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München/Lokales 15. September 2011 3 Kommentare

»Eine kleine Obsession von mir«

Seit 1955 geht der Münchner Zahnarzt Victor Mangold fast jedes Jahr zum Foto-Schießstand auf dem Oktoberfest. Die Bilder dokumentieren sein ganzes Leben – und zeigen, wie sich die Wiesn verändert hat.

Von Johannes Waechter (Interview) 

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Herr Mangold, Ihr Fotoalbum reicht zurück ins Jahr 1955. War das Ihr erster Besuch auf dem Oktoberfest?

Dr. Victor Mangold: Nein, zum ersten Mal war ich 1948 oder 1949 auf der Wiesn, zusammen mit meiner Großmutter. Die hat großzügig etwas zugeschossen, wenn ich Karussell fahren wollte. Ich bin Jahrgang 1940, damals war ich also acht oder neun.

Sie sind in München aufgewachsen?
Ja, im Gärtnerplatzviertel. Da hatten wir es natürlich nicht so weit bis bis zur Wiesn. Meine Eltern hatten die Tradition, dass sie immer einen Abendspaziergang übers Gelände gemacht haben, und auch ich bin seitdem jedes Jahr da gewesen.

Ihr Album lässt den Schluss zu, dass Sie ein recht guter Schütze sind.
Schießen war ein billiger Sport. Mein Vater hatte ein Luftgewehr, sonntags haben wir im Wartezimmer seiner Zahnarztpraxis in der Klenzestraße ein Brett aufgestellt, an das wir eine Scheibe gehängt haben. So habe ich Schießen gelernt. Bis heute schieße ich stehend freihändig.

Beim ersten Foto in Ihrem Album waren Sie 15 Jahre alt ...
... und neben mir stehen meine Eltern. Damals war es noch ungewöhnlich, dass man am Stand gleich ein Foto erhielt, eine technologische Besonderheit. Man bekam eine Nummer und konnte zwanzig Minuten später das fertige Bild abholen. Da saß wohl hinten einer in der Dunkelkammer und hat die Fotos entwickelt. Die Qualität ist deshalb auch viel besser als bei den Polaroids, die man später bekam.

Wenn man das Album anschaut, blättert man im Schnelldurchlauf durch ihr Leben.
Ja, anfangs sind noch die Eltern drauf. Dann gibt es Fotos von mir als Student der Zahnmedizin, wie mein Vater bin ich Zahnarzt geworden. 1967 ist zum ersten Mal meine spätere Frau auf einem Schießfoto, später dann unsere Söhne.
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Ihre ehemalige Frau sieht teilweise ein bisschen gelangweilt aus.
»Musst du schon wieder schießen?«, hieß es dann. Das liegt auch daran, dass es in der Regel ein paar Schuss dauert, bis das Foto ausgelöst wird. Meine jetzige Frau Dorit ist eine sehr zögerliche Wiesn-Besucherin. Aber das Schießfoto ist eine kleine Obsession von mir, ohne so ein Foto kann ich mir den Wiesn-Besuch nicht recht vorstellen.

Und danach geht’s ins Zelt?
Bloß nicht – ich hasse die Zelte! Der Radau dort ist doch nur ab zwei Mass aufwärts zu ertragen. Auch dieses Trachtengetümele, das man seit ein paar Jahren sieht, mag ich nicht besonders. Sonntag vormittag bei Sonnenschein im Biergarten eine halbe Ente essen – das ist für mich der perfekte Wiesn-Besuch.

Kommentare

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  • Rüdiger Hahn (0) Lieber Herr Dr. Mangold,
    darf ich Sie auch zu diesem Thema interviewen??
    Es wäre mir ein Vergnügen, einen Bericht über Ihr "Hobby" auf unserer Internetseite zu schreiben.

    Die Seite möchte ich hier nicht nennen, damit nicht der Eindruck von Schleichwerbung entsteht. Die Zielgruppe ist allerdings sehr zutreffend und an solchen Themen interessiert.

    Bei Interesse erreichen Sie mich via Email unter ruhahn [at] yahoo punkt de

    Mit besten Grüßen
    Rüdiger Hahn
  • Dominik Seitz (0) Da hat sich ja ein Foto vom Frühlingsfest 1981 eingschlichen ;-)
  • victor Dr. Mangold (0) Wäre eine schöne Fotostrecke geworden wenn nicht einer meiner Söhne seine Privatsphäre gestört gefühlt hätte und 10 Jahre löschen lies. Schade!