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Neue Fotografie 02. August 2010 Noch keine Kommentare

Chinesische Schattenseiten

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Der Amerikaner Rian Dundon und seine Arbeiten über das andere China. In einem der entlegendsten Winkel des Landes hat er das Leben von Heroinsüchtigen und HIV-Patienten dokumentiert.

Von Wolfgang Luef (Interview) 

Name: Rian Dundon
Geboren:
1980, Portland Oregon, USA
Ausbildung: B.F.A. Photography and Imaging, New York University Tisch School of the Art
Website:
www.riandundon.com





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SZ-Magazin: Herr Dundon, Sie haben in der chinesischen Provinz Yunnan HIV-kranke und heroinabhängige Menschen fotografiert. Warum haben Sie sich diesem Thema gewidmet?
Ich habe damals an einem Projekt gearbeitet, in dem es um junge Menschen im chinesischen Hinterland ging. Ich habe versucht, gerade jene Aspekte der chinesischen Gesellschaft zu fotografieren, die von westlichen Journalisten kaum thematisiert werden. Die andere Seite des "Neuen Chinas", wenn man so will. Ich wusste, dass Heroinsucht und HIV in Yunnan verbreitete Probleme sind, aber es gab keine journalistischen Arbeiten über die betroffenen Menschen. Als ich aber in Kunming ankam, habe ich relativ schnell festgestellt: Die meisten Heroinsüchtigen gehören nicht zu Chinas Jugend. Sie sind um die 30 bis 40 Jahre alt, während die jungen Menschen eher in Richtung Partydrogen wie Ecstasy und Speed gehen. Die Beliebtheit von Heroin scheint in den Neunziger Jahren ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Sie haben das Thema dennoch fotografiert.
Ja, denn es ist ein Thema, das Gefahr läuft, völlig vergessen zu werden. Das Problem mit dieser Droge hat in Yunnan die Ausmaße einer Epidemie. Und Heroin spielt eine fürchterliche Rolle in der Ausbreitung von Aids.

Sie zeichnen ein eher dunkles Bild von China. Sind Sie von den Behörden in irgendeiner Weise in Ihrer Arbeit behindert worden?
Nein, in Yunnan hatte ich dieses Problem nicht. Man muss generell sehr vorsichtig und taktvoll vorgehen, wenn man in China journalistisch arbeiten möchte. Aber ich glaube, man kann durchaus ungestört sehr aufwändige Projekte machen, wenn der Ansatz passt. Denn es ist ja so: Keine meiner Arbeiten kritisiert die chinesische Regierung.

Woran arbeiten Sie gerade?
In Kürze stelle ich ein Projekt über städtebauliche Entwicklung und Alltag in den Vororten von Peking fertig. Danach gehe ich wieder in die USA, um dort meinen Master zu machen. Ich freue mich darauf, Inspiration für Arbeiten im sozio-ökonomischen Klima von Kalifornien zu finden.

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