aus Heft 13/2010 Tiere/Pflanzen 14 Kommentare
Die neuen Leiden des jungen B.
Er war der perfekte Mops: nicht zu klein, nicht zu groß, Kulleraugen, glänzendes Fell - nur leider überzüchtet. Mit fünf konnte Bruno nicht mehr laufen. Eine Geschichte über unser schwieriges Verhältnis zu unseren Tieren in Zeiten der Hochleistungsmedizin.
Von Kerstin Greiner Foto: Oliver Mark
Das war Bruno, ein süßer aber kranker Mops. Was man nicht sieht: Als das Foto gemacht wurde, konnte er sich schon kaum mehr bewegen.
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Am 15. August kann Bruno nicht mehr laufen. Vielleicht verträgt er die Hitze nicht, denkt Liana Daskalov, seine Besitzerin, vielleicht will er seine Pfoten nicht auf das heiße Kopfsteinpflaster setzen. Bruno ist ein Mops, liebenswürdig, aber manchmal verbohrt. Liana Daskalov bleibt an diesem Tag also nichts anderes übrig, als ihn zu tragen.
Doch auch am nächsten Tag, als es kühler ist, kommt Bruno nur mit Mühe die Treppe herunter. Er bleibt hocken, die Augen fragend auf seine Besitzerin gerichtet. Liana Daskalov ruft ihren Tierarzt an.
Und so beginnt die lange und traurige Geschichte von Liana Daskalov und ihrem Mops Bruno, in der es um schwer kranke Tiere gehen wird und wie wir mit ihnen umgehen, um die moderne Tiermedizin, um verantwortungslose Zucht und auch darum, dass es in Deutschland nicht nur einen Pflegenotstand für Menschen gibt, sondern auch einen für Tiere.
Liana Daskalov hievt ihren Hund auf den Untersuchungstisch von Uwe Lenk, der am Prenzlauer Berg in Berlin eine Tierarztpraxis betreibt. Zur Praxis gehört auch ein Rehabilitationszentrum, in dem Hunde auf Laufbändern hecheln oder über einen Trainingsparcours klettern. Der Arzt macht ein Blutbild und schickt Bruno zum Röntgen.
Mit den Röntgenbildern überbringt er schlechte Nachrichten: Bruno leidet unter Patellaluxationen an beiden Knien, Verlagerungen der Kniescheiben aus ihrer Gleitrinne im Oberschenkelknochen, außerdem diagnostiziert er Verknöcherungen an der Wirbelsäule, eine fehlgestellte Hüfte sowie eine beginnende Arthrose. Bruno ist fünf Jahre alt und schwer krank.
Der Arzt hat aber auch eine gute Nachricht: Dem Hund kann geholfen werden. Mit einer Operation. Erst ein Knie, dann, nach achtwöchiger Reha, das zweite. Nach einer weiteren Reha müsse man über eine Rücken- operation nachdenken; und schließlich käme auch eine künstliche Hüfte infrage. Liana Daskalov schluckt und drückt ihren Hund fest an sich. Sie ahnt nicht, wie sich ihr Leben von nun an ändern wird.
Vor zwanzig Jahren wäre ein Hund wie Bruno eingeschläfert worden, weil es keine Möglichkeit gab, ihm zu helfen. Seit etwa zehn Jahren aber sind bei Tieren fast alle Therapien möglich, die es auch für Menschen gibt: Bandscheibenoperationen, Strahlen- und Chemotherapie, künstliche Knie- und Hüftgelenke, Augenlinsen. »Die Tiermedizin ist fast so weit wie die Humanmedizin – nur beim Schlaganfall und bei Gehirnoperationen noch nicht«, sagt der Kleintierchirurg und Experte für Hightech-Veterinärmedizin Professor Martin Kramer von der Uni Gießen.
Überall in Deutschland sind tiermedizinische Großpraxen entstanden, die Magnetresonanz- und Computertomografie als Standard anbieten mit angeschlossenen Physio- und Verhaltenstherapiezentren. Auch der Umsatz der Medikamente für Haustiere hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht, er stieg auf 688 Millionen Euro. Es gibt Medikamente für diabetische Hunde und gegen Bluthochdruck bei Katzen; und manchmal kostet ein Medikament für den Hund mit dem gleichen Wirkstoff wie für den Menschen dreimal so viel.
Die neue Tiermedizin macht viele Menschen glücklich: In Fernsehsendungen über Tierarztpraxen und Tierkrankenhäuser sieht man am Ende immer zufriedene Tierbesitzer, die froh sind, alles medizinisch Mögliche für ihr Tier bezahlt zu haben, das sie wie ein Kind behandeln. Es heißt, dass ungefähr ein Drittel aller Hundebesitzer ihr Tier so behandeln wie Eltern ein Kind.
(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Knieoperation 650 Euro, Blutbild 60 Euro, je Röntgenaufnahme 40 Euro, Medikamente 200 Euro, Magnetresonanztherapie 500 Euro, Physiotherapie 35 Euro pro Stunde, Rücken-OP 1000 Euro, neue Hüftgelenke 1200 Euro, pro Seite. Ob man denn auch in Raten zahlen kann?, fragt Liana Daskalov. )
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03 Uhr 50
16 Uhr 56
Dennoch bleibt ein Tier ein Tier und es nützt weder ihm noch uns, wenn wir es zu sehr vermenschlichen. Ich liebe Tiere und gehe selbstverständlich auch mit meinen Kaninchen zum Tierarzt, wenn sie krank sind. Aber wenn wir nicht mitansehen können, wie todkranke Menschen leiden, sollten wir erst recht Tieren die Gnade gönnen, würdig zu sterben. Sie können sich nicht so wie wir verständlich machen, wenn sie unsäglich leiden. Und gerade weil sie uns oft wie ein Familienmitglied ans Herz wachsen, sollten wir ihnen mit Respekt begegnen. Ein bißchen gesunder Menschenverstand schadet auch hier nicht.
02 Uhr 25
@S.M.: Da habe ich keinen Pauschalweg und man braucht viel Zeit und Fingerspitzengefühl. Es geht nicht in erster Linie ums Geld. Im Mittelpunkt muss das Tier stehen und die Vermeidung von unnötigem Leiden. Diagnose(n), Prognose, Lebenserwartung, Leidensdruck, Lebenswille etc. müssen berücksichtigt werden, aber auch die Situation (nicht nur die finanzielle!) der Besitzer. Ein weiterer Behandlungsversuch darf entweder nicht mit Schmerzen verbunden sein oder mit hohen Aussichten auf einen dauerhaften Erfolg. Chemotherapien lehne ich grundsätzlich ab, begründe dies und verweise -wenn nötig- auf Kollegen. Zum Abzocken: Ab und zu kommt es sogar vor, dass ich ein moribundes Tier, das offensichtlich keine Schmerzen hat, wieder mit genauen Handlungsanweisungen und passenden Globuli nach Hause entlasse, damit es in seiner gewohnten Umgebung entschlafen kann- da verdiene ich zwar so gut wie gar nichts, habe aber äusserst dankbare Kunden. Manchmal verschiebe ich eine anstehende Euthanasie, bis die Besitzer selbst ihren Frieden gemacht haben. Wenn nötig, nehme ich mir auch die Zeit und komme zur Euthanasie ins Haus. Weitere Ausführungen würden diesen Rahmen wohl sprengen.
19 Uhr 47
Was Ihren Vorwurf "weltfremd" angeht: Tja, wer weiß schon alles über alle Länder. Was ich weiß, ist immerhin, daß Afrika kein Land, sondern ein Kontinent ist - und das weiß ich recht genau, weil ich hier wohne. In einem der relativ wohlhabenderen Länder Afrikas... aber sein "Reichtum" kann sich mit Deutschland nicht messen, und Armut, wie sie hier alltäglich ist, gibt es in Deutschland schlicht nicht. In anderen Ländern der Erde sieht's aber noch ganz anders aus, und ja, ich habe auch schon mit Menschen zu tun gehabt, die nicht immer genug Geld zum Essen hatten. Was an solchen Fakten soziale Gleichmacherei ist, weiß ich nicht. Erklären Sie's mir?
Und Ihre Sorge, Gelder kämen nicht an... schlechte Erfahrung gemacht? Das wäre eine üble Erfahrung, ja, denn von dem Geld hätten auch Sie sich bestimmt etwas Schönes leisten können!! Ich kann Ihnen bei Interesse aber gern ein paar Spendenadressen nennen, deren Gelder ankommen - sagen Sie Bescheid. Wenn Sie hingegen alle Spenden-Organisationen und Empfänger-Länder über einen Kamm scheren und glauben wollen, Gelder kämen niemals an - bedauerlich, aber selbst dann gibt es als Alternative Organisationen in Deutschland, einschließlich des Tierheims vor Ort. Oder Tierheime in Ländern wie USA oder Japan, wo Tiere nach kurzer Frist wegen Überbelegung meist eingeschläfert werden. Spenden können dort konkret helfen, Tiere vor dem Einschläfern zu bewahren.
Und worum's hier geht, ist wohl Ansichtssache. Meiner Meinung ging's im Artikel darum, ob es ethisch ist, in der Tiermedizin alles zu machen, was machbar ist. Meine Meinung dazu ist eben: Nein. Denn so viel Geld für ein einzelnes Tier auszugeben, während man anderen Tieren und sogar Menschen für den gleichen Betrag sehr viel mehr helfen könnte - das finde ich nicht ethisch. Das Sie es anders sehen, ist doch gut. Nur bitte ich Sie einzusehen, daß es eben eine Entscheidung ist. Die einem Tier zugutekommt mit Beträgen, die andernfalls anderswo "mehr" helfen könnten.
10 Uhr 03
@S.Müller: Was für einen Frust Sie hierherschieben, und hier Ihr "Besser einschläfern Schimmelpilz Gerede" verbreiten. Wer ist denn bitte die dritte Welt ??? Wohl etwas weltfremd, was ? Indien, Afrika, das sind Laender, die zum Umfallen reich sind. Wer initiiert denn die Armut die es gibt ? Soviele Menschen die fuer andere Spenden. Was passiert denn mit dem Geld ? Lassen wir das! Hier geht es um Bruno. Um den Fortschritt in der Tiermedizin. Selbstverstaendlich nutzt die Entwicklung in der Tiermedizin, auch dem Menschen und dem Tier.
Was waere wenn - interessiert nicht. Und mir geht diese Soziale Gleichmacherei auf den Nerv.
03 Uhr 21
02 Uhr 58
Wer ehrliche Gewissensbisse hat, sollte lieber das geliebte Tier einschläfern und (z.B.) die Hälfte des "gesparten" Geldes für ein konkretes "Dritt-Welt"-Projekt spenden. Oder für das Tierheim vor Ort. Damit ist der Ethik weit mehr geholfen. Und der Menschen-Psyche auch.
@Petra Schindler: Ich freue mich, daß Sie Ihren Hund lieben und daß er wieder gesund ist. Möge es ihm noch lange gut gehen!! Wenn er aber doch irgendwann teure Behandlungen brauchen sollte - dann überlegen Sie sich bitte ehrlich, wie vielen anderen Tieren (oder Menschen) Sie mit diesen Beträgen helfen könnten. Wenn Sie dann trotzdem lieber einem einzigen Tier helfen möchten - ist Ihre Entscheidung. Aber eine Entscheidung ist es: für das Wohlergehen eines Tieres und damit leider gegen das Wohlergehen vieler anderer Tiere und/oder Menschen. So hart ist leider die Wirklichkeit.
02 Uhr 14
00 Uhr 40
@B.V: So, TORTUR nennen Sie das. lieber spritze aufziehen und todesschuss setzen ?? nein , sorry. tieraerzte sind also selbstherrlich die sich der modernen entwicklung in der tiermedizin angeschlossen haben. in meiner tierklinik in cham, die hoechstmodern ausgestattet ist, hat man opmethoden entwickelt zusammen mit dem tierunispital in zuerich, die meilensteine gesetzt haben. wie in allen bereichen der medizin, gibt es fuer und wider. aber ich finde es toll das es das angebot gibt.
21 Uhr 25