
45 Jahre danach wurden die abgedrehten Filmszenen ausgegraben von den französischen Dokumentarfilmern Ruxandra Medrea und Serge Bromberg, denen es gelang – ergänzt durch Interviews von Augenzeugen –, dem erloschenen Traum 94 Minuten neues Leben einzuhauchen.
Vor drei Wochen erst bekam das Werk in Paris einen César für den besten Dokumentarfilm. Das Buch dazu trägt in Deutschland schlicht den Titel Romy. Es ist eine Hommage an Romy Schneider, Frankreichs Filmstar Nummer eins, ein Buch der Bilder vom Film, Ersatz für das niemals vollendete Werk, die spärlichen Texte füllen die Leere zwischen den Seiten.
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Damals, im Sommer 1964, hatte die junge Romy Schneider die jugendfreie Sissi-Haut bereits abgestreift. Seit ihrer Flucht zu Delon nach Frankreich, seit ihren Rollen in Viscontis Boccaccio 70 und Orson Welles’ Der Prozess war sie in ihrer zweiten Heimat begehrt als Schauspielerin, nicht wie in der eigentlichen als Kaiserin angebetet. Ihre privaten Affären interessierten die Franzosen so wenig wie die ihrer Nachbarn oder ihre eigenen. Diesseits des Rheins, wo noch eine Generation in Justiz, Politik und Universitäten mächtig war, die an sich keine Schuld an der kriminellen deutschen Vergangenheit entdecken wollte, war Romy Schneider eine Dirne aus Dingsda.
Viele Männer, die den Gestank, der dabei zwischen ihren Beinen aufstieg, für Ambrosia hielten, schrieben sich was ab über die verlorene Tochter der Nation. Sich zu schämen hatten sie nie gelernt. Romy Schneider verlor die verordnete Scham der frühen Jahre spielend mit jedem neuen Film. Das war sichtbar nicht etwa nur in absichtlich inszenierter provokanter Nacktheit, sondern stets auch in ihrem Gesicht. »Meine Haxen sind krumm, aber mit meiner Fresse reiße ich alles wieder raus.«

Die Produktion eines Films wird für sie in dieser Zeit mehr und mehr zu
einer Liebesaffäre. Wenn ein Regisseur sie ernst nimmt, respektiert und nicht betrügt, spielt sie alles für ihn in einem hypnotischen Zustand. Im Schutz von guten Rollen fühlt sie sich geborgen, selbst wenn sie nackt ist. Aber ebenso symptomatisch für sie waren ihre fortwährenden Versuche, sich in die spießige Welt ihrer Kindheit zu flüchten, in den kitschigen Himmel, den ihre Mutter Magda regierte.
Romy Schneider ließ sich – wie so oft zerrissen zwischen anerzogener Scham und geliebter Schamlosigkeit – von ihr überreden, der Eröffnung des Restaurants im neuen Europa-Center, geführt von ihrem verachteten Stiefvater Hans Herbert Blatzheim, als Star der Provinzsause in Westberlin internationalen Glanz zu verleihen. Lernt dabei Harry Meyen kennen, nach tieferem Sinn grübelndes Gegenteil des wahnsinnigen Marcel alias Serge Reggiani, und verliebt sich im Frühjahr 1965 über Nacht in den intellektuellen König des Boulevardtheaters. Streift ihm zuliebe die Haut der Femme fatale ab und schlüpft in die einer braven Ehefrau und Mutter.
Doch schon nach zwei Jahren bricht sie wieder aus in die geliebte Scheinwelt, zu den Dreharbeiten von Der Swimmingpool mit ihrer Lebensliebe Alain Delon. Der übrigens bleibt ihr treu bis zu ihrem Tod. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
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Unser Autor hat zwar selbst die maßgebliche Romy-Schneider-Biografie verfasst, trotzdem findet er, dass niemand Romy besser beschrieben hat als der Regisseur Jacques Rouffio: "Sie war die Flamme und sie war das Eis, sie war die Weisheit und sie war die Torheit, sie war die Freude und sie war die Angst. Der Bildband Romy mit 200 bisher unveröffentlichten Romy-Schneider-Bildern erscheint am 12. April im Verlag Schirmer/Mosel.
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12 Uhr 23
Die farbigen Aufnahmen aus der unteren Galerie sind angenehm reduziert und transportieren sehr gut die Ästhetik der damaligen Zeit. Das s/w Portrait No. 9 ist sehr schön, weil von (vermeintlicher) Authentizität geprägt und berührt durch den direkten Blick zum Betrachter.
Ronald
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Portrait-Photography: http://www.daedalus-v.de