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aus Heft 46/2011 Das verstehe ich nicht 10 Kommentare

Allein unter Männern

Ist es wirklich sinnvoll, für Homosexuelle eigene Altersheime zu errichten?

Von Michèle Roten  Foto: jock+scott / photocase.com




In manchen europäischen Großstädten entstehen zurzeit Altersheime für Homosexuelle. Wobei allerdings mit Homosexuellen eigentlich nur Schwule gemeint sind – Lesben, so liest man, würden sich eher selbst organisieren und Alters-WGs gründen. Natürlich ist die Situation von alten Schwulen eine besondere: Sie haben zum Beispiel meist keine Kinder oder Enkel und drohen eher zu vereinsamen, wenn der Freundeskreis wegstirbt.

Sie mussten sich oft ein Leben lang verstecken und verstellen, manche von ihnen erlebten sogar noch mit, wie Homosexuelle in Nazi-Deutschland verfolgt wurden. Und ihre heterosexuelle Peergroup ist wirklich nicht das, was man als besonders aufgeschlossen bezeichnen möchte.

Und doch ist die Vorstellung einer »Village«-Etage nur für Schwule (im ansonsten »normalen« Heim, so ein Beispiel in Berlin) oder einer Strictly-Gay-Altersresidenz doch grausig. Die Normalen und die Ausnahmen, sind wir tatsächlich wieder bei dieser Dichotomie angelangt? Ein Kind fragt: Was ist in diesem Haus, und die Antwort beinhaltet die sexuelle Orientierung der Pflegebedürftigen? Ist das nicht absurd? Es werden Mauern gebaut zur Trennung von verschiedenen Gruppen einer Bevölkerung: Man nennt das Ghettoisierung. Bloß, und das ist der bemerkenswerte Unterschied, kommt dieses Mal der Impuls von der Minderheit. Die Homosexuellen möchten ihren Lebensabend lieber nicht mit den Heteros verbringen. Weil sie Diskriminierung und Ausgrenzung befürchten. Und so diskriminieren sie sich lieber gleich selber.

Durch diese Entwicklung steht unweigerlich die Frage im Raum, wer wohl als Nächstes eigene Altersheime wollen könnte: Ex-DDR-Bürger? Schwarze? Hässliche Frauen? Der Diskurs kriegt einen unangenehmen Drall.

Man würde es sich – für die Gesellschaft, für die Zukunft – doch anders wünschen: dass die Kinder und Enkel der konservativen Bullys ihre Alten mal in die Mangel nehmen und ihnen erklären würden, warum es voll in Ordnung ist, dass der Herr in der Wohnung nebenan so oft Herrenbesuch kriegt. Dass das Pflegepersonal auf Sensibilität geschult würde, genauso, wie es jetzt beim Personal in den Solo-Homo-Altersheimen geschieht, dass auch ganz bewusst schwule Pfleger und lesbische Pflegerinnen eingestellt würden.

Sagen wir es so: Ich finde die Vorstellung, dereinst in einem Altersheim zu landen, in dem nur Heteros leben, äußerst traurig.

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Kommentare

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  • MANWILLSTOP ONEDAYHAHAHA (0) MILLIONS TO BE ASSASSINATED FOR THE SAKE OF $$$ LIABILITIES(mk-ultra, chip implants, electroshocks etc. performed on them) AND NEW WORLD ORDER(multiculturalism = terrorism) POLITICAL AGENDA KNOWN AS "YOU ARE NEXT"(financial liabilities are 2 expensive for the government and it is cheaper to get read of you instead) !!! IF YOU WERE TREATED WITH ELECTROSHOCKS OR DRUGS USED FOR WIPING OUT MEMORY(numerous Americans and Europeans were and are) AFTER ENDURING FORCED CHIP IMPLANTS(or to retard individual = how homeless people are produced), YOU ARE SCHEDULED NEXT !!!

    http://myshortbiography.blogspot.com/

    LEARN TRUTH ABOUT UNITED NATIONS, AMNESTY INTERNATIONAL AS WELL AS NEW WORLD ORDER(MULTICULTURALISM = TERRORISM) GOVERNMENTS(Equal Employment Opportunity Commission) !!! NOT THERE TO PROTECT YOUR RIGHTS, BUT TO DENY YOUR RIGHT TO EXISTENCE !!!

    ABDUCTIONS / FORCED BRAIN CHIP IMPLANTS / BLACKLISTING / FORCEFUL UNEMPLOYMENT / MK-ULTRA BRAINWASHING AGAINST WHITE(under "NAZI" lie) CIVILIAN POPULATION TODAY IN 2011/2012 ACROSS THE EUROPE AND NORTHERN AMERICA !!!

    http://myshortbiography.blogspot.com/

    WHY TO ACCEPT LIABILITIES FOR CRIMES COMMITTED WHEN WE CAN SIMPLY ASSASSINATE OUR VICTIMS(YOU) THANKS TO HUMAN RIGHTS ORGANIZATIONS AND FREE PRESS/MEDIA(most severe censorship of genocide ever !!!)!!

    Related to WHITES AREN?T WELCOME IN AMERICA ANY LONGER !!! http://www.youtube.com/user/BostjanAvsec OBAMA'S HEALTH CARE RECORDED LIVE IN 2009 !!! These are hard facts about lunatic Obama/Bush's twilight zone administrations(HORROR) or genocide against whites per ZIONIST Washington DC and in complete agreement with communist Moscow !!! EXILING WHITES(US citizens) WITH EXTREME PREJUDICE AND IMPORTING NON WHITES IMMIGRATION REQUIREMENTS FREE !!
  • Stefan Müller (0) Zur Ergänzung für Frau Roten, die bei Ihrer Recherche wohl auf halber Strecke steckengeblieben ist: es GAB die Idee einer Village-Etage in einem Heim in Berlin. Dieses Angebot ist aber nicht angenommen worden. Da wollten die Homos wohl doch lieber unter Heten bleiben. Also viel Lärm um nix?
  • Doris Schröter (0) Sexualität ist nur eine Seite des Menschen. Wenn ich jemanden kennenlerne, frage ich doch nicht nach seinen Sexualpraktiken, ob hetero oder homo.
    Übrigens in den Altenheimen Deutschland arbeiten seit über 30 Jahren auch jede Menge homosexuelle Angestellte. Und es stört diese nicht, heterosexuelle Menschen zu pflegen.Und so pflegen auch heterosexuelle Angestellte homosexuelle Bewohner. Habe noch nie erlebt, das dies ein Problem war.
    Und hoffe das daraus auch kein Problem gemacht wird.
    Es grüßt eine langjährige Altenpflegerin.
  • Juliane Plathner-Visser (0) Sehr geehrte Frau Roten,
    Sie haben eine interessante Fragestellung aufgegriffen. Diese verdient es jedoch, differenzierter betrachtet zu werden.
    Wie wir uns wünschen und vorstellen, im Alter betreut und gepflegt zu werden, hängt von vielen Faktoren ab. Beispielsweise steigt mit zunehmendem Alter unsere physische und psychische Vulnerabilität. Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt, die auch viele gleichgeschlechtlich liebende Menschen heute noch immer erfahren, verstärken diese noch. Was also ist einzuwenden gegen das Bedürfnis nach einem sicheren, beschützenden Ort in der letzten Lebensphase?

    Das viele soziale Kulturen integrierende Altenheim ist sicherlich nicht nur Ihr Traum. Bislang gehören jedoch in den meisten ?normalen? Einrichtungen der stationären und ambulanten Altenpflege Diskriminierung der Bewohner/innen UND Mitarbeiter/innen aufgrund von sexueller Orientierung zum Alltag. Bemühungen von Fachkräften, z.B. von ?Pflege.Andersrum? Altenpflegepersonal kultursensibel zu trainieren, stoßen bei diesem vorwiegend auf Desinteresse und Ablehnung.

    In den Niederlanden können Altenpflegeheime mittlerweile mit dem ?Roze Loper? als homofreundlich zertifiziert werden. In der BRD sind in dieser Hinsicht gerademal erste Schritte zu verzeichnen. Aber es tut sich was!

    Lesbische Frauen verfügen oft über andere Unterstützungssysteme und Netzwerke als schwule Männer und haben wahrscheinlich auch andere Bedürfnisse als diese im Alter. Deshalb scheinen spezifische Wohnprojekte eine gute Lebensform für sie zu sein.

    Überhaupt ist es lohnenswert, darüber nachzudenken, wie wir in einer alternden Gesellschaft zusammenleben wollen, so dass alle es gut haben.

    Wenn es zurzeit noch keine Pluralität der Lebensformen im Altersheim geben kann, dann ist doch eine Pluralität der Formen des Altersheims neben allen anderen neueren Versorgungsmodellen im Alter zunächst wichtig und anerkennenswert. Ob sich im Verlauf der demografischen Entwicklung der nächsten Jahrzehnte, institutionalisierte Formen von Altenpflege durchsetzen werden, bleibt sowieso abzuwarten.
    Mit freundlichen Grüßen,
  • Barbara Czabala (1) es wird doch oben erwähnt:"Sie mussten sich oft ein Leben lang verstecken und verstellen, manche von ihnen erlebten sogar noch mit, wie Homosexuelle in Nazi-Deutschland verfolgt wurden. "
    da verstehe ich sehr gut, das die dann lieber unter sich bleiben wollen....würde auch nicht gerne mein zimmer mit jemanden teil, der mich nur wegen meiner orientierung am liebsten abmurksen will... und die toleranz, die heute gelebt wird, ist bestimmt auch nicht immer echt...aber als trost für die autoren,bis wir dann mal alt genug sind fürs altersheim, kann es ja sein, das es dann gemischte gibt...ich finde es ja schon toll, das im gegensatz zu früher, also als ich kind war, die altersheim zentraler geworden sind. omi wohnt in der city, und nicht mehr nur land oder stadtrand. bei uns haben in den letzten 10 jahren drei große altersheime ihre pforten geöffnet. find ich gut
  • klaus schuster (0) mmmmh, also irgendwie lese ich da ne menge neid heraus. tja, frau roten, ist schon kacke, wenn man später in einem ganz normalen stinklangweiligen hetero altersheim dahin siechen müsste, gelle? während nebenan bei den schwuppen täglich party ist! also ich freu mich jetzt schon aufs gay-heim. yippie.......
  • Jürgen Veith (0) Frau Roten,

    Ihr Ansinnen in Ehren und ich weiss es zu schätzen, daß Sie diese Eigendiskriminierung eigenartig finden und sich anscheinend ohne
    Vorbehalte und gerne mit Homosexuellen das Altersheim teilen würden.
    Sehr viele Heteros mögen Homos, sie bringen andere Ansichten und oft auch viel Witz und Farbe ins Leben.
    Ich weiss auch nicht genau, was ich von diesen Bestreben halten soll.
    Da wird jahrzentelang für Gleichberechtigung und Akteptanz gekämpft um sich am Ende doch wieder einzuigeln.
    Ich kann es aber insofern verstehen, daß letztendlich doch weiterhin in weiten Teilen der Bevölkerung Vorbehalte und Ablehnung herrschen und manche Schwule sich davor fürchten, im Altersheim vor diesen Menschen nicht mehr ausweichen zu können und keine Lust haben, sich die letzten Jahre und Tage ihres Lebens noch diesen wenn auch indirekten Attacken auszusetzen. Das kostet Kraft.
    Und unter seinesgleichen sind viele Menschen, egal welcher Couleur, doch mehr "sich selbst" als in der großen Öffentlichkeit.
    Aber trotzdem Danke für Ihr Unverständnis.
  • Thorsten Fischer (0) Im Gegensatz zur Autorin finde ich die Idee, Altersheime für Schwule einzurichten, ausgesprochen gut. Das Leben dort stelle ich mir auf alle Fälle entspannter vor als in einem "normalen" Altersheim. Irgendwann möchte man sich mit dem Thema "Diskriminierung und Ausgrenzung" nämlich nicht mehr beschäftigen, Frau Roten.
  • Sigi Kiermayer (1) Also abgesehen davon dass ich wohl ueberhaupt nicht in ein Altersheim moechte, waere es mir tatsaechlich lieber in ein Nerdalterhseim zu kommen als in ein normales.

    Und der Author scheint ganz schoen blauaeugig zu sein wenn er denkt, dass die Kinder oder Enkel einen alten sterbenden Menschen noch irgendwie mehr toleranz erziehen koennten. Da kann ich das gut verstehen wenn die unter sich sein wollen.
  • Alfons Schröer (2) Es gibt auch Altersheime für katholische und für jüdische Menschen, für Arme und für Reiche, warum nicht auch für Homosexuelle. Der eine oder andere möchte zudem vielleicht zumindest im Alter nicht mehr diskriminiert werden, siehe obigen Artikel.