Anzeige

aus Heft 10/2010 Liebe & Partnerschaft 2 Kommentare

Getrennte Schlafzimmer

Seite 2

Von Cathrin Kahlweit  Marek Wykowski (Foto)


Immer mehr Menschen tun das offenbar, Romantik hin, Gewohnheit her. Getrennte Betten sind in – auch wenn es für Deutschland keine konkreten Zahlen, sondern nur einen gefühlten Trend gibt. Offiziell schlafen, Umfragen zufolge, zwar nach wie vor neunzig Prozent aller Deutschen in einem Bett, aber der Wiener Schlafforscher Gerhard Klösch hat festgestellt, dass die Paar-Schläfer stetig abnehmen, je älter die Menschen werden.

Seine Untersuchungen belegen, was viele Liebespaare in leidvoller Praxis feststellen: dass es gesünder und geruhsamer ist, das Bett auf Dauer nicht mit einem geliebten Menschen zu teilen (und, im Übrigen, auch nicht mit einem Haustier, Kind oder Handy). Vor allem Frauen schlafen schlechter und unruhiger, wenn ein Mann mit im Bett ist.
Anzeige
In den USA ist man – schlaftechnisch gesehen – schon weiter: Vor zehn Jahren lagen laut einer US-Studie noch 88 Prozent aller Liebespaare gemeinsam unter einer Decke, fünf Jahre später waren es nur noch drei Viertel, ebenso in Großbritannien. Auch unter Architekten gilt es als ausgemacht, dass immer mehr Ehepaare nachts in zwei getrennten Zimmern nächtigen, denn sie müssen – auf Wunsch ihrer Auftraggeber – immer häufiger zwei Elternschlafzimmer in die Entwürfe moderner Einfamilienhäuser hineinzeichnen.

»Ganz klar«, sagt Thomas Pollmächer vom Klinikum Ingolstadt, »unsere Lebensgewohnheiten prägen unsere Schlafgewohnheiten: Wir haben – im Idealfall – mehr Raum zur Verfügung, also gibt es mehr Möglichkeiten als früher, getrennt zu schlafen. Und immer mehr Familien sind mit unterschiedlichen Tages- und Arbeitsrhythmen konfrontiert, mit Nacht- oder Schichtarbeit etwa, da schläft man getrennt, um sich nicht zu stören.«

Dennoch werden Umfragen über Schlafgewohnheiten offenbar etwa genauso ehrlich beantwortet wie Umfragen zu Beischlaffrequenzen. Freunde schauen komisch, wenn sie erfahren, dass ein Paar nachts nicht mehr in Löffelchenstellung liegt, Kinder befürchten eine drohende Scheidung der Eltern, wenn Mama oder Papa ein Bett im Arbeitszimmer aufstellen.

Ehe-Ratgeber predigen zwar, dass getrennte Betten Wunder wirken können: »Als Sexualtherapeuten raten wir Paaren, eine gewisse Spannung und Sehnsucht aufzubauen. Wenn man sich immer körperlich nah ist, kann kein Verlangen entstehen«, heißt es etwa auf einer Webseite mit dem sprechenden Namen »LoveCreation«. Getrennte Schlafzimmer führten dazu, dass man sich für eine »Begegnung verabreden« müsse.

Aber selbst Anhänger dieser Lösung outen sich ungern. Kein Wunder, glaubt Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg: »Getrennte Schlafzimmer sind zwar im Trend, aber gesellschaftlich noch immer nicht akzeptiert. Kaum ein Paar gibt gern zu, dass es getrennt schläft. Wer das tut, betont hinterher eilig, dass man sich aber – trotzdem – noch liebe.« Immer wieder kämen Paare zu ihm, berichtet Zulley, bei denen einer von beiden, meist die Frau, heimlich vom ruhigen Schlaf im Einzelzimmer (unterbrochen durch gelegentliche Besuche des Mannes) träume – meist wegen der bis zu neunzig Dezibel, die da nachts neben ihr vom schnarchenden Bettgefährten aufgefahren werden.

Kommentare

Name:
Kommentar:

  • Ricca Geist (1) Ein leises "Bitte nicht schnarchen" wirkt erstaunlicherweise in 70 % der Fälle!
  • Doris Wallner (2) Ich kann gut mit meinem Mann in einem Bett schlafen, wenn ich vor ihm einschlafe (und das Schnarchkonzert nicht höre)oder wenn ich erst ins Bett gehe wenn er schon tief schläft (und nicht mehr schnarcht). Allerdings werde ich morgens oft von seiner Unruhe und dem bemühten Ruhigsein (weil er schon wach ist und ich noch schlafe) geweckt. Wenn er dann doch aufsteht (weil er nicht mehr schlafen kann), schlafe ich nochmal wunderbar ein ;-)
    D.W.