Anzeige

aus Heft 20/2010 20 Jahre SZ-Magazin Noch keine Kommentare

Die schönsten Geschichten aus dem Jahr 2000

Seite 4






Foto: Anniken Haarind

2000: Anna Bågenholm lebt. Sie war schon mal tot, drei Stunden lang. Kein Puls, die geweiteten Pupillen einer Leiche, 13,7 Grad Körpertemperatur. Beim Skifahren war sie in einen gefrorenen Fluss gestürzt. 2010 ist sie wieder mit den Tourenskiern unterwegs, so oft sie kann.


Von Gabriela Herpell

Sie wohnt jetzt in Tromsø, einer kleinen Stadt, die noch 350 Kilometer weiter im Norden Norwegens liegt als Narvik, wo sie lebte, als der Unfall passierte. Anna Bågenholm liebt Schnee und Eis, die Kälte und das Skifahren so sehr, dass sie am liebsten das ganze Jahr über jeden Tag nach der Arbeit die Hänge hinabschwingen würde. »In Tromsø schneit es noch im Mai, man muss nur im Sommer für drei Monate mit dem Skifahren aussetzen«, sagt Anna am Telefon. Darum ist sie umgezogen. Außerdem arbeitet sie als Ärztin im Krankenhaus von Tromsø, dem Krankenhaus, in dem sie damals gerettet wurde.
Anzeige
Am 20. Mai 1999 war Anna unterwegs mit Freunden in den Bergen hinter Narvik, nur für den Nachmittag. Abends sollte sie eine Rede halten auf der Abschiedsfeier ihres Doktorvaters. Sie rasten über einen gefrorenen Bach, weil im Wald nicht mehr viel Schnee lag. Anna stürzte und brach ein. Torvind, der damals mit dabei war und heute ihr Lebensgefährte ist, lachte erst über das komische Bild. Doch Anna steckte kopfüber so fest im Eis, dass ihre Freunde sie nicht herausziehen konnten. Als sie sie endlich bergen konnten, hatte ihr Herz aufgehört zu schlagen – der Körper war auf unter 28 Grad abgekühlt.

Als sie auf dem OP-Tisch in Tromsø lag, maßen die Ärzte 13,7 Grad. Noch nie hat ein Mensch mit so niedriger Körpertempertur überlebt, »den Rekord halte ich bis heute«. Hypothermie heißt dieser Zustand, und die Ärzte haben eine Menge aus dem Fall Bågenholm gelernt: Annas Gehirn ging nicht kaputt, weil sie so dünn und das Wasser so kalt war. Nur die Nerven waren abgestorben. Ein Zittern in den Händen ist ihr geblieben, weshalb sie heute Radiologin ist und nicht Chirurgin.














Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Natalie Portman mit ihrem frühen Lolita-Image umging.

Kommentare

Name:
Kommentar: