Es gibt auch sogenannte Lillifee-Bücher, die angeblich darin erzählten Geschichten sind aber keine. Nach der Handlung dieser Bücher zu fragen führt zu nichts, man kann ja auch nicht fragen, was die Handlung eines Bildschirmschoners ist. Die Bücher sind einfach nur hübsch anzuschauen. Eine Handlung setzt innere Veränderung voraus. Lillifee aber bleibt die, die sie von Anfang an war – eine sterile, keimfreie Projektionsfläche, um die herum Waren drapiert werden.
Immer wenn ich derart vor mich hin schimpfe, sagt meine Frau, sie habe früher auch tagelang ihre Barbies frisiert und die seien ja wohl sexistischer gewesen als dieses kleine Feenwesen. Genau das aber ist der Punkt, den ich so perfide finde: Barbie ist eine junge Frau, klar, mit einem Körper, der jedem Orthopäden Albträume bereiten muss. Als Frau wäre sie 2,26 Meter groß und nicht überlebensfähig. Doch Barbie nimmt – stellvertretend für die Mädchen – das Erwachsensein vorweg; die Mädchen versuchen aber nicht, ihren Lifestyle zu kopieren.
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Lillifee hingegen ist ein Kind und holt die Konsumwelt der Erwachsenen mitten ins Kinderzimmer. Im Coppenrath-Katalog sieht man ein sechsjähriges Mädchen im Lillifee-Bademantel in den Lillifee-Spiegel schauen und ihre aufgeworfenen Lippen betrachten.
Die Frage ist, wie man als Eltern mit einer derart krassen Geschmacksverirrung des eigenen Kindes umgehen soll. Verbieten? Oder soll man gar, wie die britischen Zwillingsschwestern und Mütter Emma und Abi Moore mit ihrer Kampagne »Pink stinks«, einen Feldzug gegen das omnipräsente Kinderzimmerrosa anzetteln? Und damit Gefahr laufen, dass dieser unterdrückte Wunsch irgendwann wie ein verdrängtes Trauma machtvoll zurückkehrt?
Nichts Schlimmeres als diese Eltern, die sagen, ihr Kind habe ja mittlerweile auch eingesehen, wie scheußlich Rosa ist, gell, Melanie? Und Melanie steht bedröppelt daneben und nickt mit dem Kopf. Man würde dann als Eltern denselben Fehler machen wie die Feministinnen der Siebzigerjahre: Die US-Professorin Jo Paoletti behauptet in ihrem Buch Pink and Blue – Telling the Boys from the Girls, Rosa sei erst durch die Emanzipationsbewegung eindeutig weiblich besetzt worden. Gerade durch das vehemente Schimpfen auf alle Pinktöne hätte auch der Letzte die geschlechtliche Zuordnung verinnerlicht.
Vielleicht lässt man die rosa Periode also einfach über sich hinwegziehen und hofft darauf, dass sie sich im Laufe der Zeit schon auswachsen wird.
Übrigens: nichts gegen Rudolf Steiner. Der mit Abstand schönste Kinderspielzeugladen in München heißt »Kunst und Spiel«, er wird von Anthroposophen betrieben, liegt in Schwabing und ist ein Sammelpunkt für melancholische Eltern. Man kann dort Mütter wie Väter dabei beobachten, wie sie ihre fast schon schmerzlich sehnsüchtigen Blicke über all das vollwertige, schön verarbeitete Spielzeug gleiten lassen wie streichelnde Hände.
Sinnhaftigkeit! Poesie! Geist! All das strahlen diese Spielsachen aus. Doch irgendwann wenden sich die Eltern wieder ab, wohl wissend, dass ihre Kinder nie damit spielen werden, und kehren heim in die rosa Hölle.
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Alex Rühle, 41, hat im Zuge der Recherche von seiner Tochter gelernt, dass pink und rose nicht dasselbe sind: "Mei, Papa, rosa ist doch viel heller." Woraus er den Schluss zog, dass Prinzessin Lillifee eben doch einen pädagogischen Wert hat.
- Seite 1: Der Lillifee-Komplex
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14 Uhr 12
00 Uhr 11
Meines Erachtens spiegelt dieser Beitrag einzig das Erziehungsversagen des Autors wider. Wer es als Eltern schon nicht schafft, seiner 5-jährigen Tochter sowie Großeltern und Paten Grenzen des hemmungslosen Konsums und Schenken aufzuzeigen, der wird noch ganz andere Ansprüche zu spüren bekommen. Wahrscheinlich wird der Frust der Tochter groß sein, wenn zum 18ten Geburtstag das neue Golf-Cabriolet vor der Tür steht und dann NUR „schwarz“ und nicht in der Wunschfarbe „brilliant schwarz“ angeliefert wurde.
Ich kann an dem Produkt Lillifee nichts Verwerfliches finden. Die Heldinnen früher Mädchengenerationen hießen Diddl oder Sarah Kay. Auch diese waren charakterlos und völlig sinnentleert. Auch diese wurden damals schon mit perfektem Merchandising in die Kinderzimmer gepusht. Und trotzdem hatten die Mädchen Spaß daran. Na und? Kein Kind ist aus sich heraus fehlgeleitet, nur weil es so etwas toll findet.
Lillifee - und Captain Sharky als Pendant für Jungs - werden aber in erster Linie von ideenlosen Erwachsenen gekauft, die insgeheim ganz froh sind, dass ihnen jemand das Denken darüber abgenommen hat, was man seinem (Paten-, Enkel-)Kind schenken könnte. Daher gibt es dann auch so viele Non-Book-Produkte. Dass jemand mit dem Mangel an Kreativität und Einfühlungsvermögen anderer sein Geld verdient, verdient allenfalls Respekt und vielleicht sogar ein wenig Neid. Das moralische Versagen steht in diesem Fall vor und nicht hinter der Kasse.
22 Uhr 15
15 Uhr 33
Meine Tochter, Jahrgang 2000, gehörte zu der ersten Generation der Lillifee-Anhängern.
Heute kommt ihr nichts rosanes mehr ins Zimmer, alles mit Lillifee drauf wurde vor etwa 2 Jahren verschenkt.
Das es nach der "Alles rosa"-Phase besser wird, kann ich allerdings nicht versprechen...
08 Uhr 27
2 Strategien:
1. Wieso soll man das verbieten, man kann extreme Auswüchse auch dadurch vermeiden, indem man das nicht auch noch durch bereitwilliges Schenken unterstützt. In gewissen Maßen gibt es schädlicheres und die Kinder verfügen in der Regel nicht über genügend Geld um sich das alles zu kaufen.
2. Abwarten: Die rosa Phase geht eh vorbei, und dann mögen es die Mädchen gar nicht wenn man sie an diese erinnert....
Ansonsten viel zu viel Text um so ein rosa etwas.