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aus Heft 03/2012 Mann und Frau

Untragbar

Paula Almqvist  Illustration: Dirk Schmidt

Klavier schleppen, heimwerken, Computerprobleme lösen - nichts leihen sich Singlefrauen so gern aus wie die Männer ihrer Freundinnen. Ehrlich gesagt: Das nervt.

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»Bitte weiter ins Licht, Dieter!« Niemand spielt virtuoser auf der Klaviatur des Delegierens als die Singlefreundin.


Wenn weibliche Singles unter sich sind, zum Beispiel bei ihren kleinen Prosecco-Stammtischen, dann ziehen sie gern mal über ihre verheirateten Freundinnen her.

Das ist nicht nur im Kino so, sondern auch im wahren Leben; ich weiß das, weil ich gern in Kaffeehäuser gehe und gute Ohren habe. Und ich kann das schlechte Rating zum Teil verstehen.

Wohl wahr, dass wir fest Liierten mit einer gewissen Bräsigkeit reagieren, wenn es um einen unwiderstehlichen Last-Minute-Trip nach Mailand ins Prada-Outlet geht. Dann hören wir uns was von Schwiegereltern-Besuch murmeln. Oder müssen erst mal unseren Mann fragen. »Der läuft dir doch nicht weg«, meint die Singlefreundin und gibt damit subtil zu verstehen, wie sie seinen erotischen Marktwert einschätzt.

Die Kritik der unternehmungslustigen, ungebundenen Frauen richtet sich nicht nur gegen unsere mangelnde Spontanität. Das kann man in schöner Regelmäßigkeit in Frauenzeitschriften nachlesen. Nein, am meisten nagt an ihnen, dass sie so selten von verheirateten Leuten eingeladen werden. Warum das so ist, kann ich mir denken. Meine Singlefreundinnen fragen bei jeder Einladung zuerst: »Wer kommt denn noch?« Betet man dann die Gästeliste runter, fallen die Mundwinkel gleich hinterher: »Ach! Nur Ehepaare?« Ja, tut mir leid, aber woher soll ich eine Reservistentruppe an Junggesellen nehmen, wenn sie selber gerade keinen rekrutieren können?

Exemplarische Singlefrauen – wir nennen sie jetzt mal Ariane und Beatrix – waren schon dreimal verheiratet oder nie. Jedenfalls leben sie derzeit allein, sind aber unaufgeregt auf der Suche. Nicht unbedingt nach dem Mann fürs Leben. Einer für gewisse Momente oder Dienstleistungen täte es auch. Wir wissen das, weil Ariane und Beatrix gern und offen darüber sprechen. Und weil sie unsere Freundinnen sind, halten wir die Augen offen.

Wir machen mentale Notizen von Orten, wo die Zahl anhangloser Männer die der Händchen haltenden oder Kinderwagen schiebenden Herren deutlich übertrifft. Diese magischen Orte sind rar. Es sind Fachgeschäfte für Schrauben und Dübel oder Modellbau oder Elektronik. Plätze, an die man sich als verheiratete Frau nur mit einem Einkaufszettel traut, wenn der Mann grad ein Gipsbein hat.

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Letzte Weihnachten habe ich meiner Tochter einen Espresso-Kurs spendiert, wie er heutzutage in allen Großstädten angeboten wird, damit die Kunden die Geheimnisse der perfekten crema kennenlernen (und wahrscheinlich auch, damit sie nebenbei eine 3000-Euro-Maschine kaufen). »Wie war’s?« fragte ich. »Sehr lehrreich, aber ansonsten fad. Außer mir nur betuchte Männer über 35.« Kam auf die Merkliste; Maschinen und einsame Männer, das gehört irgendwie zusammen. Bloß ist es irgendwie schwierig, glaubwürdig in der BMW-Niederlassung für schwere Motorräder herumzulungern, wenn man noch nicht mal einen Krad-Führerschein hat. Gut sind natürlich Geschäfte für Anglerzubehör oder Schallplattenläden, nur entspricht die Klientel nicht so ganz dem Anforderungsprofil von Ariane und Beatrix.
 
Warum ich diese Profiler-Dienste für meine Freundinnen überhaupt leiste? Weil ich es satthabe, ständig meinen Mann auszuleihen. Auch wenn es sich um ganz unverfängliche Dinge dreht wie Lampen aufhängen, Versicherungspolicen durchlesen oder das Faxgerät reparieren. Lauter Sachen, die aus stolzen Ehemännern Hilfs-arbeiter zum Nulltarif machen.

Die Anwerbung vollzieht sich meistens von Frau zu Frau. Etwa so: »Hat dein Mann am Sonntagnachmittag schon was vor? Ich müsste einen Ikea-Schrank aufbauen, aber der Handwerker könnte erst Mittwoch. Und vor allem kommt Philip am Montag – das ist der Tierarzt, von dem ich dir erzählt habe, drück mir die Daumen, und da wollte ich mein Schlafzimmer bisschen in Ordnung bringen, das verstehst du sicher.« Eigentlich wollten wir am Wochenende ja Freunde auf dem Land besuchen. Aber wer will schon dem möglichen Liebesglück Arianes mit einem ordnungsliebenden Tierarzt im Wege stehen? Ich versuche noch, ihr die Zusammenfummelei eines Ikea-Schrankes im Schlafzimmer als originelles bonding-Erlebnis zwischen zwei noch halb fremden Menschen zu verkaufen, kann mich allerdings nicht durchsetzen.
Paula Almquist

ist schon seit Ewigkeiten verheiratet und lebt als Angehörige einer gefühlten Minderheit in Hamburg - einem Ort, der laut Statistik die deutsche »Hauptstadt der Singles« ist.

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