aus Heft 30/2007 Männer Noch keine Kommentare
»Der Papst trägt immer weiß. Auch beim Fernsehen«
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Von Peter Seewald (Interview); Joachim Baldauf (Fotos)
Highlights?
Highlights klingt vielleicht etwas übertrieben. Ich meine einfach, dass persönliche Ereignisse, Namenstage und andere wichtige persönliche Gedenktage entsprechend begangen werden.
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Wenn Sie abends fernsehen – trägt der Papst dann Privatkleidung? Nein. Der Papst ist in Weiß – immer.
Muss ein Papst Schuhe von Prada tragen?
Muss? Überhaupt nicht! Journalisten haben ja eine lebhafte Fantasie.
Tut er es denn?
Die Antwort bleibe ich Ihnen schuldig.
Sie stammen wie der Papst aus einfachen Verhältnissen und beide sind Sie auf dem Dorf groß geworden. Was wird einem da in die Wiege gelegt?
Mit Sicherheit eine gute Portion an gesunder frischer Natürlichkeit, die ein unbestechlicher Filter ist gegenüber Ungesundem, egal in welcher Maske es auftritt. Ein Instinkt, der hilft, Echtes von Unechtem zu unterscheiden.
Sie waren zu Hause fünf Kinder, der Vater Schmied, die Mutter Hausfrau.
Mein Vater führte in der siebten Generation einen Schmiedehandwerksbetrieb, später kam ein Landmaschinengeschäft hinzu, das allerdings nicht unbedingt das große Geld brachte. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr hatten wir noch eine kleine Landwirtschaft. Wir mussten uns manchmal mächtig strecken. Darüber hinaus war mein Vater in der örtlichen Kommunalpolitik aktiv, ebenso in vielen Vereinen. Abends war er deshalb selten zu Hause. Umso mehr musste dann unsere Mutter die Pflicht und Last der Erziehung der Kinder tragen. Wir fünf Kinder hatten eine unbeschwerte Kinderzeit. Aber natürlich haben wir uns auch gestritten.
Weil nicht alles nach dem Kopf des Erstgeborenen ging?
Als Ältester sollte ich ja immer der Klügere sein – »der Klügere gibt nach« –, aber die Nachgiebigkeit ist nicht unbedingt meine Stärke.
Born to be wild – war das Ihr Ding?
Phasenweise vielleicht, zwischen 15 und 18 Jahren. Ich hörte Cat Stevens, Pink Floyd und ein paar andere Berühmtheiten aus dieser Zeit, auch die Beatles waren darunter. Ich hatte damals einen ziemlich langen Lockenschopf. Das missfiel meinem Vater; so gab es um den Friseurtermin und um die Haarlänge schon mal Zoff. Das hat sich nachher dann recht unspektakulär gelegt.
Wo standen Sie politisch?
Politisch hatte ich mich nie besonders exponiert. Meine Interessen gingen neben der Schule mehr in Richtung Sport, Fußball, Skifahren.
Womit Sie auch das Geld fürs Studium verdienten.
Nein, nicht als Skilehrer, als solcher war ich nur für die Skischule meines Heimatskiclubs tätig. Gejobbt, Geld verdient habe ich als Briefträger. Zunächst mit dem Fahrrad in einem kleinen Schwarzwalddorf, später mit dem Auto über Land.
Originalton Georg Gänswein: »Ich habe gesunde Sinne, und wer gesunde Sinne hat, der benutzt sie auch.« Hört sich nach reichlich Erfahrung mit Mädchen an.
Ich habe zwei Schwestern, mehrere Cousinen, die mir halfen, mit dem weiblichen Geschlecht keine Schwierigkeiten zu haben. Ich bin ganz normal aufgewachsen, völlig unverkrampft.
Sie hatten eine feste Beziehung?
Das nicht. Es gab kleinere schwärmerische Jugendfreundschaften.
Sie wollten zunächst Börsenmakler werden.
Ursprünglich sollte ich als Ältester das Landmaschinengeschäft meines Vaters übernehmen. Irgendwann aber interessierte mich das Getriebe der Börse viel mehr. Meine Vorstellung war, da wird viel Geld gemacht und da muss man fix und schnell sein. Später, etwas reifer, kam der Moment, in dem ich darüber intensiver nachdachte: Gut, wenn ich das alles kann und Geld habe, was kommt dann? Und was dann? Und was danach? Plötzlich drängten sich existenzielle Fragen in den Vordergrund. So fing ich an zu suchen und bin auf diese Weise ganz ungewollt auf die Philosophie und die Theologie gestoßen.
Langwieriger Prozess.
Und ein mühsamer. Zunächst zog mich die theologische Welt insgesamt mächtig an, das Priestertum kam dann erst in einem zweiten Schritt hinzu. Natürlich war auch das Zölibat eine Frage. Irgendwann spürte ich, du kannst nicht mit halbem Gas fahren, entweder du machst das ganz oder du lässt es. Ein bisschen Theologie, das geht nicht. So ging ich Schritt für Schritt auf das Priestertum zu.
Ein Zitat aus einer Ihrer Predigten anlässlich einer Priesterweihe: »Du darfst wissen, dass du eine Würde hast, die dich von allen unterscheidet, die nicht Priester sind… Du darfst das Bewusstsein haben, etwas Großes zu tun, tun zu dürfen.« Ziemlich steil formuliert.
Diese Sätze würde ich ohne Wenn und Aber wieder sagen.
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