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aus Heft 30/2010 Deutschland 12 Kommentare

Geschlossene Gesellschaft

Seite 4: Interessenpolitik - schimpft Klaus Schroeder über die Ostdeutschen. Seine Argumente gegen die Diskriminierungsthese.

Von Christoph Cadenbach und Bastian Obermayer  Foto und Illustration: cyan




Es ist letztlich fast beliebig, welche Zahlen über Ost und West man heranzieht, nahezu auf allen Gebieten stellt man fest, dass Ostdeutsche dort fehlen, wo es um Macht geht, wo oben ist, und da überdurchschnittlich vertreten sind, wo es eher um die nackte Existenz geht, eben dort, wo unten ist. Das lässt sich nicht leugnen, und es lässt sich auch nicht unter Verschluss halten. Die Ostdeutschen wissen ziemlich genau um ihre Lage, sie haben den Vergleich ja ständig vor Augen, im gleichen Land.

Genau hier setzt die Kritik von Klaus Schroeder, 60, an, Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität Berlin: »Die Ostdeutschen sollten sich nicht immer nur mit dem Westen vergleichen, sondern auch mit der DDR von 1989, oder mit der Slowakei, Polen oder anderen Ostblockstaaten.« Von den Löhnen bis zur Lebenserwartung habe es einen einmaligen Angleichungsprozess zwischen Ost und West gegeben, das dürfe man nicht immer runterreden.

Was Schroeder damit sagen will: Die Ostdeutschen sollen es nicht immer runterreden. Schroeder gibt in seinem Büro, einer kleinen Villa in Dahlem, ein wenig den Thilo Sarrazin des Ost-West-Dialogs: Er spricht aus, was andere seiner Meinung nach nur zu denken wagen. Zum Beispiel in Sachen Gabriela S., der »Minus-Ossi«-Frau: »Ich kann da keine Diskriminierung erkennen, in der Firma arbeiten doch Ostdeutsche, die derselbe Chef eingestellt hat. Und es muss ja wohl möglich sein, aus fachlichen Gründen Ostdeutschen genauso abzusagen wie Westdeutschen, Spaniern oder Türken – ohne dass gleich der Diskriminierungsbeauftragte alarmiert wird.«
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Außerdem sei es kein Wunder, dass nach der Wende kaum Ostdeutsche auf entscheidende Positionen gekommen wären, weil es in der DDR eben keine nennenswerte Gegenelite gegeben habe – nur SED-Kader. Im Übrigen hätten ehemalige SED-Leute den Osten vielerorts noch immer im Griff, aber das sei ein anderes Thema. Und dass die Ostdeutschen sich diskriminiert fühlen? »Das ist doch Interessenpolitik, viele jammern, weil sie sich davon etwas versprechen!« Überhaupt, manche Ostdeutsche hätten noch diese Ostmentalität von früher: dass keiner mehr haben dürfe als der andere.

Klaus Schroeder hat auf viele Fragen verblüffend einfache und schnelle Antworten. Nur bei einem Thema dauert es länger, bis er seine Position formuliert hat, über Helmut Kohls leere Versprechungen von den blühenden Landschaften hat er vielleicht noch nicht so oft gesprochen. »Das war wohl falsch«, sagt er, »damals hätte man sagen müssen: Die Einheit wird lange dauern und viel Geld kosten, aber das ist moralisch vertretbar, weil der Osten viel mehr gelitten hat in den vergangenen vierzig Jahren, und schuld an der Teilung sind wir selbst, wegen des von uns entfesselten Scheißkrieges.«

Stattdessen versprach Kohl 1990 ebenjene blühenden Landschaften und versicherte, die Kosten der Einheit könnten »aus der Portokasse« bezahlt werden. Die Wirkung dieser Sätze war und ist nicht mehr zurückzunehmen, und vielleicht haben sie noch mehr Schaden in den Köpfen angerichtet, als man glauben möchte. Weil einerseits die Westdeutschen bis heute nur unter Protest bezahlen, netto rund 1,6 Billionen Euro bisher, eine Zahl, die sich nebenbei bestens eignet, dem Osten Undank zu unterstellen. Und weil andererseits die Ostdeutschen sich bis heute verraten und verkauft fühlen: Sie verdienen noch immer weniger Geld für die gleiche Arbeit, haben weniger Erspartes, sind öfter arbeitslos und sie können für diese und all die anderen Nachteile niemanden konkret verantwortlich machen. Weil hinter ihrer andauernden Missachtung und Diskriminierung keine Strategie steckt, kein Feind, kein Gesicht. Sie können nur wütend sein auf die, die nichts oder zu wenig gegen ihre strukturelle Benachteiligung tun.

Wird sich das Problem einfach auswachsen? Wird es Geschichte werden, wie der »Minus-Ossi«-Lebenslauf von Gabriela S., der bereits als Exponat an ein Leipziger Museum geschickt wurde?

»Alle beruhigenden Noten zum Stand der deutschen Einheit verstellen den Blick auf eine Ost-West-Spaltung, die – vor allem wirtschaftlich – nicht kleiner, sondern wieder größer wird«, sagen Klaus Dörre und Michael Behr in Jena.
»Wir waren über vierzig Jahre getrennt und es wird etwa so viele Jahre dauern, bis wir die Nachwirkungen der Teilung überwunden haben und wieder wirklich beieinander sind«, sagt Klaus Schroeder in Berlin.

»Wenn wir nicht gezielt Ostdeutsche fördern, sodass sie auch in die Elitepositionen kommen, wird der Graben sich eher vertiefen«, sagt Raj Kollmorgen in Leipzig.
Ein wenig Linderung für die ostdeutsche Seele könnte der Ausgang des Berufungsprozesses bringen, den Gabriela S. und ihr Anwalt Wolfgang Nau gerade anstreben, die Begründung der Berufung ist schon geschrieben. Nau argumentiert, dass Ostdeutsche eben doch eine eigene Ethnie sind, er wird unterstützt von namhaften Ethnologen: Die vertreten die Position, dass die zeitgemäße Definition einer Ethnie sich maßgeblich an der Existenz eines »Wir-Gefühls« festmacht und auch daran, ob es eine Art anderer Seite, ein Gegenüber gibt, das die eigene Seite bedroht und von dem man sich abgrenzt.

Ossis hier – Wessis da. Wenn das Gericht ihrer Logik folgt, hieße das, dass Ostdeutsche nicht straffrei diskriminiert werden dürften. Und dass es eine weitere Ethnie gibt in Deutschland, die integriert werden muss.

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Alle Collagen dieser Ausgabe stammen von dem Ostberliner Grafikbüro Cyan, das mit seinen Arbeiten unter anderem in der ständigen Design-Sammlung des Museum of Modern Art in New York vertreten ist, große Einzelausstellungen in Tokio, Paris oder Moskau hatte und viele internationale Preise gewann. 1992 wurde cyan von Daniela Haufe und Detlef Fiedler gegründet, die schon zu DDR-Zeiten miteinander gearbeitet hatten und 1989 auch in der Bürgerbewegung »Neues Forum« aktiv waren. Beide hatten über zehn Jahre eine Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig inne. An diesem Heft waren neben Haufe und Fiedler auch ihre Mitarbeiter Tobias Steinert und Daniel Wiesmann beteiligt.

Kommentare

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Kommentar:

  • Olaf Baale (0) Ein Ost-Westdeutscher Dialog über unsere sowjetisch-amerikanische Vergangenheit hätte, kenntnisreich geführt, großen Unterhaltungswert. Ihr Westdeutschen habt den Amerikanern einiges zu danken, schließlich waren die Südhänge der Elbe schon mit Industriellenvillen bebaut, als die rheinischen Weinbauern mit ihren sauren Tropfen und permanentem Durchfall knapp über den Winter kamen. Und dann überließen euch die USA - auf dem Weg nach Moskau - auch noch einen Teil ihrer Beute. Die Wiedervereinigung ist gescheitert, die Pläne zum Bau einer McDonald-Filiale auf dem Roten Platz mussten begraben werden. Zumindest ist Deutschland seit dem 15. März 1991 souverän. Wann übernimmt dieses Land endlich Verantwortung?
  • Daniel Weise (0)
    Roland Brinkhoff (0) sagte:
    Seit etwas mehr als 20 Jahren zahlen wir "Wessis" den Soli-Beitrag, die Stadt, in deren Verwaltung ich arbeite, ist unter anderem hoch verschuldet, weil sie 20 Jahre lang Ausgleichsabgaben für den Aufbau Ost zu zahlen hatte, wenn ich in den neuen Bundesländern unterwegs bin, fahre ich auf neu gebauten oder bestens renovierten Straßen, während ich mir hier in NRW die Stoßdämpfer wegen mangelhaft reparierten Schlaglöchern demoliere.


    Vielen Dank für dieses musterartige Beispiel - die Autoren dieses Artikels werden sich in ihren Ausführungen (zurecht) bestätigt fühlen.
    Es ist leider diese bittere Polemik, welche Annäherungsversuche beider Seiten oftmals in ihrem Keim ersticken - dabei sei eben nur zu erwähnen, dass der "Soli" nicht nur von beiden Seiten gespeist wird, sondern zudem auch NICHT zweckgebunden ist; das bedeutet, dass sowohl strukturschwache Regionen in Westdeutschland ebenso davon subventioniert werden, wie auch gänzlich davon abweichende Angelegenheiten.

    Wer meint, dass die erwähnte Diskriminierung damit ende, dass Nach-Wende-Geborene mittlerweile im Berufsleben angekommen sind, dem möchte ich wiedersprechen.
    Ich selbst als 85er-Jahrgang habe während meiner Schulzeit in Westdeutschland ertragen müssen, wie Lehrer vor der gesamten Klasse in diesen Kanon eingestimmt haben und ich dabei mit Aussagen konfroniert wurde, welche niemals aus den Köpfen der Kinder entstammen konnten (Stichwort Solidaritätszuschlag), sondern vielmehr aus denen derer Eltern - das hat sich auch bis heute nicht geändert.
  • Gerhard Mühlhausen (1) Der Westen hat den Kalten Krieg - doch, doch, den gab es - gewonnen. Und seit wann besetzen denn die Sieger nach einem solchen Sieg nicht das Telegrafenamt, die Banken, die Medien,...? Und schreiben die Grundbücher um? Insofern hat der Westen alles richtig gemacht. Und ist nun, da die Führungspositionen besetzt sind, für die weitere Entwicklung seit zwanzig Jahren wesentlich verantwortlich.

    Die Beseitigung der ostdeutschen Eliten war offizielle Politik der Kohl-Regierung. Von vielen anderen aus eigenen Interessen tatkräftig unterstützt. Ein Schnäppchen namens DDR war auf dem Markt zu haben. Die Öffnung der Stasiakten und die umfangreiche Kenntnis westdeutscher Gesetzlichkeit, die dem Osten 1:1 übergeholfen wurde, waren dabei außerordentlich hilfreich.

    Der Westen als Gesellschaft, im Privaten gibt es ganz sicher vielfach andere Erfahrungen, hat bis heute nicht begriffen, mit wem er sich vereinigt hat. Und vermeidet es bis heute zu fragen und zuzuhören. Er kann es eben nicht. Es war und ist der große, wenn auch verständliche und leider zähe Irrtum des Westens zu glauben, die Einheit könnte mit Geld erkauft werden.

    Bevor nicht alle DDR-sozialisierten ausgestorben sind, wird es keine Deutsche Einheit geben. Ich vermute allerdings auch dann auf lange Zeit nicht. Die Verwerfungen sind einfach zu groß. Die Verweigerung, die Probleme wirklich zu erkennen, zu benennen und zu klären ebenso. Der Westen müßte über seinen "Schatten" springen. Dies ist nicht zu erwarten.
  • Susi Müller (0) Die Grundaussage "Hier ist etwas im Argen!" ist natürlich überfällig. Und damit die Fragen nach dem Warum.
    Aber dann sprechen/zitieren die Autoren unkritisch von Diskriminierung, obwohl - wie gegen Ende zugegen wird – die Statistiken nur ungerechte Unterschiede, aber eben nicht Diskriminierung (= beabsichtigt) zeigen. Diskriminierung dürfte es obendrein geben (wenn auch nicht so viel), und prompt wird zwischen den Zeilen erklärt, man brauche jetzt die Definition einer neuen Ethnie - denn wenn die Ostdeutschen keine Ethnie sind, wäre es wohl in Ordnung zu diskriminieren, ja?! Nein, die Wahrheit ist da wohl komplexer...

    Allein die Frage nach dem Warum - vielleicht die spannendste Frage wäre hier, ob es wirklich am *ostdeutschen* Hintergrund der Betroffenen liegt. Ob ja oder nein, das ist nicht gleich Diskriminierung. Der ostdeutsche Hintergrund *ist* z.B. noch enorm wichtig: Die Menschen, die heute Führungspositionen übernehmen, sind *alle* in Zeiten der Trennung aufgewachsen, also in völlig unterschiedlichen Kulturen! Daß es da Unterschiede gibt, wie sie sich später benehmen oder wie erfolgreich sie in einer westlich-kapitalistischen Kultur sind, kann da nicht überraschen. Z.B. wird viel Ehrgeiz, Karrierestreben (z.B.: früh anfangen, schon im Schulalter etc.!) usw. in der Familie oder allenfalls der Schule vermittelt. (Selbst Ostdeutsche hielten Wessis in Umfragen vor einigen Jahren z.B. für die härter arbeitende Bevölkerung... weiß nicht, ob sich’s geändert hat. Jedenfalls das Selbstbild: Wir arbeiten nicht so hart. Das erschwert’s!) Problematisch ist, daß auch die nächste Generation noch mit einem gewissen Mentalitätsunterschied – noch verstärkt durch inzwischen eingetretene wirtschaftliche Probleme im Osten – aufwachsen wird. Aber es kann auch positiv sein, etwa die Rolle der Frau. Ist’s Zufall, daß der erste weibliche Kanzler aus dem Osten stammt? Oder eben doch kultureller und Mentalitäts-Unterschied?

    Die große Frage ist aber: Ist das *alles* wirklich typisch Osten? Oder wenigstens hauptsächlich? Nein: Vieles liegt z.B. an Mentalität, Gesellschaftsschicht bzw. Karriere der Eltern, wie sie’s auch im Westen gibt. Auch wer im Westen Eltern hat, die nicht (westdeutsch-"kapitalistische") "Karriere" gemacht haben, hat's deutlich schwerer. Warum sollte das im Osten anders sein? Nur, weil dort leider fast 100% in diese Gruppe fallen??

    Generell erinnert die Frage stark an die zur Frauendiskriminierung (bei der übrigens auch keiner behauptet, Frauen müßten eine eigene Ethnie sein, um diskriminiert zu werden!): Wieviel vom Gehälterunterschied liegt an Männern, wieviel an den schlechter verdienenden Frauen (z.B. wenn deren Priorität nicht das Gehalt oder gar die Karriere ist), wieviel an der Gesellschaft? Oder eben mehr daran, aus welcher Bevölkerungsschicht jemand kommt? Dagegen darf ja leider ebenfalls diskriminiert werden: “Wenn jemand nicht wenigstens aus der Mittelschicht kommt, dann stelle ich ihn nicht” - das ist völlig legal in Deutschland... und gang und gäbe. Nicht, daß die Arbeitgeber sich das bewußt so ausgedacht haben... sondern weil die Mittel- und Oberschichtler eben allzu oft andere Mittel- und Oberschichtlern mehr mögen, für etwas geeigneter halten usw. ... und ja, weil manches eben tatsächlich (!) für Unterschichtler etwas schwerer ist (s.o. z.B. die im Jugendalter schon vermittelte Mentalität).

    Fazit: Man muß keine Ethnien definieren, um Handlungsbedarf festzustellen!
  • Josef Roedl (0) Was Soziologen, Wissenschaftler und auch die SZ-Journalisten in ihrer Recherche zu den Ost-West-Befindlichkeiten überhaupt nicht erwähnen ist m. E. der Hauptgrund für die großen Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: die Religiösität.
    Leider hat sich in 40 Jahren Kommunismus in der DDR auch der Atheismus dort tief in die Bevölkerung eingepflanzt und sie damit weitgehend zu Materialisten verkommen lassen.
    Sieht man gerade die führenden westlichen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg, so lässt sich eindeutig ableiten, dass es vor allem die heute viel gescholtene katholische Kirche war und ist, die zu den großen Wertetreibern unserer Gesellschaft gehört.
    Dass aus solchen Lebensläufen auch Spitzenkräfte in Wirtschaft, Kultur und Politik erwachsen ist die logische Konsequenz.
    Diesen Unterschied abzubauen, ist für Ostdeutschland vor allen anderen Kriterien die weitaus größte Herausforderung. Leider ist dort gegenwärtig aus Trotz, Neid oder was auch immer genau der entgegengesetzte Trend zu beobachten. Der Atheismus in Ostdeutschland wächst und wächst immer noch. Und so werden auch die Unterschiede zu Westdeutschland eher noch wachsen als schrumpfen.
  • Christoph Urban (0)
    Nikolai Schulz (0) sagte:
    Sorry, der Link funktionierte gerade nicht, vielleicht liegt es am Komma?

    Der südafrikanische Präsident hat kürzlich gesagt, man solle aufhören, der Apartheid immer die Schuld an allen südafrikanischen Übeln geben. Es sei an der Zeit, sich zu eigenen Verantwortung zu bekennen. In Deutschland ist man von einer solchen Einsicht bestimmt noch zwanzig Jahre entfernt und das mit gutem Grund:
    Der Elitenwechsel in Ostdeutschland diente lediglich dazu der zweiten und dritten Reihe der Westdeutschen eine unverdiente Chance zu geben (und hat nebenbei dem ostdeutschen Nachwuchs die Zukunft verbaut). Daran wird der Osten noch eine Weile leiden. Dieses Leiden ist nur ertraeglich mit ein bisschen Humor: http://www.wessi-komplex.de Viel Vergnügen!
  • Christoph Urban (0)
    Nikolai Schulz (0) sagte:
    Sorry, der Link funktionierte gerade nicht, vielleicht liegt es am Komma?

    Der südafrikanische Präsident hat kürzlich gesagt, man solle aufhören, der Apartheid immer die Schuld an allen südafrikanischen Übeln geben. Es sei an der Zeit, sich zu eigenen Verantwortung zu bekennen. In Deutschland ist man von einer solchen Einsicht bestimmt noch zwanzig Jahre entfernt und das mit gutem Grund:
    Der Elitenwechsel in Ostdeutschland diente lediglich dazu der zweiten und dritten Reihe der Westdeutschen eine unverdiente Chance zu geben (und hat nebenbei dem ostdeutschen Nachwuchs die Zukunft verbaut). Daran wird der Osten noch eine Weile leiden. Dieses Leiden ist nur ertraeglich mit ein bisschen Humor: www.wessi-komplex.de Viel Vergnügen!
  • Reinhard Ettel (0) Der Beitrag des Roland Brinkhoff bringt es genau auf den Punkt.
    Die "Wessis" zahlen den Soli für den Osten. Etwas anderes fällt dem "Wessi" dazu nicht ein. Es müßte sich aber langsam herumgesprochen haben, daß auch die "Ossis" zahlen.
    Und wenn man schon beim Thema zahlen ist, sollte man auch darauf hinweisen, daß die Gewinne von Firmen, soweit sie nicht plattgemacht wurden, selbstverständlich in den Westen zurückgeflossen sind, gnau dorthin, wo die Stammunternehmen sitzen.
    Zum Thema Straßen: Was da im Osten teilweise verbrochen worden ist, wäre auch einmal eine Reportage wert. Als Beispiel seien nur Straßen genannt, bei denen man auf das alte Kopfsteinpflaster einfach eine Schwarzdecke aufgebracht hat, die nach jedem Winter erneuert werden muß, weil sie partout nicht halten will. In jedem Frühjahr erlebe ich seit Jahren das gleiche Dilemma.
    Und wenn mir jetzt noch einer mit der Verschwendung öffentlicher Gelder im kommunalen Bereich im Osten kommt, muß er den Artikel noch einmal gründlich lesen. Auch dort wurden Führungspositionen zunächst von "Wessis" besetzt, die als Anerkennung für ihr Bemühen auch noch mit einer Buschprämie belohnt wurden. Und gerade in diesen kommunalen Bereichen waren nicht "SED-Kader", sondern Leute, die von den Bürgern anerkannt waren, präsent.
    Es ist schon ein Kuriosum, daß man einen politischen Kahlschlag so plump begründet. Unter den sog. SED-Kadern waren mit Sicherheit keine Massenmörder, so wie man sie in den Annalen von BND, Bundeswehr, Polizei, Justiz und anderen öffentlichen Bereichen der Bundesrepublik problemlos weiterbeschäftigt hat. Nur hat man darüber bis heute weitestgehend den Mantel des Schweigens gedeckt.
    Noch ein Wort zum Thema Kanzlerin: Sie war kein SED-Kader, hat es in der DDR aber trotzdem weiter gebracht als mancher von denen in seiner Laufbahn. Sie hatte, wie viele andere, eben genau rechtzeitig ihr Mäntelchen in den Wind gehängt.
    Was ich vermisse, wenn man schon eine Verteidigung für die Menschen im Osten versucht, wäre die Beleuchtung der Frage, weshalb die Akten der Stasi zu ihren Zuträgern aus der Bundesrepublik noch nicht offengelegt sind. Gelten hier auch unterschiedliche Gesetze?
  • Roland Brinkhoff (0) Ich will nichts rechtfertigen, die Geschichte mit dem "Ossi" auf dem Bewerbungsschreiben ist ein dicker Hund. Dass die deutsch-deutsche Mentalität so ist wie sie ist, kann ich aber auch verstehen. Seit etwas mehr als 20 Jahren zahlen wir "Wessis" den Soli-Beitrag, die Stadt, in deren Verwaltung ich arbeite, ist unter anderem hoch verschuldet, weil sie 20 Jahre lang Ausgleichsabgaben für den Aufbau Ost zu zahlen hatte, wenn ich in den neuen Bundesländern unterwegs bin, fahre ich auf neu gebauten oder bestens renovierten Straßen, während ich mir hier in NRW die Stoßdämpfer wegen mangelhaft reparierten Schlaglöchern demoliere. Und was gab es als Gegenleistung für all das??? Die Kanzlerin...!
  • Andy Mayer (0) es ist ein skandal...gejammert wird hier aber schon lange nicht mehr...es wird noch 10 jahre dauern, dann haben wir mehr oder weniger unser altes schulsystem hier im osten wieder etabliert und noch ein paar jahre später ziehen wir euch das fell um die ohren...je länger die diskreminierung dauert, desto schmerzhafter wird es später für euch sein...
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