DONNERSTAG, 28.3.
Ein schöner Tag. Die Hühner sitzen am Mühlbach, sonnen sich und pflegen ihr Gefieder. Nur Henni, Helga und Heide sind nicht mit dabei - sie hocken zu dritt in einem anderen Teil der Hühnerwiese. Sambraus weiß, warum: "Unsere drei haben eine Schicksalsgemeinschaft gebildet. Weil sie mit der Rangordnung nicht klarkommen, sind sie für die anderen ähnlich wie Parias, Kastenlose, Unberührbare."
Er erzählt von anderen Tierarten mit ähnlichen Verhaltensstörungen, Bullen zum Beispiel, die ihr ganzes Leben in einer Besamungsstation verbrachten: "Wenn man die in eine Herde Kühe und Kälber bringt, dann greifen meistens die kleinen Kälber an. Und was macht der Bulle: Er nimmt Reißaus und rennt dabei alle Zäune um, so ängstlich ist er. Dieses Angriff-Verteidung-Spiel will geübt sein, obwohl es angeboren ist. Wenn es nicht geübt wird, verkümmert es."
Der Bauer Löffl schlägt vor, die drei sollten auch üben, abends selbstständig in ihren Stall zu gehen; jeden Abend muss er sie einfangen und hineintragen. "Sie warten immer an derselben Stelle, am Zaun zwischen den Sträuchern. Ich komme dann mit einer Taschenlampe und sammle sie ein." Mit den anderen Hühnern auf Stangen zu schlafen ist den dreien auch nicht möglich: Sie können das Gleichgewicht nicht halten und müssen unten am Boden sitzen.
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Ganz deutlich sind jetzt schon die neuen Federkiele zu erkennen, die den Hühnern am Rücken und am Hals nachwachsen, obwohl Henni immer noch an den Köpfen der anderen herumpickt. Auf ihren Touren bleiben Henni und Heide dicht zusammen, nur Helga entfernt sich hin und wieder von den beiden, immer beschäftigt mit Picken und Gucken. Sobald sie bemerkt, wie weit sie von ihrer Gruppe entfernt ist, huscht sie aufgeregt zurück. "Sie scheint ihre eigene Courage zu überschätzen", sagt Sambraus. "Aber es ist gut, dass sie diese kleinen Ausflüge wagt. Nur so ist es später möglich, Kontakt zu den anderen aufzunehmen. Wenn das so weitergeht, haben unsere Hühner gute Chancen."
MONTAG, 8.4.
Ein großer Durchbruch: Heute sind die Hühner bei Sonnenuntergang zum ersten Mal allein in ihren Hühnerwagen getappst. Die Löffls sind begeistert.
DONNERSTAG, 11.4.
Henni, Helga und Heide sind im Hühnerwagen und picken am Futtertrog. Mit ihnen sind zwei Hennen im Wagen, zwei andere sitzen in ihren Nestern und legen Eier. "Aha, es scheint, dass die Scheu schon ein wenig gefallen ist", sagt Sambraus. Als eine der anderen Hennen zum Futtertrog will, stieben die drei davon. "Aber sie bleiben immer noch eng zu dritt zusammen, obwohl sie sich deutlich freier bewegen."
Henni, Helga und Heide ziehen über das Gelände und treffen dabei immer wieder auf die Hühnerschar: "Sehen Sie, sie nutzen das ganze Gelände aus und kommen den anderen sehr nahe. Das ist zweifellos die Vorstufe zur Sozialisation, denn vorher haben sie ja großen Abstand gehalten." Als Helga etwas auf dem Boden sieht, scharrt sie zaghaft danach. Sambraus freut sich und sagt, dass sich wohl auch das Verhalten langsam normalisiere: "Wir werden sehen, welche Ticks sie noch beibehalten." Als ob sie diesen Satz gehört hätte, zupft Henni bei Heide einige Federn vom Kopf.
Sambraus fängt Helga ein, um zu testen, ob sie auch schon auf einer Stange sitzen kann. Er hält das Huhn über die Holzstange und wartet, ob es mit den Krallen zugreift. Vergeblich. "Seltsam, eigentlich ist dieses Greifen angeboren. Aber die will oder kann nicht." Aber Henni kann. Allerdings erst nach einigen erfolglosen Versuchen. "Greif zu!", ruft Sambraus, aber Henni folgt nicht, greift mal nur mit einem Zeh, dann wieder gar nicht. Irgendwann umschließen ihre Zehen vorsichtig die Stange. Langsam lässt Sambraus das Huhn nieder, wacklig versucht es, das Gleichgewicht zu halten - und sitzt. Henni genießt erkennbar überrascht ihre neue Position. Ein, zwei Minuten, dann fällt sie nach vorn und plumpst auf den Boden. "Das muss sie wohl noch üben", sagt Sambraus und lacht. Henni rennt schnell zu den anderen nach draußen.
Sambraus sieht den Hühnern zu, wie sie mit ihrem seltsamen Schritt, den viel zu hoch gezogenen Beinen, im Gras waten. "Sie müssen noch viel lernen. Das braucht Zeit. Ganz ist die Resozialisierung noch nicht geglückt. Aber sie sind auf dem besten Weg dahin."
Und wir werden sie begleiten.
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Lesen Sie hier unsere – zugegeben etwas traurigere – Geschichte über Masthühner.
- Seite 1: Endlich frei
- Seite 2: Die Hühner zeigten deutliche Verhaltensstörungen
- Seite 3: Die Schicksalsgemeinschaft
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CUS




22 Uhr 39
Hab ich was verpasst oder gabs dann doch keine Begleitung mit anschließendem Kurzbericht?
09 Uhr 34
Wir haben auch mal zwei Batteriehennen adoptiert, die haben sich prima eingelebt, allerdings hatte man ihnen die Schnabelspitzen stumpf geglüht, damit sie sich nicht gegenseitig picken. Unfassbar.
16 Uhr 09
Gezüchtet zum legen gaaanz vieler Eier, sind die Hybridhennen zur ständigen "Baustoffaufnahme" gezwungen. In den Legebatterien ist die Aufnahme durch das nahe Angebot des Legemehls gewährleistet.
In der Freilandhaltung entfernen sich die Hennen vom Stall, picken Gras, nehmen Sand auf, fressen dadurch weniger und kommen so langsam in einen Zustand der Unterernährung.
Wenn die Hennen nach der Legezeit geschlachtet werden, kann man den Unterschied zum normalen Rassegeflügel (gekauft beim Hobbyzüchter) gut erkennen.
Die verzögerte Mauser läst die armen Hühner auch mit weniger Federn (Wärmeverlust) durch die Landschaft laufen.
Mein Tipp an die Hobbyhalter: kauft die Legehennen beim Hobbyzüchter, verzichtet auf ein paar Eier, es macht mehr Spaß und die Hühnersuppe schmeckt auch besser.
14 Uhr 59
22 Uhr 35