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aus Heft 11/2010 Gesellschaft/Leben 7 Kommentare

Ganztagsjob, zwei Kinder, kein Mann

Seite 2

Von Christoph Cadenbach  Foto: Ralf Zimmermann; Stephanie Füssenich


Das Verfahren gegen Bernd wird am Ende eingestellt. Der Beschuldigte sei nicht leistungsfähig, sagt die Staatsanwaltschaft. Der gelernte Kaufmann hat sich arbeitslos gemeldet.

Den Vater von Stefan, ihrem jüngeren Sohn, lernt Gabi beim Tanzen kennen, im April 1994. Sie arbeitet inzwischen in der Verwaltung eines Krankenhauses, ihr Sohn Thomas geht in den Kindergarten, ganztags. Kurz nach Stefans Geburt 1996 geht jedoch auch diese Beziehung kaputt, und was danach folgt, kennt sie schon: Mal zahlt der Vater Unterhalt, mal zahlt er nicht. Das Jugendamt springt wieder ein. Am Ende zeigt Gabi auch diesen Ex-Freund an. Letzter Stand im Streit ums Geld: Am 31. Januar 2010 erhält Gabi einen Brief vom Jugendamt über den vorläufigen Unterhaltsrückstand: 3284,74 Euro.
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Nun könnte man sagen: Gabi und Daniela sind selber schuld, sie haben sich einfach die falschen Männer ausgesucht, so haben es uns einige Leser nach dem Artikel über Daniela geschrieben. Liest man Gabi diese Briefe vor, bittet sie einen Satz wörtlich zu zitieren, der ihr sehr wichtig ist: »Man sollte nicht vorschnell urteilen, es gibt im Leben nichts, was einem nicht selbst passieren kann.« Und noch etwas liegt ihr am Herzen: Es solle sich nicht so anhören, als ob sie über ihre Situation jammere, denn Jammern mag sie nicht, das mochte sie noch nie.

»Ich habe auch wahnsinniges Glück im Leben gehabt.« Gabi hat drei Bewerbungen geschrieben und drei Jobs bekommen und ihre Söhne Thomas und Stefan ohne Warteliste einen Kindergartenplatz. Ihr Trockner hält jetzt schon seit 15 Jahren, sie hatte noch nie einen Autounfall, und wenn es mal knapp wird mit der Zeit oder dem Geld, hilft ihr ihre Mutter, soweit sie es kann. Finanziell unterstützt sie auch ihr älterer Sohn Thomas, 19, der bei ihr wohnt, und gerade eine Ausbildung zum Elektrotechniker macht. Hundert Euro im Monat zahlt er von seinem Lehrlingsgehalt in die Haushaltskasse ein. Zu Weihnachten hat er ihr eine Espressomaschine geschenkt.

Viel vermisse sie nicht, sagt Gabi: weder das Schuhekaufen noch die Ur-
laube, noch das Einkaufen auf dem teuren Viktualienmarkt. Luxus sei für sie ein gemeinsamer Playstation-Abend mit den Kindern oder ein Besuch bei McDonald’s nach einem Sonntagsspaziergang. Doch selbst dafür sei das Geld manchmal zu knapp. Wenn ihr jüngerer Sohn Stefan zum Beispiel eine neue Brille braucht, wenn also Extra-ausgaben die Familie belasten. Deshalb regt sie sich auf, deshalb setzt sie sich abends nach der Arbeit hin und schreibt Briefe.

»Kann es richtig sein«, fragt sie zum Beispiel Oberbürgermeister Christian Ude, »dass ich arbeite, Geld verdiene und nicht dem Staat auf der Tasche liege und die Väter sich einfach mit Nichtarbeiten vom Staat einen tollen Tag bezahlen lassen? Es muss doch eine Möglichkeit geben, die Väter zu Zahlungen zu zwingen bzw. zum Arbeiten zu verdonnern (…). Vielleicht sollte ich auch etwas kürzertreten und Sozialhilfe beantragen und auch etwas schwarzarbeiten, denn dann würde es meinen Kindern besser gehen.«

Die Antwort erhielt sie aus dem Büro der damaligen bayerischen Familienministerin Christa Stewens: »Eine Verpflichtung zu arbeiten, um damit Unterhaltsverpflichtungen nachzukommen, besteht in der Bundesrepublik nicht. (…) Es tut mir leid, dass ich Ihnen erneut keine konkrete Hilfe anbieten kann. Ich hoffe jedoch, dass es Ihnen gelingen wird, Ihre schwierige Situation zu meistern.«

Gabi ist nicht wütend auf Daniela aus dem Artikel im SZ-Magazin. Sie ist nicht wütend auf andere alleinerziehende Mütter, die vielleicht mehr Geld haben als sie. Sie ist wütend, dass ihre Kinder ihr Recht nicht bekommen und sie nichts dagegen tun kann.


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Wie kann man Väter dazu bewegen, den Unterhalt für ihre Kinder zu zahlen? Darüber diskutierten auch Gabi T. und Christoph Cadenbach. In Deutschland
haben die Behörden nur sehr begrenzte Möglichkeiten, Druck auf säumige Väter auszuüben. In anderen Ländern stehen – zumindest per Gesetz – drastischere Druckmittel zur Verfügung: In England zum Beispiel darf zahlungsunwilligen Eltern der Führerschein oder Reisepass abgenommen werden. In den USA ist es in manchen Bundesstaaten erlaubt, Autos zu beschlagnahmen und im Notfall zu versteigern. Und in Estland kam die Regierung zuletzt auf die Idee, die Namen von Vätern, die mit hohen Summen im Rückstand waren, obwohl sie Arbeit hatten, im Internet zu veröffentlichen.


Kommentare

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  • Micha Jockisch (0) ich bin erst heute auf diesen für mich hochinteressanten und brisanten artikel gestossen, abgesehen davon, dass ich alleinerziehend (allein das wort scheint mittlerweile ein synonym für makel zu sein....) mit zwei kindern bin, der vater NULL zahlt und NULL leistet...alles nur bestätigen kann, wundert mich die letzte "idee" einer möglichen abhilfe doch sehr. sicher bin ich mit meinen zwei pubertierenden der absolute burner auf dem "beziehungsmarkt". abgesehen von den sehr dürftigen möglichkeiten, überhaupt eine verheißungsvolle romanze anzubahnen undda ja neue lebenspartner gerne ganz schnell verantwortlich gemacht werden, den ersatzpapi zu geben, finanziell natürlich...da kann ich viel über eine partnerschaft nachdenken und im augenwinkel sah ich erst hier einen artikel, der andeutet, dass beziehungen stark unter ökonomischen überlegungen eingegangen werden, sicher, wunder gibt es immer wieder...das will ich nicht gänzlich ausschließen, aber der vorschlag geht zu 99% an der realität vorbei. ohne gejammer, ohne verbitterung.
    und wieder einmal wird den alleinerziehenden etwas abverlangt, die sich sowieso schon auf kaum erträgliche weise bis an die belastungsgrenzen verbiegen, während die sich aus jeglicher verantwortung stehlenden...eben! NULL zu verantworten haben...

    kleines banales beispiel: ICH muss immer wieder nachweisen, dass ich mich um ALLES kümmere, mittels eines negativbescheides vom jugendamt, der eben besagt, ich habe alleiniges sorgerecht, etc.

    weshalb muss der nichtleister/die nichtleisterin nicht mal bestätigen, das sie sich um NICHTS kümmern?
  • Uwe Ostertag (0) dass sie in einer misere zu stecken scheint, das ist offensichtlich, aber dann muss sie halt auch so flexibel sein, das beste aus ihrer situation zu machen. mit rumjammern und einer art selbstbeweihräucherung kann sie zwar mitleid erwecken aber die situation nicht lösen.
    damit es ihr und den kids besser geht, dann muss sie auch kompromisse eingehen, vielleicht über eine neue partnerschaft mal nachdenken. es würde sich nicht nur materiell auszahlen, sondern die kids hätten eine neue bezugsperson.
    oft liegt es dabei am falschen stolz der mütter bzw. einer falschen selbsteinschätzung, um einen solchen weg zu beschreiten.
  • Stephanie Höhner (1) Egal, ob alleinerziehnede Mütter oder Väter (die es ja auch gibt und die vor den gleichen Problemen stehen) - es muss Abhilfe geschaffen werden und zwar von mehren Seiten. Ein Anfang wären ausreichend kostenfreie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder von Alleinerziehenden. Aber auch die Arbeitgeberseite sollte flexibler im Umgang mit Alleinerziehenden sein und auch qualifizierte Teilzeitstellen anbieten. Und Alleinerziehende sollten auch weiterhin Steuervorteile für Familien nutzen können.
  • ingrid Obermayer (0) Seit Jahren schon plädiere ich dafür, dass denjenigen Vätern, die sich- mit welchen Mitteln auch immer- um die Zahlung für ihre Kinder drücken, der Führerschein und eventuell auch das Auto genommen werden sollte. Diese Strafe trifft die Männer da, wo sie am empfindlichsten sind.!!!
    Ich bin überzeugt dass der Großteil der zahlungsunwilligen Väter ganz schnell ihrer Zahlungspflicht nachkommen, sobald man ihnen ihr liebstes Kind das Autofahren weggenommen hat. Wer nicht arbeiten kann, oder wer seinen Verdienst als Selbstständiger kriminell "armgerechnet" hat, braucht auch kein Auto! Schließlich zahlen ja wir Steuerzahler das Jugendamt und damit die Unterhaltsrückstände!
    Man könnte doch eine dementsprechende Petition im bayrischen Landtag einreichen. Auf gehts! hier könnte man wirklich etwas bewegen!
  • Klaus Gabriele51 (1) Das Ergebnis der Antwort aus dem bayerischen Familienministerium ist extrem unbefriedigend.
    Es kann und darf nicht sein, dass in einer sozialen Gesellschaft, siehe Grundgesetz, sich Personen derart aus der persönlichen Veranwortung stehlen. Das ist unsozial. Beinahe vergleichbar mit den Steuerhinterziehern, die eine große Liebe für die Schweier Berge entickelt haben / hatten oder mit den Argumenten eines argumentativ etwas welligen Politikers bezüglich Missbrauchs von Harzt IV. Aber er wird wohl nie in die Situation kommen....

    K.S.


    Die Antwort erhielt sie aus dem Büro der damaligen bayerischen Familienministerin Christa Stewens: »Eine Verpflichtung zu arbeiten, um damit Unterhaltsverpflichtungen nachzukommen, besteht in der Bundesrepublik nicht. (…) Es tut mir leid, dass ich Ihnen erneut keine konkrete Hilfe anbieten kann. Ich hoffe jedoch, dass es Ihnen gelingen wird, Ihre schwierige Situation zu meistern.«
  • Bettina Schneider (2) Sehr bedauerlich finde ich, dass sich Gabi zunächst über Daniela empört - weil diese etwas mehr Geld zur Verfügung hat als sie. Dabei sind beide doch in einer ähnlich mieserablen Situation, in der es helfen könnte, sich zu solidarisieren. Gabi und Daniela haben alles Selbstvertrauen verdient, um anderen klarzumachen, dass sie die wirklichen Leistungsträger dieser Gesellschaft sind. Hut ab!
  • Christina Grimme (1) Was stimmt nur mit vielen Männern nicht? Ohne jegliche Scham benehmen die sich oft wie Schweine und kommen auch noch damit durch. Wahrscheinlich weil die Leute, die in Deutschland Gesetze machen, auch diese gleichen Männer sind und ihresgleichen nicht "schaden" wollen....eine Schande!