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bedeckt München
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aus Heft 32/2010 Natur

Draußen wohnen

Seite 4: Harald Philippi

Johannes Waechter  Magnus Epple/bildmaschine.de; Moment/Agentur Focus

Für den Münchner Harald Philippi war der Wald ein Rückzugsort in einer dramatischen familiären Krise. Es kam heraus, dass der Großvater mehrere Frauen in der Familie missbraucht hatte, darunter auch Philippis Mutter. In der Verwandtschaft wollte niemand darüber reden, und als die Mutter in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, geriet Philippis Leben aus den Fugen. Er gab Job und Wohnung auf, verschenkte seinen Besitz und ging in den Wald. »Ich wollte mich mit meinen Problemen total auseinandersetzen«, sagt er. »Im Wald konnte ich alles am besten ordnen - allein und ohne von irgendjemandem gestört zu werden.«

Harald Philippi ist weder ein Eremit noch ein Naturbursche. Dennoch verbrachte er, ohne dass es jemand bemerkte, drei Jahre im Wald. Er führte ein Doppelleben: Tagsüber war er oft in der Stadt unterwegs, nachts fuhr er mit dem Auto zu Stellen im Umland, die er vorher ausgekundschaftet hatte. Um nicht erwischt zu werden, steuerte er seinen Wagen tief ins Gehölz und wechselte häufig den Schlafplatz. Nur einmal in all den Jahren klopfte morgens der Förster an die Scheibe. »Ich habe ihm erzählt, dass meine Freundin mich rausgeschmissen hat. Da hat er mich in Ruhe gelassen.«

Obwohl er eigentlich nicht gerade für Bäume und Sträucher schwärmt, hatte auch Harald Philippi im Wald Naturerlebnisse, die ihn begeisterten. Er erzählt von der Stille, die er in manchen Nächten erfahren hat, und vom Morgennebel auf den Seen, in denen er nach dem Aufstehen badete. Doch der Wald zeigte ihm auch seine andere Seite. »Da ist man komplett auf sich selbst zurückgeworfen«, sagt er. »Das muss man ertragen können.«
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Johannes Waechter

, 40, ging selbst mit 16 in den Wald. Drei Wochen verbrachte er in einer Forsthütte nahe dem Pfälzer Ort Elmstein, als Teilnehmer eines Jugendlagers. Mit rostigen Sicheln hackten die Jugendlichen riesige Farne um, die die Pflanzungen des Försters überwuch

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