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aus Heft 38/2011 Außenpolitik

Der Fluch

Christoph Cadenbach  Fotos: Graham Crouch

Dass in diesem indischen Tempel gerade ein milliardenschwerer Schatz gefunden wurde, lief weltweit in den Nachrichten. Kurz darauf starb der erste Entdecker. In Indien glauben viele, das sei erst der Anfang des Unheils: Bis heute traut sich niemand, die letzte der sechs Schatzkammern zu öffnen.

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Als der Anwalt Sundara Rajan am 17. Juli 2011 auf dem Weg zur Toilette seines Hauses tot zusammenbricht, sind sich viele sicher: Er kann keines natürlichen Todes gestorben sein. Zu viele Feinde hat er sich in den vergangenen Monaten gemacht, sagen die einen. Die Götter hat er erzürnt, die anderen.

Denn der Anwalt hat einen Schatz entdeckt, in einem Tempel an der Südspitze Indiens: den wertvollsten Schatz, der jemals gefunden wurde.

Sein Neffe bekommt auch sieben Wochen später, Anfang September, noch große Augen, wenn er darüber spricht: »Wir sind in die Keller hinabgestiegen. Von einem der Räume zweigten sechs Kammern ab. Sie waren mit eisernen Türen verschlossen. Um sie zu öffnen, mussten wir einen kleinen Stein mit drei weißen Streifen zur Seite schieben, der vor jeder Tür auf dem Boden angebracht war.« Dahinter fanden sie Kisten voll Gold, Silber und Diamanten: 2000 Jahre alte römische Münzen, venezianische Dukaten, Goldstücke portugiesischer Prägung und manche mit dem Konterfei Napoleons darauf. Goldene Götterstatuen, groß wie Kinder und mit Rubinen und Smaragden besetzt. Goldkronen, Goldketten, sogar ein paar goldene Kokosnüsse. Und eine Kammer ist noch nicht einmal geöffnet worden.

»Mein Onkel hatte vermutet, dass in den Kellern etwas Wertvolles liegt«, sagt der Neffe, »und er hatte befürchtet, dass die neuen Verwalter des Tempels diesen Schatz stehlen.« Also setzte der Anwalt vor Gericht eine Inventur des Hindu-Tempels durch. Und damit begannen die Probleme.

Denn Politiker und Gelehrte diskutieren jetzt, was mit dem Gold geschehen soll, das seit mehr als 130 Jahren in der Dunkelheit lag, wo es herkommt, und wem es überhaupt gehört. Gott Padmanabha, dem der Tempel geweiht ist? Dem Staat Kerala, in dem er steht? Dem indischen Volk?

Es gab schon Demonstrationen, sogar Anschläge. Der Schatz spaltet die Menschen: in Hindus und Realos, in Traditionsbewahrer und Fortschrittsdenker. Einige drängen, das Gold zu Geld zu machen und damit Universitäten zu bauen oder eine U-Bahn. Andere verlangen, dass nicht eine Goldmünze die Keller verlässt, weil es Opfergaben an die Götter sind. Es wird gedroht und übernatürlicher Zorn beschworen, die Situation ist neun Wochen nach dem Fund komplizierter denn je.

Um den Überblick zu behalten, nähert man sich dem Tempel am besten von Osten her. Aus der Ferne wirkt er wie eine große Sandburg, die ein Gott vom Himmel aus mitten in die Stadt gebaut hat. Strahlend gelb erhebt er sich über die schmutzigen Nachbargebäude. Rechts vom Tempel liegt ein Wasserbassin, fußballfeldgroß, currytrüb, in dem sich morgens die Priester waschen. An der Straße, die direkt zum Haupttor führt, parken Reisebusse, die Menschen kommen jetzt aus dem ganzen Land.
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Bis die Nachricht vom Schatz Ende Juni um die Welt schoss, galt Thiruvananthapuram, die Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Kerala, als verschlafen und langweilig. Inder aus dem Norden blickten immer etwas abfällig in Richtung Süden. »Mallus« nennen sie die Menschen in Kerala, das ist etwa so nett wie »Ossis« und meint, dass die dort unten behäbig sind und viel zu oft die Kommunisten an die Macht wählen. Ausländer kamen nur hierher, um an den nahe gelegenen Stränden unter tropischer Sonne den europäischen Winter hinter sich zu lassen. Jetzt ist die Stadt mit dem komplizierten Namen plötzlich Heimat des reichsten Gotteshauses der Welt.

In den indischen Medien hat man sich auf die Summe von einer Billion Rupien geeinigt, das sind etwa 15,5 Milliarden Euro, mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Bolivien, mehr als das Vermögen des Vatikans, das auf maximal zwölf Milliarden Euro geschätzt wird. Und das ist nur der Materialwert des Schatzes, wenn man alles einschmelzen und auf dem Weltmarkt verkaufen würde. In den zwei Monaten, seit die Kammern geöffnet worden sind, stieg der Goldpreis pro Feinunze von 1500 auf 1900 Dollar.

Kaum zu berechnen ist dagegen der Antikwert. Experten vermuten, dass er zwanzig-, dreißig-, vierzigmal so hoch liegt. Damit könnte man dann Griechenland retten oder Apple kaufen. Solche Summen wecken aber auch Begehrlichkeiten. Bei Dieben. Bei Terroristen vielleicht. Die Stadt liegt wie Mumbai am Meer. Damals, 2008, kamen die Terroristen einfach mit dem Schlauchboot vorgefahren, und es dauerte drei Tage, bis die indischen Sicherheitskräfte die Lage im Griff hatten. Nun sollen sie einen Milliardenschatz bewachen, der nicht in einem Tresor, sondern in einem rund tausend Jahre alten Tempel liegt.

Drei Polizisten in braunen Uniformen stehen vor dem Haupttor mitten in der feuchten Hitze, ihre Holzkarabiner über die Schultern gehängt. Hinter ihnen schirmt eine dicke Steinmauer das Innere der Tempelanlage vor neugierigen Blicken ab. Aber auch von außen erkennt man jetzt, dass der gelb leuchtende Turm nur der sichtbarste Teil eines mehrere hundert Quadratmeter großen Komplexes ist. Tausende Götterfiguren sind in die Wände des Turms gemeißelt. Der Hinduismus ist eine bunte, offene Religion, die viele Götter kennt und unterschiedliche Auslegungen zulässt. Im Zentrum des Glaubens steht bei den meisten Hindus jedoch ein Gott, der in verschiedenen Erscheinungen, in verschiedenen Körpern auftritt. In diesem Tempel wird der Gott Padmanabha verehrt, eine Inkarnation des Gottes Vishnu, der in der hinduistischen Mythologie als der »Welterhalter« gilt, einer der Big Player. Der Gott hat dem Tempel auch seinen Namen gegeben: Padmanabhaswamy. Zutritt haben nur Hindus. Die drei Polizisten passen auf, dass Nicht-Hindus dem Eingang nicht zu nahe kommen und keine Fotos machen, »Sicherheitsgründe«.

Ihr Chef hat sein Büro auf der anderen Seite der Anlage, am westlichen Nebeneingang. Er wirkt entspannt. Genüsslich zieht er die Nase hoch, reibt sich den Bauch, schiebt sich die goldgefasste Brille zurecht. Dann sagt er: »Es erfüllt mich mit Stolz, nun für die Sicherheit des Tempels zuständig zu sein.« Schließlich sei er, der stellvertretende Chef der lokalen Polizei, selbst ein großer Verehrer der Tempelgottheit.

Auf dem Weg zum Gebet kann er nun die Arbeit seiner Männer observieren. Es sind nicht besonders viele, die an den Toren und entlang der Mauern wachen. Zwanzig, dreißig vielleicht. »Die meisten Polizisten sind im Tempel stationiert«, versichert der Polizeichef. 300 sind es insgesamt, darunter sechzig des Quick Response Teams, einer Sondereinheit, die an ihren schwarzen Uniformen zu erkennen ist. Allerdings: Im Tempel dürfen auch sie, die Polizisten, wie jeder männliche Besucher, nur einen Wickelrock tragen, und ihre Pistolen halten sie in einer Tasche versteckt. »Das gehört sich so«, sagt der Polizeichef, »die Gläubigen sind das Wichtigste, ihre Ruhe darf nicht gestört werden.«
Christoph Cadenbach

, 31, hatte bisher kein Glück: Das Wertvollste, was er je gefunden hat, war ein klebriger Zehn-Euro-Schein, der in einer Bar in der Ritze eines Sofas steckte. Nach seiner Reise fragt er sich allerdings, in wie vielen Tempeln Indiens nun wohl die Keller inspiziert werden.

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