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aus Heft 30/2010 Deutschland 5 Kommentare

Den Osten kosten

Ein Drittel aller Westdeutschen war noch nie im Osten. Dabei gibt es da zauberhafte Alleen, grandiose Schlösser, riesige Seen. Wenn unsere Reisetipps Sie nicht locken, dann können Sie sich auch einmauern lassen.

Fotos: Manfred Paul

Thüringen, Mühlhausen



Das idyllische Städtchen Mühlhausen in Thüringen.

Ich bin eine von diesen Ignoranten: War noch nie in Thüringen. Nur durchgefahren auf dem Weg nach Berlin, das war alles. Kürzlich musste ich nach Mühlhausen; nicht ins Elsass, sondern nach Mühlhausen, Thüringen. Und schon in Sekunde eins, als ich von der Autobahn auf die Landstraße Richtung Gotha abbiege, bin ich Fan! Was für eine liebliche, hügelige Landschaft! Was für ein sanftes Licht, das sich in den Laubkronen bricht! Und warum haben sie diese tollen Alleen hier, ich dachte, die gibt es nur in Mecklenburg-Vorpommern (da war ich natürlich auch noch nicht)?

In Mühlhausen dann quartiere ich mich in einem x-beliebigen Hotel ein, schon da sind die Leute freundlich bis zur Aufdringlichkeit, man empfiehlt mir einen Rundgang durch die nahe Altstadt – ach so, haben die hier auch. Moment, was ist denn das für eine Altstadt? Nahezu vollständig umgeben von einer Stadtmauer, Gassen, die sich zu großen Plätzen öffnen, schiefe, putzige Fachwerkhäuser wechseln sich ab mit Bürgerhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, kaum Bausünden, fast alles renoviert, Straßen mit altem Kopfsteinpflaster, so uneben, dass man nicht mal Rad fahren könnte. Dazu elf Kirchen aus dem Mittelalter, in einer, Divi-Blasii, war Bach 1707 Organist. Hier könnte man sofort einen Film drehen, der in Prag 1780 spielt, ohne eine Satellitenantenne entfernen zu müssen. Aber eigentlich sollte ich schweigen und mich schämen.

Susanne Schneider
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Übernachten: Mirage Hotel, Karl-Marx-Str. 9, 99974 Mühlhausen, Tel. 03601/43 90, www.mirage-hotel.de. DZ ab 99 Euro.

Kommentare

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  • Andreas Klaua (0) Das die Westdeutschen nicht in den Osten Deutschlands kommen, kann ich so nicht bestätigen. Wir haben seit ca. einem Jahr eine Ferienwohnung in unserem Haus in der Oberlausitz eingerichtet (http://www.fewo-urlaub-lausitz.de) und unsere Gäste kommen überwiegend aus den Altbundesländern. Und aus gutem Grund kommen unsere Gäste auch immer wieder ins Schwärmen, wenn Sie uns dann am Abend von ihren Touren berichten, sei es ein Städtetrip in die 1000-jährige Stadt Bautzen oder die Lessingstadt Kamenz, eine Radtour durch das entstehende Lausitzer Seenland, ein Familienausflug in Deutschlands größten Saurierpark in Kleinwelka oder ein Spaziergang in den vom genialen Landschaftsarchitekten Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestalteten Landschaftsparks in Bad Muskau und Branitz. Seien Sie also sicher: Die Oberlausitz ist ebenso eine Reise wert wie viele andere Regionen im Osten und Westen Deutschlands und es kommen inzwischen nicht weniger "Wessis" in den Osten, als "Ossis" in den Westen. Und das ist auch gut so :)
  • Regina Bormann (1) Ein Drittel der Westdeutschen war noch nie in Ostdeutschland....Gegenfrage: wieviele Ostdeutsche waren noch nie in Westdeutschland? Haben noch nie die schönen "Ecken" im Westen - wie es früher genannt wurde - gesehen? Also, nicht dass Sie meinen, ich wüsste nicht,wovon ich rede .seit 1990 habe ich schon einige Urlaubszeit "drüben" verbracht ..und das Land liebgewonnen!
  • Henning Skibbe (0) "Die ältesten Bäume in Mecklenburg-Vorpommern sind 250 Jahre alt."
    Die Ivenacker Eichen (in MV) sind mit teils 1000 Jahren deutlich älter und zählen zu den ältesten Bäumen Deutschlands.
    http://www.wald-mv.de/style-a1/95-1000ja...
  • Nikolai Schulz (0) Kenne leider nur Kühlungsborn an der Ostsee, wunderschön, und meine verstorbene Mutter hatte entfernte Verwandte in Stollberg im Erzgebirge.

    Ich versuche seit knapp zwei Jahren Erzähler für das gemeinnützige, internationale Projekt Memoro - Die Bank der Erinnerungen e.V. , http://www.memoro.org/de zu finden, Habe in Berlin, Hamburg, Köln und meinem Wohnort München gefilmt. An die Menschen aus dem Osten komme ich irgendwie nicht heran, oder sie mögen sich nicht im Web outen? Schade, denn es wäre sicher wichtig und interessant.
  • Rainer Pick (0) Hallo, ich bin vielleicht nicht der typische Ossi und halte auch nichts davon, diese verbale Trennung zweier Hälften eines Ganzen zu zementieren. Das ein Drittel der Westdeutschen noch nicht in unserer Region waren ist jedoch eindeutig ihr Verlust. Hier, in Penkun, rund 20 km vor Stettin, treffen sich viele Radwege. Da treffe ich, bei meinen regelmäßigen Spaziergängen mit unserem "Zimmerlöwen",
    Sachsen, Bayern, Franken, Hessen sowie die anderen Bewohner Deutschlands und es entspinnen sich immer wieder interessante Gespräche. Auch das Internet macht diesen Gedankenaustausch möglich. Reisen in die schöne Natur und surfen im Internet bzw. kommunizieren, wird beide Hälften Deutschlands in der Zukunft vereinen, davon bin ich -trotz vieler unkluger Politikerdbeschlüsse-fest überzeugt.