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aus Heft 11/2010 Frauen Noch keine Kommentare

Die Frau meines Lebens - Tilda Swinton

Seite 2

Von Annika Reich  Foto: dpa; Christian Schneider


An dem Tag, an dem meine Großmutter starb und meine Mutter mir die Nachricht reglos verkündet hatte, traf ich Tilda Swinton das erste Mal. Ich war 19 und stand mitten auf einer Kreuzung in Madrid. Ohne meine Großmutter war ich allein in meiner Familie; die anderen waren anders, ganz anders. Ich stand da und weinte. Eine rothaarige Frau in einem gelben Mantel radelte an mir vorbei und angelte meinen Blick. Es traf mich wie ein Schlag. Sie bremste.

Ich formte mit den Lippen die Worte: »Sie ist tot.« Die Frau hielt meinen Blick, so wie meine Großmutter immer meinen Blick gehalten hatte. Sie war unglaublich schön. Wie konnte man nur gleichzeitig so eine Eleganz und so eine Widerspenstigkeit ausstrahlen? Zwei, drei, vier Minuten blieb sie stehen, bis ich mich umdrehen und weitergehen konnte – in ein Leben, in dem es meine Großmutter nicht mehr geben würde.
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Ein paar Wochen später ging ich ins Kino. Es lief Derek Jarmans Film Edward II. Die Hauptrolle spielte die rothaarige Frau auf dem Fahrrad. Es erstaunte mich nicht, ich war nur einfach unendlich froh, sie wiedergefunden zu haben. Dem Spanier mit den grauen Augen, der neben mir saß und mir die Hand unter die Bluse schob, erzählte ich es nicht.

Tilda Swinton hatte den Platz meiner Großmutter eingenommen. Sie hatte sich verwandelt, so wie Virginia Woolfs Orlando sich verwandelt hatte. Bis dahin war mir nicht klar gewesen, wie widerspenstig meine Großmutter gewesen war, wie schön. Ihre Nasen sind identisch.

Seitdem schaue ich jeden ihrer Filme, und mit jedem Film wird die Ähnlichkeit der beiden frappierender: die Art, wie sie ihre Lippen aufeinanderlegen, bevor sie etwas ganz und gar Unerwartetes sagen, das Mus-ter ihrer Falten auf der Stirn, ihr Mut, ihr Schillern, ihr Witz. Und jedes Mal, wenn Tilda direkt in die Kamera schaut, zwinkere ich meiner Großmutter zu. In Madrid begann ich zu schreiben. Und immer wenn ich nicht mehr weiterweiß, dann denke ich: dir entgegen.

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Annika Reich empfiehlt Omas Marmorkuchen
Tag und Nacht: 250 g
Butter, 250 g Zucker,
2 Päckchen Vanillezucker und
4 große Eier schaumig rühren.
Dann 500 g Mehl, 1 Päckchen Back-pulver und 3/8 l Milch dazugeben.
Zuletzt färben Sie die Hälfte des Teigs mit 2 EL Kakao, geben den hellen und dunklen Teig in die Backform und ziehen mit einer Gabel Spiralen. Bei 180 Grad
eine Stunde goldbraun backen.


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