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aus Heft 09/2010 Familie 1 Kommentar

Sind das meine Augen?

Seite 4

Von Okka Rohd (Protokoll) 


Gerade war ich mit den Jungs wieder in Dänemark, vielleicht zum letzten Mal. Sie sind jetzt 14 und 16. Sie haben sich nie beschwert, aber als Vater merkt man es, wenn den Kindern andere Dinge wichtiger werden als Familienurlaub an der Nordsee. Angst macht mir nur, dass die beiden noch immer nicht wissen, wer ihr richtiger Vater ist. Sobald ich länger darüber nachdenke, überfällt mich Panik. Dann bilde ich mir ein, dass sie die Wahrheit schon längst kennen, und beruhige mich erst wieder, wenn sie wie aus der Pistole geschossen »Papa« zu mir sagen.

Ich weiß, das Schweigen hat nicht viel Gutes gebracht. Aber was ist, wenn ihr Leben unter der Wahrheit so zusammenkracht wie damals meines? Neulich habe ich meine Ex durch ihre Schwester fragen lassen, wann wir es den beiden nun sagen wollen. Jetzt noch nicht, wurde mir ausgerichtet. Wie lange ich noch schweigen will, weiß ich nicht.
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Mit meiner Ex habe ich bis heute nur über Geld geredet, niemals über die Geschichte mit ihrem Chef. Sie sträubt sich vollkommen. Immer noch habe ich keine Ahnung, ob die Sache zwischen ihnen über Jahre ging oder nur ein paar Wochen, ob es Liebe war oder etwas rein Sexuelles. Ich glaube, die Ehefrau des Chefs weiß noch weniger als ich. Ich hatte mir auch schon überlegt, zu ihr zu fahren und sie zu fragen, was sie von der ganzen Geschichte eigentlich weiß. Nur, was soll es bringen?

Die Frau vom Chef ist wirklich eine Nette, früher haben wir uns zu viert getroffen, sie hatten ja auch zwei Kinder, und man verstand sich. Mit meiner neuen Frau albere ich gern herum. Manchmal findet sie, ich übertreibe ein bisschen, dann sage ich immer, das Leben ist doch schon ernst genug. Ich versuche jetzt, fröhlich zu sein.

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Okka Rohd erwartete einen Mann zu interviewen, der verbittert war, weil die Kinder, die er für seine hielt, nicht von ihm waren. Stattdessen traf sie einen lebensfrohen Menschen, der glücklich in seiner neuen Beziehung ist. Trotz allen Schmerzes, den ihm seine Exfrau zugefügt hat, will er nicht schlecht über sie reden: "Ich bin auch nicht frei von Schuld, ich habe zu lange weggeschaut." Gut möglich, dass dies der Schlüssel ist, warum es überhaupt so weit kommen konnte.


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  • taed dhrn (0) So lange von Mutter und Vater belogen und betrogen worden zu sein ist hoffentlich das Schlimmste was mir in diesem Leben geschehen sein wird. Die Welt - mitsamt gesamtem Universum - brach für mich in der Stunde der Erleuchtung zusammen, alles um mich herum verschwamm für Jahre vor meinen Augen. Vor allem meine Mutter habe ich seitdem bis aufs Blut gehasst. Wer da nicht genug Humor oder Kreativität besitzt stirbt vermutlich. Manchmal wünsche ich mir sie hätten mir nie die Wahrheit gesagt. Ein Kuckuckskind.