Schnarchgeräusche können schließlich schon mal den Lärm von Kreissägen oder stark befahrenen Autobahnen erreichen. »Aber viele Menschen ertragen den Auszug des Partners aus dem Ehebett nicht, da geht es um Machtspiele in der Ehe. Um Kontrolle, um Überblick.« Er – manchmal aber auch sie – muss sicher sein, dass der Ehepartner brav daneben liegt und verfügbar ist. Und sich nicht emanzipatorisch ausklinkt aus der Zweisamkeit, die das Gemeinschaftsschlafen noch immer symbolisiert.
Der Wiener Somnologe Klösch mag also zwar belegt haben, dass das Einzelbett im Einzelzimmer objektiv gesünder ist und vor allem von älteren Paaren wegen erhöhter Unruhe im Bett – Harndrang, senile Bettflucht, Schlafgeräusche – immer häufiger bevorzugt wird. Aber es gibt wenig Erkenntnisse darüber, wie sich einsame Nächte auf die Psyche auswirken, wenn kein Mann – respektive keine Frau – mit im Bett liegt.
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Was also wäre, um zu unserem Paar mit der ausgesperrten Katze, dem offenen Fenster und der Rüschendecke zurückzukommen, wenn es sich, frisch verliebt, gegen alle Vernunft für das Doppelbett im Elternschlafzimmer entschiede? Was, wenn Frauen zwar ohne Mann ruhiger schlafen, aber dabei weniger zufrieden sind? Das ist nämlich, dem Trend zum Trotz, der andere Teil der Wahrheit: 85 Prozent aller Männer und 75 Prozent aller Frauen lieben es, neben dem Partner einzuschlafen. Und die Hälfte aller Paar-Schläfer ist nach wie vor fest davon überzeugt, so besser zu ruhen.
Jürgen Zulley hat eine wunderbare Erklärung, die Körper und Seele zusammenbringt: »Objektiv ist es oft vernünftiger, getrennt zu schlafen. Subjektiv kann das Gegenteil der Fall sein. Das hängt«, sagt er grinsend, »vom Zustand der Beziehung ab.« Der »gefühlte Schlaf« sei doch das, was am nächsten Morgen zähle, und das objektive Ergebnis nicht das Maß aller Dinge. »Ja, man stört sich, wenn man zusammenliegt, und manchmal ist die Störung so stark, dass es klüger ist, nachts getrennte Wege zu gehen. Aber wenn sich diese Störungen nicht auswirken – dann ist es zusammen schöner.«
Und auch Thomas Pollmächer, der Facharzt für Psychotherapie und Psychiatrie, hat Trost parat: Menschen gewöhnen sich aneinander, auch im Schlaf. Paare, die gemeinsam älter wer-den und regelmäßig beieinanderliegen, synchronisieren ihre Schlafrhythmen. Sollte in unserem Fallbeispiel also sie ihm verzeihen, dass er sich in der ersten Nacht als Tierfeind geoutet hat, sollte er ihr verzeihen, dass sie einen Mädchengeschmack hat, sollte das Vorher das Hinterher wettgemacht
haben und sollten die beiden sich für eine Gemeinschaftslösung entschieden haben, dann gibt es für beide eine Chance: die Gewohnheit.
Und einen Vorzug, den auch Klösch einräumt: Zumal junge Beziehungen profitieren von einem gemeinsamen Bett, »es bringt Stabilität in die Beziehung – und Geborgenheit«.
Wenn da nur das Schnarchen nicht wäre: Umfragen haben ergeben, dass achtzig Prozent aller Gemeinschaftsschläfer das Schnarchen ihres Partners im Doppelbett ertragen – sei es aus Liebe, Solidarität oder Mangel an räumlichen Alternativen. Wer weiß, ob das wahr ist. Wahrscheinlich liegt von diesen offiziellen achtzig Prozent ein Viertel nachts regelmäßig wütend auf der Couch, im Kinderbett oder der leeren Badewanne. Oder im Nachbarzimmer mit eingebauter Schallschutzwand und Ohropax – würde das aber gegenüber Außenstehenden nie zugeben.
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Cathrin Kahlweit würde natürlich selbst auch nie verraten, ob sie von
ihrem Mann getrennt schläft und, nein, sie tut es natürlich nicht. Was
allerdings verraten wird: Es sind des Nachts viele Ohropax im Spiel. Und Kissen, die über Ohren gestülpt werden. Und Tritte, über die Bettmitte hinweg auf die andere, von lautem Schnarchen erfüllte Seite. Hier noch ein Geheimnis: Nein, das hilft auch alles nichts.
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