
Umgekehrt hinterlassen auch Konflikte und Streit Spuren im Körper. Wichtigste Nachricht: Es ist ein Irrtum, dass es dem Körper wohl tut, »Dampf abzulassen«. Sich aussprechen, ja – aber Flüche und Beschimpfungen haben noch keine Partnerschaft gekittet, dem Wohlbefinden schaden sie nur. Um dies zu erforschen, wurden Paaren münzgroße oberflächliche Wunden am Arm zugefügt. Das erste Mal wurden die Freiwilligen von Psychologen beraten, wie sie Konflikte sinnvoll lösen können. Beim zweiten Mal sollten sie sich über ein heikles Thema ihrer Beziehung unterhalten, woraus sich fast immer Streit entwickelte.
Bei allen heilten die Wunden nach den Gesprächen schneller zu. Gerinnung und Abwehrsystem waren aktiviert. Nach einem Streit ohne Beratung lief das Alarmsystem des Körpers hingegen auf Hochtouren: Wunden heilten langsamer, feindliche Erreger konnten nicht gut bekämpft werden. Überraschend für die Forscher war, dass die Wundheilung bei Paaren, die sich im Streit freundlich verhielten, kaum beeinträchtigt war. Bei Partnern, die sich im Streit anschrien und abwerteten, waren die Entzündungsfaktoren im Blut hingegen sogar noch am Morgen nach dem Streit erhöht.
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Depressionen schwächen das Herz, Stress verschlimmert HerpesDepressive Verstimmung gilt mittlerweile als ebenso großer Risikofaktor für einen Herzinfarkt wie Bluthochdruck. Im Blut von Depressiven finden sich mehr Entzündungsstoffe. »Es ist doch wahnsinnig«, sagt der Münchner Psychokardiologe Karl-Heinz Ladwig, »dass der Körper nicht nur auf Gift oder Verletzungen mit einem Anstieg der Entzündungswerte reagiert, sondern auch auf mentale Überforderung.« Die Art der Belastung führt zu unterschiedlichen Symptomen: Ängste provozieren eher Rhythmusstörungen, Depressionen, Koronargefäßverkalkung. Ärger und Frustrationen erhöhen das Risiko für Arteriosklerose.
Depressionen schlagen sogar auf die Knochen. Der Mineralgehalt des Skeletts wird bei Schwermütigen – vermutlich durch erhöhte Kortisonspiegel – so vermindert, dass es in einer Studie innerhalb von zehn Jahren zu vierzig Prozent mehr Knochenbrüchen unter Depressiven kam. Auch Hautleiden werden durch Stress oft schlimmer. »Hauterkrankungen lassen sich provozieren«, sagt Matthias Augustin, Dermatologe an der Universitätsklinik Hamburg. Forscher setzten Patienten mit Neurodermitis oder Schuppenflechte unter Stress. Sie sollten ein Bewerbungsgespräch vor Publikum simulieren. Zudem mussten sie von einer vierstelligen Zahl in Sprüngen von 17 herunterzählen. Forscher trieben die Probanden an und riefen »schneller«. Die Neurodermitiker reagierten sofort. Zehn Minuten nach der Belastung waren mehr Entzündungszellen im Blut aktiviert – sie können Blutgefäße angreifen und Organe schwächen.

»Spannend ist, dass die Entzündungsreaktion auf Stress bei Patienten mit Neurodermitis stärker ausfällt als bei denen, die keine Hautprobleme haben«, sagt Augustin. Wer an Neurodermitis oder Schuppenflechte leidet, ist nicht unbedingt dünnhäutiger. Doch auf seiner Haut werden Anspannungen sichtbarer. Das gilt auch für Menschen, die anfällig für Herpes sind. Einigen Probanden wurden abstoßende Fotos gezeigt – Bilder von benutzten Tellern, auf denen Fliegen lagen. Andere Probanden sahen Bilder von Blumenwiesen: Bei vierzig Prozent derjenigen, die die unappetitlichen Bilder sahen, blühten Herpesbläschen auf. In der Gruppe, die angenehme Bilder zu sehen bekam, war nicht eine Unebenheit zu erkennen.
Der Organismus reagiert auf Erlebnisse und Erfahrungen – in Extremsituationen wie im Alltag. Er kann sich anpassen, Neues lernen, vergessen und Spuren tilgen. Auch nach Zeiten der Niedergeschlagenheit ist der Körper wieder empfänglich für Hochgefühle, Lebensfreude und Körperglück. Dann prägen sich positive Signale stärker ein, so wie die Muskeln eines Leistungssportlers mit der Zeit kraftvoller werden als die eines Stubenhockers. Sind die Nervenbahnen, auf denen Zufriedenheit und Freude weitergeleitet werden, oft in Gebrauch, rasen Moleküle und Glückshormone häufig ihrem Bestimmungsort entgegen, verbreitern sich die »positiven« Nervenbahnen und Zentren für Lustgewinn und Überschwang im Gehirn werden größer.
Wie sich die Wege des Glücks permanent verändern, ist mit einem interaktiven Stadtplan zu vergleichen, der zurückgemeldet bekommt, wie viel Verkehr unterwegs ist, und sich anpasst. Anfangs sind die Straßen, auf denen frohe Botschaften verkündet werden, womöglich noch schmal. Je öfter sie befahren – das heißt übertragen auf Nervenbahnen: benutzt – werden, desto stattlicher werden sie. Man kann die Wege der guten Gefühle bahnen und ihnen so auf die Sprünge helfen, dass sie zu prachtvollen Alleen werden. Es dauert eine Weile, aber es lohnt sich.
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Werner Bartens war überrascht, wie schädlich schlechte Gefühle sein können. Seitdem er das weiß, senkt er die Kortisol-Ausschüttung seiner Nebennierenrinde und zähmt die Faktoren der Blutgerinnung, indem er Intrigen im Job auf das Nötigste beschränkt und seine Frau nur noch auf Händen trägt.
Von Werner Bartens ist gerade das Buch “Körperglück - Wie gute Gefühle gesund machen” im Droemer Verlag erschienen.
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17 Uhr 47
Leider versäumt der Autor, vielleicht aus Freude über die vielen Studien, die seiner These recht zu geben scheinen, darauf hinzuweisen, dass Kernstück jedweder „fernöstlicher Lebenshilfe“ und im Übrigen auch nahezu der gesamten westlichen Philosophie, als Wegweiser zur Reflexion über ein selbstbestimmtes und glückliches Leben, diametral der Kernaussage dieses Artikels und wahrscheinlich auch des dazugehörenden Buches „Lebe dein Leben so, dass so viele Glückshormone wie nur irgend möglich ausgeschüttet werden um gesund zu bleiben“ gegenüber steht.
Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach, höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.
(Arthur Schopenhauer)
15 Uhr 09
An Tagen, wo es mir aber gut geht, wo ich durch liebe Menschen abgelenkt bin, oder in den Genuss von Liebe kommen darf, scheinen Schmerzen und Symptome immer wieder abzuklingen.
Die Seele ist der Spiegel unserer Gesundheit - oder auch umgekehrt.
12 Uhr 46
08 Uhr 38
Vielleicht entdeckt eine Studie eines Tages ja auch mal die Tatsache, daß unsere Angst vor der Liebe offensichtlich sehr viel größer ist als unsere Angst vor Krieg und Konkurrenz. Gibt es Hoffnung? Na, wohl eher nicht.