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aus Heft 51/2011 Stars Noch keine Kommentare

»Er ist der Boss. Aber er gibt mir das Gefühl, dass er meine Arbeit schätzt«

Jon Donahue hat einen merkwürdigen Job: Er muss bei Dreharbeiten da stehen, wo später Tom Hanks steht. Das war’s im Wesentlichen.

Von Antje Wewer (Interview)  Fotos: Frank Griebe



Zwei für einen: Wenn Tom Hanks (hinten) Larry Crowne spielt, dann spielt Jon Donahue (vorn) Tom Hanks, bevor der Larry Crowne spielt. Kompliziert? Klingt nur so.

SZ-Magazin: Herr Donahue, Sie arbeiten seit zehn Jahren für den Hollywoodstar Tom Hanks als sogenanntes Lichtdouble. Was machen Sie da genau?

Jon Donahue: Beim Film wird vor jeder Szene das Licht neu eingerichtet. Ich bin ungefähr so groß wie Tom Hanks, habe einen ähnlichen Hautton. Trägt er Bart, trage ich auch einen. Und ich weiß ganz genau, wie groß die Schritte von Hanks sind, auf welcher Höhe er die Arme kreuzt und wie er seine Beine übereinanderschlägt. Vor jeder Einstellung nehme ich den Platz von Hanks ein, und der Regisseur probiert mit mir mögliche Bewegungsabläufe aus.

Im Englischen wird Ihr Job Stand-in genannt, also Vertreter. Sprechen Sie auch Text?
Nein, ich bin eher eine Art Tom-Hanks-Platzhalter, ein lebendes Testobjekt. Allerdings kenne ich jedes Drehbuch. Ich muss wissen, was in den Szenen passiert, und bin von Anfang bis Ende des Drehs dabei. Nebenbei kann ich Regisseuren wie Ron Howard, Stephen Daldry oder den Coen-Brüdern bei der Arbeit zuschauen.

Hanks schätzt Sie offenbar sehr. Jedenfalls lässt er Sie in der Business-Klasse aus den USA einfliegen.
Warum nicht? Mein Job ist nicht nur das Standing-in, ich arbeite ihm auf subtile Art zu. Informiere ihn, was am Set los ist. Ob die Kamerapositionen sich geändert haben, umdekoriert wurde, wie die Stimmung ist. Die meisten großen Stars leisten sich den Luxus einer kleinen Entourage: persönlicher Assistent, Leibwächter, Garderobiere. Sie müssen sich ja ansonsten bei jedem Film auf eine komplett neue Crew einlassen. Robin Williams hat mit Adam Bryant seit 20 Jahren den gleichen Stand-in, Tom Cruise arbeitet immer mit demselben Mann genau wie Ben Stiller oder Adam Sandler. Beim Film kostet jede Minute sehr viel Geld. Wir sparen dem Team Zeit, weil der Kameramann mit uns das Licht einstellt; die Stars sitzen da noch in der Maske. Außerdem arbeitet Hanks beim Spielen viel mit dem Körper, er hat eine spezielle, fließende Art, sich vor der Kamera zu bewegen. Die hat nicht jeder x-beliebige Stand-in drauf.

Wenn es heißt »Kamera ab«, sind Sie verschwunden?
Nicht ganz. Dann stehe ich im Abseits am Set und schaue zu.

Ein trauriger Moment?

Nein, ich konzentriere mich auf das, was vor der Kamera passiert. Ich achte auf jede von Hanks' Bewegungen, damit ich sie später akkurat wiederholen kann. Wenn er telefoniert, muss ich wissen, ob er den Hörer an sein linkes oder rechtes Ohr hält. Mit welcher Hand er die Tür öffnet, sich abstützt oder seine Partnerin umarmt.

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Sie sind von New York nach Los Angeles gezogen. Wollten Sie selbst ein zweiter Tom Hanks werden?
Davon träume ich nicht mal nachts! Tom ist ein Genie, und ich bin ein Filmfreak, der sehr gut Leute nachahmen kann. Während der Schulzeit in New York habe ich als Vorführer in einem kleinen Kino gearbeitet, dann eine Karriere als TV-Reporter in Manhattan begonnen. Bis mir klar wurde, dass ich spielen und keine Nachrichten vorlesen will. Ende der Neunziger bin ich nach Los Angeles gezogen, um Schauspieler zu werden. Ein Nobody, ohne Kontakte in die Entertainment-Industrie. Ich dachte, ich rutsch da schnell rein. In L. A. wird doch so viel gedreht, dort sitzen die mächtigen Leute, dort werden Träume wahr.

Das haben Sie tatsächlich geglaubt?

Das glaube ich immer noch! Wenn du aufhörst, an deinen Traum zu glauben, kommst du morgens nicht mehr aus dem Bett.

Wie kam es dazu, dass Sie stattdessen ein gefragter Stand-in wurden?

Tja, die Angebote blieben aus, und ich fing an, als Fremdenführer in den Universal-Studios zu arbeiten. Über eine Empfehlung ergatterte ich einen regelmäßigen Job als Lichtdouble bei der Krankenhausserie Emergency Room. Damals sagten mir einige Mädchen, dass ich sie an Matthew Perry erinnere. Sie wissen schon: Friends. Als ich hörte, Perry und Bruce Willis drehen gemeinsam Keine halben Sachen, habe ich mein Foto an das Produktionsbüro geschickt. Ohne Kontakte geht in Hollywood eigentlich gar nichts, aber ich bekam den Job. Und offenbar machte ich ihn gut, meine Nummer wurde weitergegeben. So habe ich für Bradley Cooper, Pierce Brosnan, John Krasinki oder Will Ferrell gearbeitet. Für den Auftrag, Chris Pine im Star Trek-Film zu doubeln, habe ich sogar ein Jobangebot als Schauspieler abgelehnt. Als »Trekki« musste ich das machen.

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