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aus Heft 22/2010 Grüne Themen/Ökologie

Der Prachtkerl

Eva Fischer  Foto: De Agostino/Getty

Unsere Kollegin ist auf einen echten Traum von Baum gestoßen - und hört nicht mehr auf zu schwärmen.

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Das ist er, der neue Baum in Eva Fischers Leben.


Den Satz »Mann, ist der schön« habe ich schon oft gesagt: vor langer Zeit bei Alain Delon, später bei Jude Law, bei einem Border Collie und natürlich bei einem Jaguar E-Type. Jetzt ist es wieder passiert. Auf einem Gutshof in Leiten in der Nähe von Dietramszell im bayerischen Voralpenland. Dort steht ein Baum - prächtig, stark, voll erblüht in einem tiefen Rosarot. Einen wie ihn habe ich noch nie gesehen, und im Gegensatz zu Alain Delon wollte ich ihn sofort haben. Bäume machen weniger Ärger als Filmstars. Die Gutsbesitzerin sagte mir, dies sei ein Himbeerapfelbaum.
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»Himbeerapfelbaum«, welcher Name könnte besser zum perfekten Baum passen? Fehlt nur, dass ein Paradiesvogel angeflogen kommt und sich auf einem Ast drapiert oder ein weißes Taubenpärchen ein Nest in seiner Krone baut. Danke. Dann muss ich ja nur noch im Garten ein Loch graben! Leider aber hatte keine einzige Baumschule in der Umgebung einen Himbeerapfelbaum. Schlimmer noch: Man hatte auch noch nie was von ihm gehört.

Gott sei Dank bin ich nicht mehr in dem Alter, eine unerfüllte Liebe einfach hinzunehmen. Ich habe also im Internet recherchiert: Der Baum wird auch Erdbeerapfelbaum, Edelkönig, Blutapfel, Brautapfel oder Rheinischer Krummstiefel genannt. Sein offizieller Name ist jedoch Roter Herbst-kalvill. Manche Quellen behaupten, dass er Anfang des 17. Jahrhunderts erstmalig in der französischen Auvergne gesehen wurde, andere, dass er ein 200 Jahre alter deutscher Apfelbaum ist. Mir egal. Die Äpfel sind tiefrot, haben auch ein rotes Fruchtfleisch und: Sie schmecken leider nicht besonders - außer als Gelee, Marmelade oder Saft.

Wer aber jemals einen Himbeerapfelbaum in voller Blüte gesehen hat, verzeiht ihm diesen Makel sofort. Rosen sind ja auch keine Delikatessen und stehen trotzdem in jedem Garten. Erfreulicherweise gibt es ja für alles Spezialisten, und ich habe in Niederbayern einen Fachhandel für alte Apfelsorten aufgetan. Es ist zwar völlig unromantisch, aber der Rote Herbstkalvill kam per Mailorder in meinen Garten. Im Moment sieht er noch etwas mickrig aus, und ich glaube nicht, dass er in diesem Jahr schon Früchte tragen wird. Aber mit einem Filmstar wäre eine Beziehung bestimmt auch nicht einfach gewesen. Eva Fischer

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