Anzeige

Kaisers Klassik-Kunde 01. Februar 2010 1 Kommentar

Folge 38: Richters Geheimnis

Joachim Kaiser, der einflussreichste deutsche Musikkritiker, beantwortet in seiner Video-Kolumne Fragen der Leser. Diesmal: Was macht Karl Richters Art zu musizieren so besonders?

Von Joachim Kaiser 

Der große Mann des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung geht online: Joachim Kaiser öffnet sein Klavierzimmer und beantwortet in seiner Video-Kolumne Fragen der Leser des SZ-Magazins zu klassischer Musik.


Anzeige


Haben Sie eine Frage? Schicken Sie eine Mail an kaiser@sz-magazin.de.

Kommentare

Name:
Kommentar:

  • Gerd Franke (0) Dass Nikolaus Harnoncourt „nach“ Richter gekommen sei, wie Kaiser das darstellt, kann man so nicht sagen. Ganze drei Jahre jünger ist er, und seinen Concentus hat er 1953 gegründet, zwei Jahre nach Richters Anfängen mit dem Heinrich-Schütz-Kreis, dem späteren Bach-Chor. Die völlig verschiedene Art zu musizieren gründet also nicht im zeitlichen Abstand, sondern in einem unterschiedlichen, aber gleichzeitigen Ansatz. Und Karl Richter hat sich eben entschieden, die Dinge, die man schon damals wissen konnte, nicht zur Kenntnis zu nehmen.
    Ein bedeutender Bach-Interpret ist Richter zweifellos – bedeutend im Sinne von folgenreich: Unter anderen ist es ihm zu verdanken, dass sich München in der Pflege Alter Musik jahrzehntelang auf Provinzniveau gehalten hat – wobei man die Rolle der Münchner Kritikerszene sicherlich nicht vergessen darf. Zwar hat die Staatsoper in den letzten Jahren einige beachtliche Barock-Opern auf die Bühne gebracht, doch das macht den immensen Rückstand nicht wett.
    Die militante Haltung der Verfechter vergangener Bachpflege belegen die Begriffe „Munition“ und „Waffenlieferant“ im Brief des ersten Fragestellers. Richter mit einem Laienchor gearbeitet - das war in gesellschaftlicher Hinsicht durchaus verdienstvoll. Dass die reichlich unangemessene Wiedergabe der Chorpartien durch dieses Ensemble von manchen offenbar als Nonplusultra der Bach-Interpretation gefeiert wird, mag verstehen, wer will. Als überzeugenden Vergleich möge man sich die Aufnahmen des Bach-Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki oder eben des Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt anhören. Übrigens: Koopman heißt natürlich „Ton“ mit Vornamen, nicht „Toni“ – ist ja kein Tiroler.