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aus Heft 41/2010 Frauen

Dein Reichtum komme

Seite 2: Erfülle die Erwartungen der Frauen, und du übertriffst die der Männer

Meike Winnemuth 

Dass das Geld in guten Händen ist, belegen viele Studien. Der 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Muhammad Yunus aus Bangladesch vergibt die Mikrokredite seiner Grameen Bank zu 97 Prozent an Frauen: Sie gingen verantwortungsvoller damit um, ihre Rückzahlquote sei signifikant höher. Frauen, bestätigt auch die auf Frauen spezialisierte Münchner Finanzberaterin Helma Sick, zocken weniger und sind langfristig erfolgreicher in Geldanlagen. »In 23 Jahren habe ich kaum verschuldete Frauen getroffen – höchstens dann, wenn sie Bürgschaften für ihre untüchtigen Männer übernommen hatten.« Müßig, darüber zu spekulieren, ob die Weltwirtschaftskrise ähnlich verheerend ausgefallen wäre, wenn es statt männlich dominierter Daddelhallen wie Lehman Brothers die Lehman Sisters gegeben hätte.

Doch Frauen verfügen nicht nur über zunehmend mehr Geld, sie geben es auch aus. Zu 80 Prozent, so wird geschätzt, entscheiden sie über die Familienanschaffungen, entweder allein oder als treibende Kraft. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Margarinesorte, die Mutti ihrer Familie auf den Frühstückstisch stellt, sondern längst auch um große Ausgaben. Frauen entscheiden zu 88 Prozent über Möbel, zu 84 Prozent über Elektrogeräte, sie bestimmen über das Urlaubsziel und den Hauskauf. Fast jedes dritte Auto auf deutschen Straßen hat einen weiblichen Halter, in den nächsten 20 Jahren wird sich laut einer Shell-Studie der Anteil auf 50 Prozent erhöhen.

Erstaunlicherweise ist die enorme Kaufkraft der Frauen bislang eher ignoriert oder mit fast beleidigenden Klischeelösungen bedient worden. Beliebteste Methode der Produktentwickler war jahrzehntelang »Shrink it and pink it«: Wenn es rosa und niedlich war, würden es die blöden Weiber schon kaufen. Was Frauen wollen, das war für viele Marketingexperten eher ein Witz, gerade mal gut genug für einen mittelmäßigen Mel-Gibson-Film. Erst seit wenigen Jahren nehmen die Ersten zur Kenntnis, wer eigentlich das Geld in der Hand hat.

»Die meisten Firmen verschlafen den Aufstieg der Frauen«, sagt Michael Silverstein, der letztes Jahr für die Boston Consulting Group eine Befragung von 12 000 Frauen in 22 Ländern ausgewertet hat. Ergebnis: miese Noten für Banken, Versicherungen, den Gesundheitssektor, für Auto- und Elektrobranche, die den weiblichen Markt einfach nicht ernst nehmen und damit fast fahrlässig ihre Wachstumschancen verspielen. Janet Riccio, die für den weltgrößten Werbekonzern Omnicom die Frauen-Unit G 23 gegründet hat, wird noch deutlicher: »Wir leben im Zeitalter der weiblichen Wirtschaft. Und die wird die Welt verändern: die Art, wie wir regiert werden, wie wir arbeiten, was wir kaufen. Wer sich darauf nicht einstellt, kann einpacken.«

Lange wurde hartnäckig an Frauen vorbeientwickelt. Die ersten Spracherkennungssysteme von Hotlines reagierten nicht auf weibliche Stimmlagen und mussten mit enormem Aufwand überarbeitet werden. Als 1980 nach 13-jähriger Forschung und 2500 Crashtests das erste Auto mit Airbag auf den Markt kam, wären die zierlicheren Frauen fast von dem mit Riesenwucht herausschnellenden Sack erstickt worden – wer hätte denn auch gedacht, dass sie Auto fahren? Gegenbeispiele gibt es natürlich auch. Bosch entwarf den handlichen Akkuschrauber »Ixo« speziell für den Frauenmarkt: Er ist mit acht Millionen verkauften Exemplaren inzwischen das erfolgreichste Elektrowerkzeug der Welt (und wird zur Hälfte von Männern gekauft). »Erfülle die Erwartungen der Frauen, und du übertriffst die der Männer«, lautet das neue Mantra der Produktentwickler. Michael Silverstein empfiehlt Unternehmen, 80 Prozent ihrer Forschungs- und Marketingausgaben dafür auszugeben, weibliche Bedürfnisse zu erkennen. »Wer die Frauen gewinnt, gewinnt die Schlacht.«

Und die Folge? Schöne neue Welt? Das wird man sehen. Bislang hat weibliche Finanzmacht für Kleinwagen, Bio-Abteilungen in Supermärkten und die Zunahme von Ökofonds gesorgt. Die Neue Zürcher Zeitung sieht das weibliche Geld sogar als Weltenretter: Dadurch »nimmt der Druck auf Unternehmen, sozial und ökologisch nachhaltig zu produzieren, ständig zu. Dieser Hebel ist wirkungsvoller als jener der Politik. Dank der neuen Wirtschaftsmacht Frau könnte die Welt von morgen eine bessere sein.« Zumindest eine, die wesentlich bullshitresistenter ist, glaubt Helma Sick. »Frauen lassen sich nicht so leicht was andrehen.« Und das wissen auch Männer zu schätzen: Sicks Frauenfinanzberatung hat inzwischen 30 Prozent männliche Kunden – von Frauen lernen heißt verdienen lernen.

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Meike Winnemuth

, 50, vermutet, dass die große Geldumschichtung erst noch kommt – wenn dank demografischer Entwicklung und Fachkräftemangel massiv um gut ausgebildete Frauen geworben wird. Plötzlich wird es sogar genügend Ganztagskindergärten geben...

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