Kaisers Klassik-Kunde 01. Februar 2010 1 Kommentar
Folge 38: Richters Geheimnis
Joachim Kaiser, der einflussreichste deutsche Musikkritiker, beantwortet in seiner Video-Kolumne Fragen der Leser. Diesmal: Was macht Karl Richters Art zu musizieren so besonders?
Der große Mann des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung geht online: Joachim Kaiser öffnet sein Klavierzimmer und beantwortet in seiner Video-Kolumne Fragen der Leser des SZ-Magazins zu klassischer Musik.
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16 Uhr 37
Ein bedeutender Bach-Interpret ist Richter zweifellos – bedeutend im Sinne von folgenreich: Unter anderen ist es ihm zu verdanken, dass sich München in der Pflege Alter Musik jahrzehntelang auf Provinzniveau gehalten hat – wobei man die Rolle der Münchner Kritikerszene sicherlich nicht vergessen darf. Zwar hat die Staatsoper in den letzten Jahren einige beachtliche Barock-Opern auf die Bühne gebracht, doch das macht den immensen Rückstand nicht wett.
Die militante Haltung der Verfechter vergangener Bachpflege belegen die Begriffe „Munition“ und „Waffenlieferant“ im Brief des ersten Fragestellers. Richter mit einem Laienchor gearbeitet - das war in gesellschaftlicher Hinsicht durchaus verdienstvoll. Dass die reichlich unangemessene Wiedergabe der Chorpartien durch dieses Ensemble von manchen offenbar als Nonplusultra der Bach-Interpretation gefeiert wird, mag verstehen, wer will. Als überzeugenden Vergleich möge man sich die Aufnahmen des Bach-Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki oder eben des Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt anhören. Übrigens: Koopman heißt natürlich „Ton“ mit Vornamen, nicht „Toni“ – ist ja kein Tiroler.