausende von Kilometern an die Grenzen Europas zu gelangen und diese zu überwinden, teilen uns mit: Unser Land ist das Land ihrer Sehnsucht. Hier vermuten sie das bessere Leben. Die es schaffen, hier Fuß zu fassen, sind dann oft enttäuscht. So, wie sie es sich erträumt haben, ist dieses Europa dann doch nicht. Trotzdem will kaum einer zurück, denn das, was vom Traum übrig bleibt, ist immer noch besser als das, wovor sie geflohen sind.
(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Hartz-IV-Empfänger und andere vom Schicksal Benachteiligte hören das möglicherweise nicht gern, aber zirka eine Milliarde Menschen auf dieser Welt würden gern mit ihnen tauschen.")
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13 Uhr 59
Und ich rufe Euch zu: bleibt auf Mallorca, spielt weiter Golf und führt weiter Eure senilen Rotweinabende mit Olivenölgeschwätz. Eure Generation, die 68iger, hat genug angerichtet.
Als Ihr mit Brandt und Schmidt die Macht erobert hattet und Deutschland nach Eurem Wunsche formtet, wurden die Wurzeln für unsere heutigen Probleme gelegt. Daran ist nicht die Globalisierung schuld, irgendwelche bösen Konzerne oder sonstige dunklen Mächte.
Wir waren auf einem guten Weg. Unsere Bildung hatte 1970 Weltruf, das dreigliedrige Schulsystem war weltweit anerkannt, die duale Ausbildung Vorbild für viele Länder und der Durchschnittsdeutsche gebildeter als die meisten anderen Durchschnittsmenschen.
Unsere Wirtschaft brummte, die Löhne und der Lebensstandard stiegen allmählich, zwar ohne große Sprünge, aber kontinuierlich.
Die politischen Verhältnisse waren stabil, die Moralvorstellungen und Werte der meisten Leute intakt, Kindererziehung war noch unproblematisch und die Menschen waren nicht ängstlich.
Als Ihr an die Macht kamt, wurde alles verändert. Der (angebliche) Mief von Jahrhunderten wurde abgeschüttelt, eine erneute Auseinandersetzung mit der NS-Zeit führte zu rotem RAF-Terror und einer Aufspaltung der Gesellschaft und der Generationen. Jeder über Dreißig wurde unter Generalverdacht gestellt und war für Euch ein potentieller Verbrecher.
In der Bildung und Kindererziehung wurde die antiautoritäre Erziehung propagiert. Das Fehlen jeglicher Regeln war die neue Regel. Den Kindern wurden keine Grenzen mehr gesetzt. Kindererziehung wurde zu einem großen Experimentierfeld, welches bis heute anhält. Kein Mensch wusste mehr, wie man Kinder erzieht. Die alten Regeln, wie die Erziehung zu Ordnung, Sauberkeit, Höflichkeit und Disziplin waren bei Euch faschistische Sekundärtugenden, ?mit denen man ein KZ betrieb?. Die neuen Regeln, also die Regello-sigkeit, führten zu überspannten und überforderten Kindern, die nicht mehr bei sich waren und nicht in sich ruhten. Aber die überall erkennbaren Symptome wolltet Ihr ja nicht sehen, denn Ideologie schlägt Realität. Aber immerhin habt ihr dafür gesorgt, daß heute viele Kinderpsychologen in Lohn und Brot stehen. Manch ein 68iger hat dieses Fach vor-ausschauend studiert. Wie hoch war die Jugendkriminalität 1970 und wie hoch ist sie jetzt ? Woher kommt die Gewaltbereitschaft vieler Jugendlicher ?
Natürlich sollte auch der Arbeiter studieren. Dagegen habe ich nichts, komme selbst aus einem Arbeiterhaushalt. Aber muß man deswegen die Anforderungen herunter setzen ? Ist es wirklich nötig, daß heute über die Hälfte der Schüler das Gymnasium besucht ? Was ist der Vorteil, daß die Bäckereifachverkäuferin, die mir meine Schrippen verkauft, jetzt Abitur hat ? Das sie die Schule 13 Jahre besucht, statt wie früher neun oder zehn Jahre. Und heute auch nicht mehr weiß und kann. Auf dem Papier sind die Deutschen heute gebildeter als je zuvor, nur das deutsche Bildungswesen hat keinen Weltruf mehr !
Ich bin ?69 in Berlin (West) zur Schule gekommen. Da hatten wir noch die Lehrer alter Prägung. Wir hatten Respekt, der Unterricht flutschte, auch die alten Lehrer waren nicht ausgebrannt (das Wort ?ausgebrannt? war nur ein Synonym für ?ausgebombt?) und noch dynamisch. Der Ausländeranteil betrug bereits über 30%. Alle konnten aber deutsch. Dann kamen im Laufe der 70iger immer mehr 68iger Lehrer. Da gab es keine Regeln, wir konnten aufstehen, hinten sitzen und Skat spielen oder den Klassenraum verlassen. Wundert es jemanden, daß wir bei denen weniger lernten ? Heute, nach fast 40 Jahren Bildungsreform sind alle unzufrieden, Kinder, Eltern und Lehrer. Und viele Lehrer sind ausgebrannt. Sie haben geerntet, was sie gesät haben. Aber unsere Kinder sind doch unschuldig !
Meine Tochter ging auf eine private katholische Grundschule. Als sie in der dritten Klasse war, staunte ich, wie kurz und leicht die Diktate waren. Dazu wurden die Wörter vorher geübt und ein ?Jokerwort? gab es auch. Ich ging mit meinem Diktatheft aus der dritten Klasse zur Lehrerin und zeigte es ihr. 1972 hatten wir die Wörter nicht vorher geübt und auch kein Jokerwort und ein Drittel in unserer Klasse waren Ausländer, überwiegend Türken. Die Lehrerin sagte, solche langen und schweren Diktate kann sie mit den heutigen Kindern nicht mehr schreiben, dazu langt bspw. die Konzentration nicht mehr. Man möchte das wohl auch nicht, damit die Zensuren besser ausfallen. Bei uns gab es noch Sechsen und Fünfen. Heute haben viele eine Eins. Sie sollen ja auch alle aufs Gymnasi-um.
Ich bin ein Bankster, mit Realschule, seit 1979. Damals war rd. die Hälfte Realschüler und auch einige Hauptschüler. Die Einstellungstests und ?anforderungen bei meiner Bank sind seit den Siebzigern gleich. Bis vor kurzem haben nur noch Gymnasiasten diese erfüllt. Neuerdings müssen erstmals die Anforderungen gesenkt werden, weil man nicht mal mehr genügend Gymnasiasten findet, die diese Anforderungen erfüllen. Und wie gesagt, die Anforderungen sind unverändert seit den 70igern, mit haargenau den gleichen Tests. Euer ideologisches Ziel ist erfüllt, immer mehr Arbeiterkinder haben Abitur, aber zu welchem Preis ? Ich habe als Arbeiterkind auch mit Realschule meinen Weg gemacht. Den wird heute nicht mehr jeder Abiturient machen. Aber dafür studieren dieses Jahr 55% der Schulabgänger. Bald haben wir Euer Ziel erreicht und 100% studieren, dann hat jedes Arbeiterkind studiert, nur das das Studium dann nichts mehr wert sein wird. Und auch meine Bäckereifachverkäuferin hat dann studiert, vielleicht Mehlverarbeitungswis-senschaft oder Schrippologie. Mensch, werden wir gebildet sein !
Die Wirtschaft lief gut. Wie war Euer Wahlspruch: ?Wir werden die Wirtschaft auf ihre Leistungsfähigkeit überprüfen !? Das habt Ihr getan und die Grenze schnell gefunden. Nur gab es dann keinen Weg zurück. Lohnsteigerungen von jährlich 8% - 12% machen jede Wirtschaft kaputt. Heute wisst Ihr das auch. Die riesige Aufblähung des Sozialsys-tems, große Rentensteigerungen und sonstige, teilweise neue, Sozialleistungen, die alle dramatisch stiegen. Das Einkommen der Menschen stieg also explosionsartig und alle konnten viel mehr konsumieren. Unter diesen Umständen wurde die sozialliberale Koalition natürlich wiedergewählt. Aber diese Wohltaten hatten ihren Preis, den sehen die meisten Menschen erst seit den Neunzigern. Der Staat hatte nicht genügend Geld für diese Wohltaten, also finanzierte er sie über Kredit. Nun wird man hellhörig, haben wir heute nicht eine staatliche Schuldenkrise, die kaum noch zu beherrschen ist ? Ja, und die Ursache liegt in den 70igern Jahren. Dort begann der Tabubruch. Der Staat nahm Kredit nicht mehr nur für Investitionen auf, sondern für Konsum. Und Kredit hat die Eigenschaft, immer mehr zu werden. Der Wähler verlangte natürlich weitere Wohltaten, auch die späteren Regierungen konnten sich dem nicht entziehen. Wer nicht mitmachte bei dieser Spirale, hatte keine Chancen, gewählt zu werden. Heute sind die Zinsen der zweitgrößte Posten im deutschen Haushalt, nach dem Sozialetat. Und auch in Jahren, wo die Wirtschaft brummt, nehmen wir immer weitere Kredite auf. Wir sind schon ganz stolz, wenn es mal weniger sind als im Vorjahr.
Die deutschen Produkte wurden durch die wahnsinnigen Gehaltserhöhungen innerhalb kurzer Zeit deutlich teurer. Aber das reichte Euch noch nicht, die Arbeitszeit sollte auch noch auf 35 Stunden reduziert werden. Unsere Produkte wurden auf dem Weltmarkt also weniger konkurrenzfähig. Die Firmen reagierten, indem sie möglichst viel Personal ab-bauten, um die Personalkosten zu reduzieren. Damals begann der Einstieg in die strukturelle Arbeitslosigkeit (die den Sozialetat weiter aufblähte) und die wir vielleicht jetzt aufgrund der demographischen Entwicklung überwinden. Die Gehaltserhöhungen der einen wurden mit der Arbeitslosigkeit anderer bezahlt, eigentlich ziemlich unsozial, wenn man drüber nachdenkt. Aber das hat Euch nicht angefochten, Ihr wart von Eurem Weg überzeugt und habt ihn bis vor zehn Jahren weiterverfolgt.
Eure Lösung war es lange, die vorhandene Arbeit immer weiter auf die Menschen zu verteilen mittelst Arbeitszeitverkürzung, Vorruhestand usw. Nur auf die Idee, uns konkurrenzfähiger zu machen und mehr Arbeit zu schaffen, kamt Ihr nicht. Und Rot/Grün machte dann als erste Amtshandlung die Kohlschen Reformen wieder rückgängig. Aber dann wurde die Not so groß, daß die Agenda 2010 eingeführt wurde. Und tatsächlich begann damit eine wirtschaftliche Erholung, deren Früchte wir heute ernten.
Eure politische Bilanz sprengt diesen Rahmen. Deshalb nur ein paar Stichpunkte.
Gestartet als Radikalpazifisten mit dem schlauen Motto ?Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin?, die die Bundeswehr abschaffen wollten und überall den bösen Militaris-mus sahen, hat Rot/Grün den ersten deutschen völkerrechtswidrigen Krieg seit dem Angriff auf Polen 1939 geführt. Aber es folgten noch mehrere kriegerische Einsätze. Nur den Frieden mit der Bundeswehr habt ihr immer noch nicht gemacht, Ihr benutzt sie aber, wenn es Euch notwendig erscheint.
Auch in der Familienpolitik habt Ihr Eure Spuren hinterlassen. Heute dominiert die Alleinerziehende bzw. die Patchworkfamilie. Das Leben ist kunterbunt und wunderschön. Nur das Leiden vieler Kinder an diesen Verhältnissen ignoriert ihr einfach. Ein kleines Beispiel dieser schönen neuen (Kinder)Welt ist der schwedische Attentäter Breivik (die familiären Verhältnisse sind sicher übertragbar, wenn auch so extreme Folgen sehr selten sind). Die Presse schrieb, er kommt aus einem vernünftigen und wohlhabenden Elternhaus, in wel-chem es ihm an nichts fehlte. Im Stern hieß es: ?Die Eltern geschieden und wieder verheiratet: Anders Behring Breivik wuchs wie viele Kinder auf?. Seine Mutter hatte sich früh von dem leiblichen Vater getrennt. Erst gab es noch Kontakt zu seinem leiblichen Vater, der wurde aber abrupt getrennt, als der leibliche Vater sich erneut scheiden ließ. Zu dem neuen Vater hatte er ein gutes Verhältnis. Dieser Stiefvater war (wie viele männliche Vorbilder in seinem Umfeld) sexuell sehr promiskuitiv, hatte hunderte Sexualkontakte und steckte die Mutter und die Schwester mit einer Geschlechtskrankheit an (aber wohl kein Missbrauch). Die Mutter ist dadurch stark geistig behindert (Quelle: Tagesspiegel v. 25.7.11). So sieht die schöne neue Welt eben manchmal aus. Ist das die sexuelle Revolution, die Ihr wolltet ? Was fehlte Breivik wohl ? Vielleicht die gute alte verstaubte spießige Familie ? Aber die habt ihr ja mit Erfolg abgeschafft, heute wachsen mehr Kinder in den neuen bunten und ach so schönen Verhältnissen auf, als in traditionellen Familien. Aber ganz sicher geht es dort nicht allen Kindern besser !
Die Abtreibung habt Ihr auch legalisiert und gesellschaftsfähig gemacht. Heute werden rd. 15% aller gezeugten Kinder abgetrieben (2009 rd. 110.000 Abtreibungen), seit der Legalisierung gab es rd. 5.000.000 Abtreibungen. Und das in einem Land, wo es Verhü-tungsmittel gibt ! War es wirklich das, was Ihr wolltet ?
Eure multikulturelle Idealwelt wolltet Ihr Euch ja auch lange nicht schlecht reden lassen. Nun hat Euch auch hier die Realität eingeholt. Multikulti habe ich seit einigen Jahren nicht mehr gehört. Ihr hattet ja den schlauen Gedanken, daß nicht der Ausländer sich anpassen soll, sondern lieber der Deutsche sich dem Ausländer und damit seinen immer noch tief verwurzelten faschistischen Ungeist überwinden sollte. Umso weniger Deutsches in uns steckt, umso besser ist das für alle. Deswegen habt Ihr das Hohelied auf Multikulti gesungen und auch hier alle Probleme verleugnet. Was ihr aber damit u.a. auch den vielen Ausländern angetan habt, die ohne Deutschkenntnisse in die Schule kamen und damit immer hinterherhinkten und nie die Chance auf einen guten Abschluß und damit auch guten Beruf haben, seht Ihr wahrscheinlich immer noch nicht. Was ist nun Eure Lösung ? Es werden einfach wieder einmal die Anforderungen gesenkt. Jemand mit Migrationshin-tergrund muß nicht die gleichen Anforderungen erfüllen, wenn er bspw. in Berlin Polizist werden möchte, wie ein Deutscher. Ist das nicht Rassismus ?
Ideologie schlägt Realität, aber nicht auf Dauer !
Ihre Frage: ?Haben wir versagt? Sind wir vom Wohlstand verwöhnte Egoisten, die nach dem Motto leben: Hauptsache, uns geht?s gut, und was nach uns kommt, kümmert uns nicht?? muß man wohl mit Ja beantworten. Während Ihre Vorgeneration Deutschland aufgebaut hat und dabei bescheiden geblieben war, also nicht mehr verbrauchte als sie selbst erwirtschaftete, fing es mit Ihrer Generation an, auf Kosten der Kinder und Enkel zu leben. Das Ende dieses Zustandes wird wohl aktuell eingeläutet, indem uns die Staatsschuldenkrise nun einholt und wahrscheinlich wieder zu einem vernünftigeren Wirtschaften zwingen wird. Aber erst einmal müssen die Schulden zurückgezahlt werden, die über 40 Jahre für hohen Konsum angehäuft wurden. Und dies wird wohl nicht einfach werden und an einigen Stellen Opfer kosten.
Trinkt Euren Rotwein, fliegt in den Urlaub und genießt Eure hohen Renten, deren Erhöhung ihr damals durchgesetzt habt. Eure Nachfolger kommen nicht mehr in diesen Genuß. Spielt den Wutbürger, wenn ein Bahnhof abgerissen oder eine Stromtrasse an Eurem Grundstück vorbei geführt oder ein Flughafen in der Nähe Eures Hauses gebaut wer-den soll. Haltet Euch aber endlich aus der richtigen Politik raus und hört auf, den kom-munistischen Diktator Che Guevara zu zitieren. Er und seine kommunistische Partei waren und sind keine lieben Mitmenschen, fragt die Kubaner !
11 Uhr 21
Zwei knappe Bemerkungen:
Das Ende der alten Bundesrepublik - wie der Autor sie hier mit mehr als einer Träne im Knopfloch noch einmal Revue passieren läßt - war mit der Rezession von 1992/93 endgültig besiegelt. Danach war das Lean Management, das Ausdünnen und spätere Abwickeln aller mittleren Führungsebenen in den Unternehmen, die ewig sich drehende Spirale der "Kostenoptimierungen" usw. schließlich auch in unserer schönen, kleinen (west-)deutschen Welt angekommen. Diese relativ (!) kommode, relativ (!) egalitäre Welt werden wir auch nicht mehr rekonstruieren können. Ihr freilich nachzutrauern, das halte ich für absolut legitim, ich zumindest nehme es mir heraus. Ich persönlich halte die hier in Rede stehende Epoche der bundesrepublikanischen Geschichte für den Höhepunkt der deutschen Geschichte schlechthin! Alles davor war Aufstieg, jetzt - seit ca. 15 Jahren - werden wir eben (Zeit-)Zeugen des Abstiegs.
Der relative (!) Abstieg dieses Landes vom Wohlstandsolymp seines Goldenen Zeitalters kommt unweigerlich, er ist schon in vollem Gange. Er ist auch nicht mehr umkehrbar. Es wird bitter, und es ist die Aufgabe nicht nur der "Generation Nürnberger" diesen Abstieg und seine sozialen Begleitumstände menschenwürdig zu gestalten, die "Reste" zusammenzuhalten, eine Implosion oder auch Explosion - beides erscheint mir von heute aus betrachtet denkbar - glücklich abzuwenden. Es heißt also den Abstieg klug zu "managen"!
Die Lasalles, Haases und Hienzsch dieses Landes werden das Problem gar nicht sehen, denn der Abstieg geschieht nicht ihnen selbst, er ereilt allenfalls Menschen, die ihnen im öffentlichen Raum begegnen. Deutschland ist nach wie vor ein Land, in welchem man das interne Elend sehr gut ignorieren, verstecken und hinwegdefinieren kann. Diese Leute - unsere "Leistungsträger" (freilich allzuoft definiert von eigenen Gnaden) bürgerlicher Provenienz von gestern, heute und morgen werden satt und gemütlich auf dem Erreichten ausharren - und sich dabei ernsthaft und ausdauernd der Illusion hingeben, daß sie das alles mit der eigenen Hände Arbeit geschaffen haben - ohne Zutun und Unterstützung eines über mehrere Jahrzehnte annähernd optimalen gesellschaftlichen Umfeldes -, alles aus eigener Kraft erwachsen, eigenem Geschick zu danken. An diesen Edlen wird jeder Aufruf zu echtem und nachhaltigen - auch politischem - Engagement für die Linderung der Begleitumstände des kollektiven Abstiegs abprallen. Zur Not findet die Überwinterung dann halt in Asien statt. ;-(
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Übrigens - schönen Gruß an Ihre charmante Gattin!
02 Uhr 05
statt Studienplätze in Europa empfehle ich Pakete-Ausfahren beim DHL mit einem pick pro zwei Minuten, oder Omma- Popo putzen bei der SPD-AWO zu Personalleasing-Konditionen oder Marktplatz-Fegen bei der Awista in Düsseldorf (aber nicht mit Alt-Vertrag, sondern Leasing-Vertrag). Und denn denken wir anschließend mal drüber nach, wer in den vergangenen vierzig Jahren Ihre üppigen Pensionen zusammenverdient hat - das waren Sie ja nicht selber - und wie es aussieht, wenn es diese produktiven Teile der Bevölkerung nicht mehr gibt oder nur mit geringsten Vorleistungen für die Rentenversicherung. Dann bekommen Ihre verehrten Söhne und Töchter aus diesem Topf auch nichts mehr. Wie das auf Ihre "positiven Rentnerjahre" wirken könnte, vermag ich nicht zu beurteilen.
mfg fb
19 Uhr 52
18 Uhr 46
Was haben wir verbrochen an der Generation unserer Söhne? Das ist uns in Ihrem Artikel leider nicht klar geworden. So können wir uns nur auf den Kommentar von Ethan Lasalle beziehen, alle Bildungsmöglichkeiten haben wir an die junge Generation weitergegeben und statt über Weinberge und Olivenöl zu sprechen ihnen die Türen in unseren Häusern weit geöffnet für Begegnungen mit Menschen aus aller Welt, Studienplätze in ganz Europa geboten, Sprachkurse und Praktika, ihnen aufgezeigt, welche Projekte wir Alten noch bewerkstelligen, sei es Leprahilfe in Nepal, Senioren helfen Junioren, Vorstandsarbeit in Bürgervereinen, Aufbau eines Reittheapiezentrums, Aktionen mit Obdachlosen und in Kirchengemeinden... Diese Liste könnten wir beliebig verlängern, wenn wir uns im Freundeskreis umschauen. Darf ich deshalb nun nicht mehr nach " Mallorca"? Gerade in Pakistan, Indien, Syrien und Iran haben wir viel über Politik diskutiert und ich glaube, die Menschen sind glücklich dort über die Kommunikationmöglichkeiten, die sie heute durch unsere " CO2-trächtigen Reisesucht" erhalten. Ich habe gerade mit dem Arabischunterricht begonnen, um die Menschen dieser Sprache besser verstehen zu können, und sehe noch hoffentlich viele positive Rentnerjahre vor mir, wobei ich genau weiß, dass ich nicht die ganze Welt beeinflussen oder gar ändern kann: eine gewaltige Aufgabe für die Generation unserer Kinder und Enkel!
18 Uhr 44
Noch besser wäre es, wenn Herr Nürnberger seine Urkunde für 40 Jahre SPD entgegennähme und tatkräftig am Agenda 2010 Programm / den Hartz IV Reformen mitarbeiten würde. Nur so kann die SPD aus ihrem 20% Tal der Tränen herauskommen und einigermaßen in der Mitte Stimmen gewinnen!
11 Uhr 36
09 Uhr 51
wer heutzutage eine karriere in der politik machen will, muss den lobbyisten in die hände spielen...hätten die lobbyisten keinen einfluss auf die politik, würden wir alle schon seit 20 jahren in solarautos rumfahren...und das "böse co2" wäre nie zum problem geworden. entweder ihr artikel unterlag der zensur von oben, oder sie sind nach 40 jahren politischen handelns selbst noch "systemblind".
meiner meinung nach kann sich diese generation ruhig zurücklehnen und zuschauen, ihrer denkweise ist eh viel zu langsam und nicht fortschrittlich genug um mit dem schnellen gesellschafts-und wirtschaftspolitischen wandel unsere zeit schrittzuhalten...
die wahrheit ist, dass wir schon seit jahren in keiner demokratie leben,jene wird uns nur von den medien (wie der sz) vorgegaukelt..die deutschen bürger können aus einer handvoll parteien wählen, die sich zwar anscheinend mächtig um unser wohlbefinden zanken, es ist aber als würden wir zwischen pepsi und cola wählen,obwohl wir eigtl zahnpasta brauchen...die wirtschaft wurde absichtlich zu fall gebracht, die transformation zum faschismus ist die logische folge, um die kapitalflüsse zu erhalten...man schaue nur in die usa, dort ist dies bereits in vollem gang
die einzige lösung, den abstieg zu stoppen, ist revolution, die abschaffung der marktwirtschaft (wettbewerb zwischen individuen und staaten) und des monetären systems und die transformation in eine wirtschaftsform basierend auf rohstoffmanagement.
ausserdem muss das erziehungssystem komplett neu erdacht und reformiert werden...
mit der einführung des internets beginnt ein neues zeitalter der aufklärung, vergleichbar mit dem letzten,dass uns aus den fesseln des feudalismus befreit hat...
wer das noch nicht erkannt hat,braucht erst gar nicht den mund öffnen...
christoph e. (der sich in china wesentlich freier fühlt als in bayern)
aus chengdu (einer stadt auf deren strassen millionen von elektrorollern unterwegs sind)
01 Uhr 40
Alles ist gut, eine Milliarde Menschen hätten gern H4 und die wohlverdiente Pension verbringe ich in der Toskana. Ich habe mich als Student in Berlin (West) schon 1970 darüber gewundert, dass plötzlich keiner etwas mit dem "Proletariat" noch zu tun haben wollte an der Universität, sondern die Frage war nur: "wie komme ich in den Öffentlichen Dienst?" Da war es `an End´ mit der Revolution, nur die paar durchgeknallten Bürgertöchter und -söhne, vulgo RAF und Co. lieferten der SPD die Vorlage, mittels "Berufsverbot" alle die auszugrenzen, die mal mit ´ner roten Fahne über die Ihnestraße in Dahlem gelaufen waren.
Der sozialdemokratische Argumentationsbrei heute stammt genau von dieser Duckmäuser-Generation, die sich gern als "alt68er" bezeichnen lässt, de facto, auch wissenschaftlich, absolut nichts hervorgebracht hat zum Verständnis der Entwicklung der Gesellschaft. Vielmehr hat man sich anschließend, weil die SPD doch manchen zu nachrüstungsbeschlüssig war, bei den Grünen wiedergefunden, die, sobald es gut dotierte Sprech-Posten zu vergeben gab, sich schnell vom kollektiven Bettdeckchen-Häkeln verabschiedet haben. Diese Generation hat unseren Staat zur Beute von Partikular-Interessen gemacht, weil sie jeder Konfrontation mit Rücksicht auf die eigene Pensionsberechtigung aus dem Wege geht. Sie geht auch jeder Zukunftsfrage aus dem Wege, denn, wie man anhand der Pisa-Ergebnisse feststellen kann, hat man nicht nur sich selbst, sondern auch die folgenden Generationen erst mal in Watte gepackt, mit dem Ergebnis, dass Lesen, Schreiben und Rechnen seltene Tugenden geworden sind.
Nun ist es ja nicht verboten, in Arbeitsstellen oder Ämter zu streben, wo keine messbare Arbeitsleistung abverlangt werden kann. Das ist den 50ern ja - teilweise zumindest - gut gelungen. Nur sollten sie sich nicht zu irgendeiner geschichtlich wichtigen Generation hochstilisieren. Vielmehr handelt es sich um das faule Pack, das die Kriegsheimkehrer-/Wirtschaftwundergestalter sich herangezogen haben - erfolgreich, wie man sieht. Wer jetzt darüber nachdenkt, sein SPD-Ticket nach 40 Jahren zurückzugeben, bitteschön: es hat doch wohl seine Funktion längst erfüllt und in der Pension braucht man es nicht. Ist so wichtig wie umfallender Nahrungsmittelbehälter in Asien. Und die paar Millionen H4 sollen sich bitte mit der CDU prügeln, da ist die SPD ja jetzt außen vor, duckmäusernd - aber das hatten wir schon.
gruß fb
23 Uhr 06
Lieber Christian Nürnberger, Ihr Text hat mich, Jahrgang 1945, sehr berührt, sicherlich auch deshalb, weil Sie ganz viele Gedanken und Überlegungen ansprechen, die viele Menschen , auch mich, beschäftigt haben und beschäftigen.
Als Jugenliche haben wir unsere Eltern gefragt, weshalb sie die Nazi-Verbrechen zugelassen haben: "Was habt Ihr dagegen getan?". Als Vater und Lehrer ist mir bald klar geworden, dass meine Kinder und Enkel fragen werden: "Was hast Du gegen die Zerstörung der Natur, gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen getan? War das genug, was Du getan hast, ist es genug?“ Weiterzumachen, dazu ermuntert Ihr Text. Danke!
Nebenbei: Ich werde Ihren Text im Unterricht in der Fachobeschule Wirtschaft einsetzen, halte ihn für hervorragend geeignet für eine Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Bin gespannt, was meine jungen erwachsenen Schülerinnen und Schüler dazu sagen.
Freue mich auf Ihren nächsten Beitrag,
Ihr Namensvetter
Ulrich Nürnberger aus Soltau