
Soltani ist ein gewöhnlicher Name im Iran. Wie Meyer oder Müller in Deutschland. Auch Neda ist kein ausgefallener Vorname. Die ermordete Neda Soltan studierte an der privaten Islamic Azad University, die lebende Neda Soltani ist dort Dozentin und nur unwesentlich älter. Beide Frauen tragen lange dunkle Haare, beide sind hübsch. Die Verwechslung ist nachvollziehbar. Erst recht in der anfänglichen Bestürzung über den Tod einer jungen Frau. Aber die Tote heißt mit vollem Namen Neda Agha-Soltan. Die Frau mit dem Foto bei Facebook Neda Soltani. Dieser Unterschied hätte erfahrene Nachrichtenjournalisten irgendwann stutzig machen müssen. Die Verwechslung der Nedas erzählt auch etwas über den Journalismus in Zeiten der Hysterie.
Am Morgen des 21. Juni 2009, einen Tag nach dem Todesschuss, wundert sich Neda Soltani über die vielen Menschen, die sich auf ihrer Facebook-Seite als Freunde registrieren lassen wollen. Hunderte sind es, aus aller Welt. Erste Anrufe folgen. Ein befreundeter Professor bricht vor Erleichterung in Tränen aus, als er ihre Stimme hört. Neda Soltani denkt zunächst an einen schlechten Witz. Dann erfährt sie, was mit ihrem Foto geschehen ist.
Ein Fehler, wie er nicht passieren darf, aber eben passieren kann, und der sich ganz gewiss mit zwei, drei Telefonaten oder E-Mails aus der Welt schaffen ließe. Sie schreibt an Voice of America, einen englischsprachigen Fernsehsender, der auch im Iran unter Anhängern der Opposition populär ist. Sie schreibt, dass es sich um einen Irrtum handele, dass ein falsches Foto gezeigt werde. Als Beweis schickt Neda Soltani ein weiteres Bild von sich, das könne man ja mit dem anderen vergleichen.
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Sie rechnet nicht damit, was daraufhin passiert: Voice of America verbreitet nun dieses zweite Foto als neues Bild der verstorbenen Neda, CBS greift es auf. Neda Soltani bekommt es allmählich mit der Angst zu tun. Sie löscht das Foto auf ihrer Facebook-Seite, damit es niemand mehr herunterladen kann. Wie sich in Kürze herausstellt, ein Fehler: Blogger vermuten hinter dem Verschwinden des Fotos Zensur der Behörden, kopieren es auf Hunderte Facebook-Seiten, versenden es über Twitter.
Neda Soltanis Versuche, ihr Bild aus der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, scheitern kläglich. Sie hat die Verfügungsgewalt über ihr eigenes Bild verloren. Das Foto gehört längst den Demonstranten und Medien, die auf dem Foto die Ikone des Freiheitskampfes zu sehen glauben.
Am 23. Juni 2009 geben die Eltern der toten Neda Agha-Soltan authentische Fotos frei, die für jeden verfügbar sind. Das Bild von Neda Soltani wird trotzdem weiter verbreitet. Freunde versuchen, den Fehler in Internetforen richtigzustellen. Vergeblich. Eine Freundin wird beschimpft: »Du Bastard wirst uns den Engel des Iran nicht nehmen.« Der Irrtum lässt sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Die Regimekritiker im Internet beharren auf der Authentizität ihres Fotos. Nur wenige Journalisten erkundigen sich bei Neda Soltani über ihre Facebook-Seite nach der Herkunft des Fotos. Keinem gelingt es, den Irrtum aus der Welt zu schaffen. Das Foto ist für Neda Soltani verloren.
(Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Neda Soltani in Deutschland lebt.)
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22 Uhr 08
Kennen Sie den Ausgangpunkt für diesen Satz wenn Nein dann lassen Sie es besser...
20 Uhr 09
dieser satz hat nicht nur einen wiederlichen, rachsüchtigen, rassistischen impitus. es lässt sich auch darauß schließen daß sie in ihrem leben nichts gelernt haben.
schade eigentlich.
19 Uhr 01
diese Story, ist echt alt und eigentlich geschieht das dauernd das Leute verwechselt werden und je nach Lust und Laune werden dann Eigenschaften vergeben. Schlimm ist das einige Leute diese Verwechslungsspiele mit Begeisterung mitmachen und zum Schluss eigenartigerweise feststellen müssen, dass sie aus dieser Sackgasse nicht mehr herauskommen. Ach übrigens ich durfte mir von einer Iranerin mal anhören "Manche Leute können halt mal was vertragen", tja jetzt muss eine Iranerin auch mal was ertragen.
14 Uhr 42
bei Ihrer eigenen Bilderserie selbst den Namen ändert!
19 Uhr 31
15 Uhr 00
Erinnere mich noch gut, wie nach dem 11. September 2001 wieder und wieder dieselben Bilder - in den staatlichen Medien einer wütenden Palästinensermenge gezeigt wurden, allen vorweg eine wenig attraktive ältere Frau mit scheußlicher Brille, die sinngemäß "nieder mit Amerika" in die Kamera brüllten. Dazu hatten sie im Originalkontext wohl auch Anlass (dieser lag 2001 mehrere Jahre zurück), mit den Bildern wurde der Weltöffentlichkeit aber suggeriert, diese Demo habe im Kontext mit dem 11. September als gezielte nachträgliche Verhöhnung der Oper stattgefunden. Dass die Frau im Fernsehen nicht mit Namen dargestellt wurde, wird nur einen graduellen Unterschied gemacht haben, denn die implizierte Unterstellung war ungeheuerlich, die Bilder wurden wirklich bis zum Erbrechen wiederholt, in ihrem privaten Umfeld werden sie auch gezeigt worden sein. Soviel zu "das kommt durch Web 2.0"
11 Uhr 48
10 Uhr 42