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aus Heft 38/2007 Tiere/Pflanzen Noch keine Kommentare

Die dunkle Seite der Macht

Manchmal hilft im Kampf gegen Politiker nur eine Lobby: bedrohte Tiere. Von Claus-peter Lieckfeld 



Eine Brücke, die es noch gar nicht gibt, die sogenannte Waldschlößchenbrücke in Dresden, spaltete die Stadt und ihre Bewohner in zwei Teile: Die einen waren dafür, weil so eine Verbindung über das Elbtal endlich die Neustadt entlasten und den Verkehr entstauen würde. Die anderen dagegen, weil die 635 Meter lange »Monsterbrücke« das Flussufer-Panorama der Stadt zerschneiden und zerstören würde.

Es waren die Kritiker, die ganz Kulturdeutschland und die UNESCO auf ihrer Seite hatten: Die nämlich drohte der Stadt, den erst 2004 verliehenen Titel »Kulturerbe der Menschheit« wieder zu kassieren, wenn der optische Strich durchs Weichbild der Stadt Wirklichkeit würde. Die Dresdner entschieden sich dennoch für die Brücke. Lieber weniger im Stau stehen als Weltkulturerbe sein, mögen sie sich gedacht haben. Dass daraus vorerst nichts werden wird, hängt mit 650 Kleinen Hufeisennasen zusammen, höchst seltenen und bedrohten Fledermäusen, neun Gramm schwer, die den Eingriff nicht überleben würden. Erstaunlich, aber was die Drohung der UNESCO nicht vermocht hatte, schaffte vorerst die Fledermaus: Das Verwaltungsgericht Dresden folgte dem Eilantrag mehrerer Naturschutzverbände und stoppte die Bauvorbereitungen.
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Nun hätte der Seltenheitswert der Hufeisennasen allein sicher nicht gereicht, um ein so gigantisches Projekt gleich nach dem Start auszubremsen. Was also macht die Hufeisennase so gefährlich, so delikat? Sie genießt EU-Schutz. In der sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-R) haben sich die EU-Staaten verpflichtet, europaweit vom Aussterben bedrohte Geschöpfe (fast) bedingungslos streng zu schützen. Missachtung kann teuer und peinlich werden. Ein anderes in Baubehörden gefürchtetes FFH-Tier ist neben Hirschkäfer, Wachtelkönig und Kammmolch der Feldhamster. Zwischen 1998 und 2005 gab es 24 Mal Hamsteralarm in Deutschland: kurzzeitig gestoppter Bau der A71 bei Erfurt; verzögerter Umgehungsstraßenbau bei Mainz; ein geplantes Ikea-Zentrallager in Seligenstadt wurde verlagert. Das Tierchen bekam Täterprofil. Braunschweig, dessen Baugebiet Lamme von dem Nager platzbesetzt war, entwi-ckelte sogar ein Hamsterschutzkonzept.

Nach Beobachtungen der Naturschützer waren es auffällig häufig FDP-Politiker, die das Tier zum Jobkiller hochstilisierten, obwohl bisher »kein Gewerbe- oder Neubaugebiet in Deutschland am Feldhamster gescheitert ist«, so Claus Mayr vom Naturschutzbund Deutschland. Aber vielleicht braucht eine kleine Partei immer mal wieder noch kleinere Gegner, um größer rauszukommen?
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