
Um diesen Menhir herum, die laienhafte Übersetzung ist Hinkelstein, drehte und drängte sich nun alles, Delegierte, Ministergattinnen, Kreis- und Bezirksvorsitzende; es wurde getanzt. Er kannte sie fast alle, er wusste alles über sie, alles jedenfalls, was er wissen musste, um Fäden zu ziehen, um in allen Parteidingen zu dirigieren und zu intrigieren.
Bei dem einen oder anderen mag er sich bei dieser Gelegenheit vorgenommen haben, ihn im Wahlkampf mit einer finanziellen Zuwendung aus seiner schwarzen Kasse zu bedenken. Und viele von denen wiederum, die er beim Vorbeitanzen betrachtete, überlegten still bei sich, wann der Alte wohl plant, den Laden zu übergeben; aber das tat und tat er nicht.
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So war das jahrelang; so war das Geburtstag für Geburtstag. Es war wie bei einem immerwährenden Weinfest: eine dahindudelnde Musik, eine schunkelnde Partei, ein lächelnder Kanzler. Es war seine Welt, die Pfalz, sie war überall dort, wo er war, er brachte sie mit. Hier hörte er des Dorfs Getümmel, hier war seines Volkes wahrer Himmel. Hier war die Tankstelle des Staatsmanns Helmut Kohl. Und bei den europäischen Ratssitzungen ging es am Schluss zwar nicht zu wie bei einem Geburtstag, aber doch wie bei einem Klassentreffen mit Kohl als Klassensprecher und Organisator.
Kohl hat, so erinnert sich einer, der dabei war, »ohne dass er an der Reihe war, in das Mikrofon geschrien, alle zusammengeschissen; und alle haben auf ihn gehört. Er brüllte ›François‹ – und Mitterrand, schon gezeichnet von schwerer Krankheit, zuckte zusammen und nickte. Er hat diese Kerle beherrscht.« Diese Kerle, die Staatsführer Europas, waren »seine Kerle«. Und er konnte davon glucksend, bewegt, pathetisch, feierlich, stolz und unglaublich selbstzufrieden reden.
Der Staatsmann Helmut Kohl war ein pfälzisch-europäischer Berserker – Europas Berserker, Europas Christophorus. Er ist ein Vater des neuen Europa.
Diese Geburtstage und Klassentreffen sind eigentlich noch gar nicht so lange her, an die 15 Jahre. Rüttgers und Röttgen und Pofalla und Merkel waren damals auch schon da; aber vorstellen kann man sich das eigentlich schon gar nicht mehr.
Nicht viele der ganz alten und noch nicht so ganz alten Weggefährten dürfen zu Kohl; seine zweite Ehefrau, Maike Kohl-Richter, bewacht den Zugang. Ähnlich hat es seinerzeit Brigitte Seebacher-Brandt gehalten, als sie 1983 Willy Brandt geheiratet und dann bis zu seinem Tod 1992 mit ihm zusammengelebt hatte. Maike Kohl-Richter kümmert sich so liebevoll zärtlich um den kranken Alten, dass seine nur noch wenigen getreuen Freunde und Besucher sagen, dass er ohne sie wohl nicht mehr leben würde.
Es ist viel gerätselt und geschwätzt worden über diese letzte Beziehung Kohls: Er war 78, sie 44, als sie im allerengsten Kreis im Heidelberger Universitätsklinikum geheiratet haben. Aber vielleicht ist das ein Stücklein ähnlich wie im Brandner Kasper und das ewig’ Leben. Als zum Brandner Kasper der Tod kam, Boandlkramer heißt er dort, füllte der ihn mit Kirschwasser ab und luchste ihm noch viele Erdenjahre ab. Wer mit Thatcher, Bush senior und Gorbatschow höchst erfolgreich verhandelt hat, kann das vielleicht auch mit dem Boandlkramer.
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Die Beziehung zwischen Heribert Prantl, 56, und Helmut Kohl hat auch eine historische Dimension: denn sie beginnt nicht erst irgendwann in den Neunzigerjahren, als der vormalige Richter Prantl politischer Journalist geworden war. Sie beginnt viel früher, genauer gesagt im Jahr 1329, als Bayern seinen nordöstlichen Teil an die Rheinpfalz abgab. Am Abendtisch des CDU-Parteitags zu Erfurt, das war kurz nach der Abwahl Kohls als Kanzler, entspann sich eine heftige Diskussion zwischen dem Pfälzer Kohl und dem Oberpfälzer Prantl über die historischen Wurzel der jeweiligen Heimatorte Oggersheim und Nittenau. Ergebnis: Beide lagen jahrhundertelang in ein und demselben Herrschaftsgebiet. Prantl hat seinen Text zum 80. Geburtstag also auch in landsmannschaftlicher Verbundenheit geschrieben.
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13 Uhr 22
Wie kann man einen so durch und durch skrupellosen, rachsüchtigen und kleingeistigen Politiker eine solche Eloge zu Teil werden lassen? Dass sich auch Prantl so von der Aura der Macht benebeln lässt enttäuscht mich sehr. Ich kann mich den Vorkommentatoren nur anschließen.
Abgesehen davon ein sprachlich jämmerliches Niveau. Wenn Prantl schon keine Zeit hat, sollte wenigstens jemand anderer drüberlesen:
Ein Beispiel, Zitat Prantl:
"Es war seine Welt, die Pfalz, sie war überall dort, wo er war, er brachte sie mit. Hier hörte er des Dorfs Getümmel, hier war seines Volkes wahrer Himmel. Hier war die Tankstelle des Staatsmanns Helmut Kohl."
Dazu ein aufmerksamer Leser:
"Es [DAS Pfalz!] war seine Welt [Sie meinen Heimat, gell!], die Pfalz, sie war überall dort [die Welt in der Welt?], wo er war, er brachte sie mit [Wie wäre die Pfalz/Welt sonst dorthin gekommen?]. Hier war die Tankstelle [Die Pfalz/Welt eine Tankstelle? Wegen des Geruchs? Oder des heimeligen Ambientes? Oder ist Kohl ein Auto?] des Staatsmanns Helmut Kohl.
Es gelingt Ihnen, in zwei kurzen Sätzen viermal (!) ein WAR unterzubringen. Das dürfte auf BILD-Niveau liegen."
Im Text selbst steht noch ein Satz dazwischen, der alles noch lächerlicher macht: "Hier hörte er des Dorfs Getümmel, hier war seines Volkes wahrer Himmel."! Ojeoje.....
11 Uhr 16
Gibt es in ganz Deutschland wirklich niemanden mit Langzeitgedächtnis?
16 Uhr 35
15 Uhr 36
15 Uhr 35
Solch' Sicht auf diesen In-jedes-Fettnäpfchen-Treter kann auch nur einem Journalisten einfallen. Der Mann war und ist doch eher Elefant als Charismatiker.
11 Uhr 09
Blogpost: Zündende Bildidee: Das Titelfoto des SZ-Magazins - http://bit.ly/8XwE7V
Weiter so!
Frank Schleicher, news aktuell, Hamburg