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aus Heft 04/2010 Wissen Noch keine Kommentare

Argumente? Wen kümmern Argumente?

Seite 2

Von Meredith Haaf  Illustration: Eva Hillreiner




Mit dem gleichen Prinzip arbeitet die Schauspielerin Rachel McAdams bei ihrem Öko-Blog namens greenissexy.org, wo sie lieber die Eitelkeit ihrer Leser reizt, als sie zu ermahnen oder durch Argumente zu überzeugen: Von einem Rasierschaum, der umweltschädliche Stoffe enthält, kann man ja auch abraten, weil er die Haut austrocknet und spröde macht. Zum Glück sind wir alle zuverlässig eitel und konformistisch.

Weil wir uns außerdem gern mit guten Taten brüsten und dafür gelobt werden möchten, kann es auch hilfreich sein, mit dem Prinzip von »Bestrafung« und »Belohnung« zu arbeiten: Der Autohersteller Honda hat in seinem neuen Hybrid-modell eine kleine Leuchttrophäe angebracht, die aufmunternd blinkt, wenn energiesparend gefahren wird. Der Fahrer kann wie in einem Videospiel immer wieder gegen sich selbst antreten, um seinen Rekord zu unterbieten.
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In einem Dorf oder einer Kleinstadt kann das Prinzip der sozialen Kontrolle zu einem regelrechten Öko-Wettkampf ausgebaut werden, bei dem einer mit Sicherheit immer gewinnt: die Umwelt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen ihren Energieverbrauch sofort reduzieren, wenn ihnen gesagt wird, dass die Nachbarn etwas sparsamer sind. In einem Versuch wurde jedem Haushalt einer Gemeinde mitgeteilt, wie viel Strom die Nachbarn verbrauchen. Ergebnis: Menschen, die sonst viel Strom verbrauchten, drosselten ihren Konsum, Menschen, die bisher sparsam gewesen waren, steigerten ihn.

Wurden die jeweiligen Ergebnisse auf dem Bilanzbogen mit einem lachenden Smiley für gute Werte und einem weinenden für schlechte versehen, pendelte sich der Konsum auf einen durchschnittlich niedrigeren Wert ein. Es ist ein bisschen wie in der Schule – Wettbewerb, Wissensdurst und der Hunger nach Anerkennung müssen nur richtig stimuliert werden, schon verbessern sich die Noten. Und wenn wir schon in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook freiwillig intimste Details preisgeben, warum nicht auch unsere Ökobilanz ins Netz stellen, um ein bisschen damit zu prahlen?

An der Oberlin University in den USA wird gerade versucht, eine Netzwerkapplikation zu entwickeln, mit der Leute ihren Energieverbrauch auf ihren Facebook-Seiten dokumentieren können. Freunde vergleichen und spornen sich an – Umweltbewusstsein wird zu einer Status- statt zu einer Haltungsfrage. Ein Team der Carnegie Mellon University in Pittsburgh arbeitet daran, das Tamagotchi – das virtuelle Haustier aus den Neunzigern – neu aufzulegen.

Als Eisbär, der auf einer Eisscholle steht, die größer und größer wird, je umweltbewusster sich der »Halter« ernährt und verhält. Klingt absurd, kann aber funktionieren, wenn man sich daran erinnert, wie umsichtig Millionen von Menschen ihr virtuelles Haustierchen damals umhätschelten. Es ist nicht ideal, aber längst notwendig, dass wir das Richtige aus den falschen Gründen tun – für alles andere fehlt die Zeit.

Meredith Haaf weiß: Einsicht ist nicht alles, gehört aber dazu. Deswegen empfiehlt sie das Buch Deep Economy. The Wealth of Communities and the Durable Future von Bill McKibben. Es enthält überzeugende Vorschläge, wie unsere Wirtschaft klimafreundlicher werden kann.

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