aus Heft 50/2011 Sex 3 Kommentare
»Ich hatte Sex auf dem Mond. Und ich bin der einzige Mann, der das von sich behaupten kann«
Seite 3: »Niemand versteht, dass man so etwas aus Liebe tun kann.«
Von Till Krause (Interview) Fotos: Sabina McGrew, culture-images/Natural History; Thad Roberts
Noch ein Erinnerungsfoto Thad Roberts in einem 50 Kilo schweren Raumanzug im Johnson Space Center in Houston. Mit 24 galt er als Nachwuchshoffnung für das Raumfahrtprogramm, weil er Russisch und Japanisch spricht, einen Pilotenschein hat und an seiner Uni einen Astronomie-Kurs geleitet hatte. Seit seinem Diebstahl hat er bei der NASA lebenslanges Hausverbot.
Hatten Sie im Gefängnis Kontakt zu Tiffany?
Die ersten anderthalb Jahre gab es kein einziges Lebenszeichen von ihr. Stellen Sie sich das mal vor: Eben noch machen Sie Pläne für eine gemeinsame Zukunft, dann werden Sie verhaftet und sehen Ihre große Liebe nie mehr wieder. Ich weiß, ich habe Fehler gemacht und bin selbst schuld. Aber trotzdem: Es war die Hölle. Später habe ich erfahren, dass Tiffanys Vater ihr jeden Umgang mit mir verboten hat. Ich habe wirklich alles getan, um sie zu treffen oder mit ihr zu reden. Sogar meine Essensrationen habe ich meinen Mitgefangenen angeboten dafür, dass sie bei ihrem nächsten Telefonat mit ihren Familien sagen: Sucht im Internet nach Tiffany und fragt sie, ob sie einen Thad Roberts kennt.
Warum haben Sie das nicht selbst gemacht?
Ich hatte niemanden da draußen, den ich anrufen und um Hilfe bitten konnte. Meine Eltern hatten mich verstoßen. Alle meine Freunde bei der NASA haben mich gehasst und wollten nicht mehr mit mir reden. Ich war wirklich allein. Kein einziger Mensch hat mich im Gefängnis besucht. Ich war dem Selbstmord nahe. Ständig ging mir durch den Kopf: Du hast dein ganzes Leben ruiniert, mit einem einzigen, dummen, romantischen Streich. Meine Freundin, meine Karrierepläne, meine Freiheit – alles weg. Nach 18 Monaten in Haft hat mein Anwalt mir die Nummer von Tiffany besorgt, vorher hat ihre Familie es nicht erlaubt. Wir haben eine Viertelstunde telefoniert.
Was hat sie gesagt?
Dass sie mich immer noch liebt. Aber dass sie die Sache am liebsten vergessen würde, ihr war die ganze Aktion peinlich. Ich habe sie gefragt, ob wir wenigstens in Kontakt bleiben können, sie war ja mein einziger Draht zur Außenwelt. Sie hat zugestimmt. Ich habe ihr über ein Jahr lang jeden Tag einen Brief geschrieben. Irgendwann kam ein Paket für mich: alle meine Briefe, ungeöffnet zurückgeschickt. Dann habe ich begriffen: Tiffany baut sich ein neues Leben auf. Also habe ich versucht, sie zu vergessen.
Wie geht das?
Durch Ablenkung. Ich habe im Gefängnis den anderen Häftlingen Lesen und Schreiben beigebracht. Und ich durfte Astronomie und Physik unterrichten, so konnte ich ein paar Leute im Gefängnis für die Wissenschaft begeistern. Einer von ihnen, ein ehemaliger Dealer, ist vor ein paar Jahren entlassen worden und studiert jetzt. Das macht mich stolz. Außerdem hatte ich als Dozent hinter Gittern endlich wieder Zugang zu Fachbüchern. So habe ich die Zeit genutzt und angefangen, eine neue Theorie über das Universum zu entwickeln: Sie erweitert die Gedanken von Einstein, es geht um ein elfdimensionales Modell von Zeit und Raum. Ich habe hinter Gittern mehr als 700 Seiten aufgeschrieben, erst von Hand, dann mit einer Schreibmaschine. Daraus entsteht gerade meine Doktorarbeit in Physik.
Vor drei Jahren wurden Sie vorzeitig entlassen. Wie sieht Ihr Leben aus?
Tiffany habe ich nie wiedergesehen. Vor über einem Jahr haben wir ein letztes Mal telefoniert, sie hat gesagt, dass sie definitiv keinen Kontakt mehr mit mir haben will. Ich glaube, sie hat einen anderen Mann geheiratet. Aber ich bin darüber hinweg. Mittlerweile habe ich eine neue Freundin, wir leben in Utah, ich bin also dahin zurückgekehrt, wo ich herkomme. Ich promoviere hier, aber ich spüre, dass es immer noch viele Menschen gibt, die mir meinen Diebstahl nicht verziehen haben. Die Rektorin der Uni hat mir nahegelegt, mich doch vor meinem Abschluss woanders zu bewerben – sie hat Angst, dass es dem Ruf der Hochschule schadet, wenn einer wie ich hier seinen Doktor macht.
Ist Ihre neue Freundin ein bisschen eifersüchtig? Immerhin haben Sie einer anderen Frau den Mond geschenkt.
Sie hat einmal gesagt: Thad, ich weiß, dass du auch mir den Mond vom Himmel holen würdest. Aber das brauchst du nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. Du musst nichts beweisen. Das war wunderbar, so akzeptiert habe ich mich noch nie gefühlt.
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Wissen die Leute in Ihrem Umfeld von Ihrer Vergangenheit?
Viele. Einmal war ich abends im Park an der Universität und hörte, wie sich eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn unterhielt. Es war Nacht, am Himmel konnte man einen Halbmond sehen. Er fragte: Wo ist der Rest vom Mond, Mama? Und die Mutter zeigte auf mich und antwortete: Der Mann dort hat ihn geklaut. Aber keine Angst, er gibt ihn wieder zurück. Da musste ich lachen.
Haben Sie sich eigentlich jemals bei der NASA entschuldigt?
Nur im Gerichtssaal. Die wollen auch gar keine Entschuldigung hören, weil sie nicht verstehen, wie jemand aus Liebe so etwas tun kann. Sie haben sich in ihre eigene Theorie verrannt: dass ich eben ein durchgeknallter Einbrecher bin, der ihre Schätze verkaufen wollte. Nur Axel Emmermann habe ich geschrieben, dem belgischen Steinesammler, der mich bei der Polizei verpfiffen hat.
Was stand in dem Brief?
Dass er richtig gehandelt hat. Und dass ich ihm überhaupt nicht böse bin. Er hat am meisten von der Sache profitiert.
Inwiefern?
Die NASA feiert ihn als Helden – er hat schließlich den größten Diebstahl in ihrer Geschichte aufgeklärt. Aus Dankbarkeit haben sie einen Asteroiden nach ihm benannt: den Emmermann-Asteroiden, zwischen Mars und Jupiter.
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20 Uhr 22
Unteranderem ham die wohl auch handschriftliche Unterlagen bei diesem Diebstahl kaput gemacht und er hatte Dinoknochen geklaut.
18 Uhr 40
17 Uhr 31