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aus Heft 22/2010 Respekt

Respekt

Jonas Leppin (Interview) 

Interviews mit Menschen, die wir gutfinden. Diese Woche: Studentin Friederike Rass, die auf Erhöhung ihres Stipendiaten-Gelds verzichtet.



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Respekt, Frau Rass, Sie wollen auf eine Erhöhung Ihres Stipendiums um 220 Euro verzichten, weil Sie das für ungerecht halten.
Friederike Rass:
Ja. Ich wüsste schon, wofür ich das Geld ausgeben könnte, aber ganz ehrlich: Ich komme klar. Das Evangelische Studienwerk Villigst zahlt mir eine Begabtenförderung, außerdem unterstützen mich meine Eltern. 

Die werden sich bedanken.

Für meine Eltern ist das in Ordnung. Es geht aber in dieser Sache auch nicht nur um mich.  

Um wen sonst? Warum zieren Sie sich so, endlich will die Regierung doch in Bildung investieren.

Ich finde es ja richtig, viel Geld in Bildung zu stecken. Dass unser Büchergeld etwa nach über 30 Jahren aufgestockt wird, war längst fällig. Aber warum um 220 Euro? Diesen Betrag soll jeder Stipendiat erhalten, falls demnächst das »nationale Stipendienprogramm« im Bundesrat beschlossen wird. Beim Büchergeld wie beim Stipendienprogramm wird einfach nicht genug berücksichtigt, welche Studenten das Geld wirklich brauchen.

Sie haben deshalb eine Petition gestartet. Der FDP-Politiker Andreas Pinkwart bezeichnete Ihre Aktion als »beträchtliche Arroganz«.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Das neue Stipendienprogramm der Bundesregierung sieht zwar vor, dass gute Noten und individuelle Kriterien wie Verantwortungsbereitschaft oder Motivation darüber entscheiden, wer dieses Stipendium erhält. Ich fürchte aber, dass in der Realität nur noch nach Leistung gefördert wird. Über die Auswahl der Stipendiaten sollen nämlich die Unis entscheiden. Und die haben meiner Meinung nach weder die Zeit noch die Kapazitäten, um jeden einzelnen Bewerber individuell zu prüfen. Das heißt: Die Unis werden sich wohl einfach die Noten schicken lassen. Bildungsgerechtigkeit sieht anders aus.

Wie waren denn - von Pinkwart abgesehen - die Reaktionen auf Ihren Vorstoß?
Ich habe sowohl Lob als auch kritische Mails bekommen. Das Bildungsministerium hat uns geschrieben, dass sie es zwar nett finden, wenn wir als Petitionssteller auf Geld verzichten wollen. Wir sollten aber auch an die bedürftigen Stipendiaten denken. Nur: Wenn den Stipendiaten das Geld nicht reicht, ist ein vernünftig angepasstes Bafög das einzig Sinnvolle. Ein 220-Euro-Geschenk geht an den Problemen völlig vorbei. Friederike Rass, 25, studiert Theologie in Hamburg. Sie ist Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks e. V. Villigst und sitzt dort als Sprecherin im stipendiatischen Senat.
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