aus Heft 50/2011 Sex 3 Kommentare
»Ich hatte Sex auf dem Mond. Und ich bin der einzige Mann, der das von sich behaupten kann«
Thad Roberts versprach seiner Freundin ein Stück vom Himmel. Also brach er bei der NASA ein und klaute Mondgestein im Wert von 20 Millionen Dollar. Die Geschichte einer galaktischen Liebe.
Von Till Krause (Interview) Fotos: Sabina McGrew, culture-images/Natural History; Thad Roberts
Den Mond wird er nie betreten. Aber im Planetarium von Salt Lake City kann Thad Roberts immerhin so tun, als ob.
SZ-Magazin: Herr Roberts, wie schmeckt der Mond?
Thad Roberts: Überraschend salzig. Und etwas sandig, man hat danach einen komischen Belag auf den Zähnen.
Was hatten Sie erwartet?
Das weiß ich nicht genau, denn niemand außer mir hat jemals Mondgestein gegessen. Es waren zwar nur ein paar Brösel, aber immer wenn ich den Mond sehe, denke ich: Ein Stück davon habe ich jetzt im Körper. Ein tolles Gefühl. Auch wenn die ganze Aktion ziemlich übermütig war.
Sie stapeln tief. Sie sind vor neun Jahren bei der NASA eingebrochen und haben Mondgestein im Wert von 20 Millionen Dollar gestohlen. Was hat Sie getrieben?
Ich war damals Praktikant bei der NASA im Johnson Space Center in Houston. Meine Aufgabe war es, die Gesteinsproben zu katalogisieren, die Astronauten von den Apollo-Missionen mitgebracht haben. Und irgendwann ist mir ein Tresor aufgefallen, in dem die ausrangierten Steine lagen, die keinen wissenschaftlichen Nutzen mehr hatten. Die Forscher haben sie selbst als Abfall bezeichnet. Also habe ich gedacht: Wenn das Abfall ist, kann ich es ja mitnehmen.
Mondgestein gilt als wertvollstes Material der Welt. Wussten Sie nicht, dass die Steine ein Vermögen wert sind?
Ich habe nicht an Geld gedacht. Denn für die Wissenschaft sind Steine praktisch wertlos, sobald sie schon mal untersucht wurden. Für Experimente braucht man Steine, die noch nie mit der Erdatmosphäre in Berührung gekommen sind. Es gab bei der NASA das Sprichwort: Wir sollten die gebrauchten Steine verkaufen – und damit unsere Mission zum Mars finanzieren. Ich hatte nicht das Gefühl und schon gar nicht die Absicht, der NASA durch den Diebstahl zu schaden.
Die NASA sieht das anders.
Allerdings. Dort habe ich lebenslanges Hausverbot, die Wissenschaftler haben dafür gesorgt, dass ich zu 100 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Sie haben reagiert, als hätte ich nicht ein paar Steine mitgenommen, sondern ihre Kinder umgebracht. Das war wirklich bitter für mich, denn die Forscher waren wie meine zweite Familie. Meine leiblichen Eltern haben mich verstoßen, als ich 19 war, sie sind Mormonen und kamen nicht damit klar, dass ich Sex vor der Ehe hatte. Bei der NASA habe ich mich zu Hause gefühlt, ich war 24 Jahre alt und wollte unbedingt Astronaut werden. Die Leute dort haben mich gefördert, wo sie nur konnten. Und mir vertraut.
Warum haben Sie dieses Vertrauen dann aufs Spiel gesetzt?
Ich wollte einer Frau zeigen, dass ich alles für sie tun würde. Wirklich alles. Also habe ich ihr ein Stück vom Mond versprochen – als Zeichen meiner Liebe. Klingt kitschig, aber Sie hätten mal ihr Gesicht sehen sollen, als ich ihr sagte, dass ich es ernst meine mit diesem Geschenk.
Welche Frau war das?
Sie hieß Tiffany und war auch Praktikantin bei der NASA. Sie hat Biologie studiert, war zwanzig und sah unglaublich gut aus. Als wir mal mit einer Gruppe von NASA-Mitarbeitern schwimmen gegangen sind, war sie die Erste, die sich traute, von einer echt hohen Klippe ins Wasser zu springen. Das hat mir imponiert. Also wollte ich sie unbedingt beeindrucken – mit etwas, was ihr kein anderer Mann geben konnte.
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War Tiffany auch in Sie verliebt?
Ja. Vielleicht, weil ich bei der NASA einen Ruf als Draufgänger hatte. Dabei war ich eigentlich sehr schüchtern und habe ständig gedacht: Tiffany spielt in einer ganz anderen Liga als ich, sie ist so wunderschön, so klug. Aber ich wusste sofort: Diese Frau teilt meine Sehnsucht nach den Sternen, uns verbindet sehr viel. Wir haben bis nachts über das Universum diskutiert. Wir kannten uns gerade mal zehn Tage, als ich ihr von meinem Plan mit den Mondsteinen erzählte. Wir standen in ihrer Küche, meine Augen wurden feucht, und sie hat gesagt: Das klingt romantisch. Lass es uns tun!
Die Steine lagen in einem Tresor, in einem Labor mit einem Zahlenschloss an der Tür, überall waren Kameras. Wie haben Sie es geschafft, da unbemerkt einzubrechen?
Es war erstaunlich einfach, ich kannte mich in dem Labor ja aus. Tiffany und ich haben uns einen Minibus geliehen und sind damit nachts zu dem Labor mit dem Mondgestein gefahren – mit unseren Dienstausweisen kamen wir problemlos auf das Gelände. Ich wusste, wo die Kameras installiert sind, also konnte ich sie auch umgehen. Das Türschloss war leicht zu knacken: Ich hatte den Ziffernblock vor der Arbeit mit fluoreszierendem Pulver bestäubt und gewartet, bis jemand den richtigen Code eingab. Dann konnte ich nach Feierabend mit einer UV-Lampe draufleuchten – und sehen, welche Tasten in welcher Reihenfolge gedrückt wurden. Den 270 Kilo schweren Tresor mit den Steinen haben Tiffany und ich auf einen Rollwagen geschnallt und ins Auto geladen. Als wir durch die Gänge schlichen, haben wir die Titelmelodie von Mission Impossible gesummt.
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20 Uhr 22
Unteranderem ham die wohl auch handschriftliche Unterlagen bei diesem Diebstahl kaput gemacht und er hatte Dinoknochen geklaut.
18 Uhr 40
17 Uhr 31