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aus Heft 40/2007 Design & Wohnen Noch keine Kommentare

Sommerhaus, sehr viel später

Ökologisches Wohnen muss nicht automatisch nach Holzhütte aussehen. Drei Architekten planen jetzt ein Gebäude, das Luxus und Umweltbewusstsein verbindet. Von Rainer Stadler 



Die Namen Elizabeth Diller und Richard Scofidio Hand stehen für fortschrittliche und extravagante Architektur, die auch die Massen zu begeistern vermag. Vor fünf Jahren installierten die New Yorker Architekten ein Stahlgerüst auf dem Neuenburgersee, das von einer künstlich erzeugten Dampfwolke verhüllt wurde – das »Blur Building« war die Besucherattraktion der Schweizer Expo 2002. Voriges Jahr öffnete in Boston ein Kunstmuseum am Hafen, nach einem Entwurf der beiden Architekten – sofort hieß es, die Stadt habe ein neues Wahrzeichen. Die New York Times nennt Diller und Scofidio, die seit drei Jahrzehnten miteinander verheiratet sind, das »intelligenteste Architektenteam der ganzen Stadt«.

Nun haben die beiden ein Wohnhaus entworfen, das nicht nur sehr luxuriös aussieht, sondern auch mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Es existiert zwar bisher nur als Studie, aber die Botschaft steht schon fest: Bewohner von Ökohäusern müssen keinesfalls auf Lebensqualität verzichten.
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Der Genuss ohne Reue findet auf zwei Etagen statt. Dabei entspricht die erste Ebene eher nicht den Vorstellungen des durchschnittlichen Häuslebauers: Sie hat keine Außenwände. Dennoch kann der Bewohner auch hier essen, arbeiten, duschen oder ausspannen. Wenn das Wetter den Aufenthalt im Freien verhindert, bleibt immer noch die geschützte, aber kaum weniger transparente zweite Etage. Wie sehr Diller, Scofidio und ihr Büropartner Charles Renfro bei ihrem Projekt auf Effizienz bedacht waren, zeigt etwa das Fitnesslaufband: Die beim Sport erzeugte Energie wird in Strom umgewandelt und in einer Batterie gespeichert. Auch wenn das Haus teilweise sehr futuristisch wirkt, basiert es weitgehend auf bereits existierender Technologie, sagen die Architekten.

In dem Entwurf lehnt sich das Haus an einen Berg oberhalb einer Großstadt im warmen Südwesten der USA. Die Lage spielt natürlich eine entscheidende Rolle für die Energiebilanz. In Europa müsste das Ökohaus der amerikanischen Stararchitekten wohl eher in Süd-italien oder Spanien stehen als in Kiel oder Bottrop. Das heißt jedoch nicht, dass es aus deutscher Sicht irrelevant wäre. In den heißen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre haben wir schließlich gelernt, dass die Wüste näher rückt. Außerdem könnte sich die hiesige Architektenzunft inspiriert fühlen, dem Thema »ökologisches Bauen« mehr Kreativität und Enthusiasmus zu schenken als bisher und dieses zukunftsträchtige Feld nicht länger idealistischen Ingenieuren und Bürgerinitiativen zu überlassen. 

(Foto: Studie der amerikanischen Stararchitekten Diller Scofidio + Renfro. Sie verdeutlicht eindrucksvoll, dass man, umgeben von Solarzellen, Wärmepumpe und Regenwasserzisterne, auch äußerst stilvoll leben kann.)

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