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aus Heft 32/2010 Sommer

Draußen baden

Eva Menasse  Photocase

Unsere Autorin (eine Österreicherin) hat ein Leben lang von einem Häuschen am See geträumt. Jetzt hat sich ihr Traum erfüllt (ausgerechnet im Berliner Umland).

 

[plugin standalonebildergalerie Bild10="Start" Bild5="Eine Mücke möchte man sein am Großen Ostersee, so idyllisch liegt er hinter dem großen Bruder, dem Starnberger See, 50 Kilometer von München entfernt. Von Iffeldorf dauert eine gemütliche Wanderung zweieinhalb Stunden, wer lieber Fahrrad fährt, kann auch das tun, geländetauglich sollte das Rad allerdings sein." Bild2="Rund sechs Kilometer lang ist der Weg um den Hopfensee im Allgäu. Er ist ein Badesee mit sauberem Wasser, man geht durch ein Landschaftsschutzgebiet mit seltenen Pflanzen und Nistplätzen vieler Wasservögel, und auf halbem Weg gibt es eine Einkehrmöglichkeit, das 'Gasthaus Wiesbauer'." Bild8="Was ist besser als ein See? Richtig, drei Seen. Die Drei-Seen-Tour im Tannheimer Tal in Tirol startet mit einer Gondelfahrt auf das Neunerköpfle, geht dann den Saalfelder Höhenweg weiter über die 2069 Meter hoch gelegene Schochenspitze bis zur Landsberger Hütte. Mit Kaiserschmarrn vom Almwirt Bruno Friedl schafft man auch den Aufstieg auf die Lachenspitze. Eine anspruchsvolle Tour." Bild7="Zwei berühmte Badeseen, mehrere Wanderstrecken entlang prähistorischer Siedlungs- und Mauerreste in Südtirol, aber keine Gastronomie am Wegesrand. Für archäologieinteressierte Puristen." Bild3="Kurzweilige Kurzstrecke für Anfänger. Beginnt mit Bootsfahrt über den Königssee, endet am höchsten Wasserfall Deutschlands. Wer sich während der Überfahrt nach Salet langweilt, kann sich mit seinem sieben- fachen Echo unterhalten. Dann einfach dem Tosen des Wasserfalls folgen." Bild9="Auf König Ludwigs II. Spuren wandelt man von Krün aus hinauf auf die Fischbachalm zu den Soiernhäusern, die vom Bayernkönig einst als Jagdunterkünfte genutzt wurden. Im Kessel liegt - mal grün schimmernd, mal blau - der Soiernsee. Des Nachts ließ sich König Ludwig gern auf einem eigens für diesen Zweck gebauten Kahn über den See rudern. Die Tour ist nicht nur für königstreue Wanderer geeignet." Bild4="Hefemürbteig, Sahne, Zwiebeln und viel Käse -der Walser Käsfladen ist schon mal ein guter Grund, im österreichischen Vorarlberg von Schröcken aus über den Hochtannbergpass zu wandern. Auf 1675 Metern wartet nämlich der Käsfladen, im 'Berghotel' am Körbersee. Und wie nett: ein kinderwagentauglicher Wanderweg." Bild6="Der neu eröffnete Wasserfallsteig im Schwarzwald empfiehlt sich weni- ger zum Schwimmen als zum Wandern mit gelegentlichem Füßeabkühlen. Der elf Kilometer lange Pfad beginnt in Feldberg-Hebelhof und führt - teilweise recht abenteuerlich - vorbei an größeren und kleineren Wasser- fällen und Bächen. Die spektakulärsten sind der Fahler Wasserfall und der 97 Meter hohe Todtnauer Wasserfall."]

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Vor einigen Jahren haben wir ein Haus am See gekauft. Es ist ein hässliches, plumpes Häuschen an einem See, den niemand kennt. »An welchem See denn?«, fragen manchmal insistierend Berliner, die sich rühmen, alle bedeutenden und weniger bedeutenden Seen der weiteren Umgebung mindestens bis »Meck-Pomm« zu kennen, und die mit Ranglisten der Schönheit und Wasserqualität ebenso aufwarten können wie mit den letzten Geheimtipps in Sachen garantierter Gottverlassenheit. Aber an unserem See scheitern sie, »ach Mensch, das Urstromtal, da nennt sich ja jede Pfütze gleich See«.

Unsere schmale, aber langgestreckte Pfütze liegt so versteckt im Wald, dass es beim ersten Mal nicht reichte, sie auf einer Straßenkarte zu identifizieren. Wir mussten im Ort fragen und verfuhren uns trotzdem noch zweimal. In einem meiner Bücher gibt es eine Stelle, bei der die Menschen, die zu den Lesungen kommen, manchmal lachen. Die Protagonistin hat auch ein Haus am See, und wenn sie per E-Mail ihre Freunde einlädt, schreibt sie in der Wegbeschreibung: »Wenn ihr ganz sicher seid, falsch zu sein, dann seid ihr goldrichtig.« Ich habe zwar noch nie so eine E-Mail geschrieben oder diesen Satz zu einem meiner Freunde gesagt, trotzdem ist er gewissermaßen autobiografisch, denn ich muss ihn im Zusammenhang mit unserem Häuschen gedacht haben. Und das zeigt ganz nebenbei wieder einmal, um wie viel verschlungener die Wege zwischen Realität und Fiktion sind, als die Leute immer glauben.

Von frühester Kindheit an verbindet sich für mich das sommerliche Paradies mit Bildern von kühlen, grün umsäumten Seen. Nicht vom Meer, nein. Das Meer war ein Statussymbol, das man gesehen haben musste, da Österreich bekanntlich seit fast hundert Jahren ein Binnenstaat ist. Und »Binnenstaat« hörte sich für mich als Schulkind schon so an wie »Land zweiter Klasse«. Nie habe ich den Verlust der Monarchie so bedauert wie damals, als ich frisch von ihrer Existenz und Ausdehnung erfuhr. Trotzdem lernten wir das Meer bald kennen, unser verlorenes, das Adriatische Meer, denn alle österreichischen Eltern, die es sich irgendwie leisten konnten, reisten in den Siebzigerjahren mit ihren Kindern in stundenlangen Autofahrten an die Adria, nach Italien oder Jugoslawien. Diese Urlaube waren ein immens anstrengendes Dorado aus Hitze, Sand, Eis, Spaghetti und Sonnenbrand, schön, aber auch gleißend fremd.

Doch nur am See lernte man schon als Kind, dass ein Hauptbestandteil des Glücks gerade in seiner verdammt kurzen Verweildauer liegt. Dass man sich nach dem Glück vor allem sehnt und dass man es, wenn man es endlich hat, nie auskosten kann, genau wie einem im Hochsommer das Eis unaufschleckbar in der Hand zerrinnt.


Ein Beispiel: Vierzehn Tage Familienurlaub am Ossiacher See, davon die ersten zehn Tage verregnet, die Eltern haben sich wahrscheinlich angegiftet, meine Schwester und ich haben uns wahrscheinlich geärgert, gezwickt, geprügelt und konnten nur mit den damals üblichen Ohrfeigen auseinandergetrieben werden; manchmal, wenn der Regen angeblich »ein bisserl nachgelassen« hatte, wie meine sich zwischendurch in den Zweckoptimismus flüchtende Mutter sagte, mussten wir im Regenumhang in den tropfenden Wäldern Eierschwammerln oder Heidelbeeren suchen. Aber die meisten Details dieser Elendsperioden habe ich vergessen.

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Eva Menasse

, 40, kann eigentlich gar nicht richtig schwimmen: Sie war als Kind immer mit Flossen im Wasser, deshalb macht ihr linker Fuß noch heute unabgewöhnbare Flossenbewegungen. Am ehesten mag sie Rückenschwimmen, auch wenn sie dabei meist verträumt in den Himme

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