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aus Heft 11/2010 Frauen 1 Kommentar

Auf immer und ewig

Für die Rolle der Odette wollte Regisseur Henri-Georges Clouzot stets nur eine: Romy Schneider. 28 Jahre nach ihrem Tod sind nun Bilder und Szenen aus L'Enfer aufgetaucht, die beweisen: Romy ist noch immer die aufregendste Frau unserer Zeit.

Von Michael Jürgs 

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In all den Jahren, die seit ihrem Tod im Mai 1982 vergangen sind, wurde Romy Schneider immer wieder öffentlich ausgeschlachtet. Da Tote keine Gegendarstellungen mehr schicken, mischten sich dabei stets Fund- mit Erfundsachen. Doch nun taucht eine wahrhaftige Verlorengegangenheit auf – Fotos von Filmszenen der damals 25-jährigen Schauspielerin, entstanden während der Dreharbeiten zu einem unvollendeten Werk Henri-Georges Clouzots.

Der Regisseur, der als Frankreichs Antwort auf Hitchcock gefeiert wurde – weltberühmt seit Lohn der Angst und Die Teuflischen – hatte 1963 mit Probeaufnahmen zu L’Enfer (Inferno) begonnen. Mit detailliertem Storyboard hatte er sich mit dem Skript und für jede Einstellung unendlich viel Zeit lassen dürfen, denn die US-Firma Columbia gewährte ihm fürs Budget, was auch immer er wollte. Als er einmal den Blick aus dem Fenster eines Passagierflugzeugs drehen wollte, ließ die Produktionsfirma einfach eine Caravelle der Air France heranschaffen.

Als Hauptdarsteller war mal Yves Montand, mal Burt Lancaster vorgesehen, schließlich wurde es Serge Reggiani. Doch für die Rolle der Odette wollte er stets nur eine – Romy Schneider. Nur ihr traute er die Rolle der männerverschlingenden Schlampe zu. So zumindest sah sie im Film ihr obsessiver Gatte Marcel. Diese Rolle einer schamlosen Unschuldigen schrieb ihr Clouzot auf den Leib, denn sie hatte für ihn viel mit der wahren Romy zu tun, so sah er sie, so hatte er sie an der Seite von Alain Delon erlebt.

Das zeitlose Mann-Frau-Thema Eifersucht wollte der Regisseur zwischen Sinn und Wahnsinn inszenieren, als er am 2. Juli 1964 in der Auvergne zu drehen begann. Aus dem Traum, dem die Grenzen der Imagination auflösenden Traum jedoch wurde ein realer Albtraum: Im Zwischenreich zwischen surrealen Kopfgeburten und der Wirklichkeit verlor sich Clouzot.
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Ähnlich wie der von Marcello Mastroianni verkörperte Regisseur in Federico Fellinis Erfolgsfilm Achteinhalb, der schließlich auch nicht mehr unterscheiden konnte, ob die Bilder, die er in Szenen umsetzte, nur in seiner Fantasie stattfanden. Wahrscheinlich war Achteinhalb in Wahrheit der geschickte Versuch von Fellini, seine eigenen Probleme als Regisseur in einem Film darzustellen. Nach einer Woche Dreharbeiten erlitt Reggiani einen Kollaps, von dem er sich nicht erholte, nach drei Wochen Clouzot einen Herzinfarkt.

Der Film war tot, bevor er zu leben begann, und die Filmrollen mit den abgedrehten Szenen ruhten viele Jahre im Safe der Witwe Clouzots: Romy Schneider nackt auf Schienen gefesselt, den hörbaren Wahnvorstellungen von einem heranrasenden Zug preisgegeben, Romy Schneiders Augen-Blicke, einer gierigen Kamera widerstehend, Romy Schneider als Femme fatale, alles versprechend, Romy Schneiders Lippen mit kreisender, verführender Zunge, Romy Schneider als zerbrechliches Wesen, erschrocken über die Begierden, die sie geweckt hat.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Romy Schneider verlor die verordnete Scham der frühen Jahre spielend mit jedem neuen Film. Nicht nur in absichtlich inszenierter provokanter Nacktheit, sondern stets auch in ihrem Gesicht.)

Kommentare

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  • Ronald Vogel (0) Die farbigen Fotografien aus der oberen Bildergalerie sind eklektisch; sie sehen aus, wie eine Vittel Mineralwasser-Werbung.
    Die farbigen Aufnahmen aus der unteren Galerie sind angenehm reduziert und transportieren sehr gut die Ästhetik der damaligen Zeit. Das s/w Portrait No. 9 ist sehr schön, weil von (vermeintlicher) Authentizität geprägt und berührt durch den direkten Blick zum Betrachter.

    Ronald
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    Portrait-Photography: http://www.daedalus-v.de