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aus Heft 11/2012 Liebe & Partnerschaft 3 Kommentare

Willst du? Willst du? Willst du? Willst du? Willst du?

Männer überbieten sich mit immer aufdringlicheren und ausgefalleneren Heiratsanträgen. Kann der Quatsch bitte mal aufhören?

Von Marc Baumann  Illustration: Serge Bloch Foto: Getty




Mein bester Freund hat seine Freundin im Herbst mit zwei Flugtickets nach Stockholm überrascht. Dort ist er mit ihr in ein Ruderboot gestiegen, und an einer besonders schönen Stelle des Kanals hat er angehalten, erst das Boot und dann um ihre Hand. Der kleine Kahn hat bei jeder Bewegung gewackelt, aber mein Freund ist trotzdem vor ihr auf die Knie gegangen. Genau in dem Moment, als er ihre Hand nahm und die fünf entscheidenden Worte sagen wollte, hat ein Hausmeister am Ufer seinen Laubbläser angestellt. Mein Freund musste »Willst du meine Frau werden?« schreien.

Dann versuchte er ihr den Verlobungsring über den Finger zu streifen; er hätte das vorher üben sollen. Der Ring ist eine Art Kette, die man zweimal gekonnt um den Finger wickeln muss, richtig angelegt sieht er sehr elegant aus. Mein Freund hat es nicht hinbekommen, der Ring hing lasch am Finger der Freundin, so als ob er die falsche Größe gekauft hätte. So saßen sie im Zweimannboot: im Laubbläser-Lärm, mit einem verkehrt angezogenen Ring, trotzdem glücklich verlobt.

Es ist nicht einfach, einen gelungenen Heiratsantrag zu machen. Ich erzähle davon, weil ich finde, dass beim Thema Heiratsantrag gerade etwas falsch läuft. Das Problem sind Männer wie Justin Davis, der zweite Mann, von dessen Heiratsantrag ich kurz berichten möchte. Justin Davis kenne ich nur von Youtube. Sein Heiratsantrag heißt auf dem Videoportal »The best proposal ever!!« (»Der beste Antrag aller Zeiten!!«) und wurde fünfeinhalb Millionen Mal angesehen. Ich habe es dreimal probiert, aber ich kann mir den Film, der 14 Minuten dauert, nicht bis zum Ende ansehen, ohne vorzuspulen. Er ist mir peinlich.



Justins Idee: Inszeniert vom US-Fernsehsender Fox, überrascht er seine Freundin. Erst kommt eine Schauspielerin an den Tisch und schüttet ihm Wasser ins Gesicht, weil er angeblich eine Affäre mit ihr hatte. Justins Freundin weint. Dann kommen zwei falsche Polizisten und führen ihn ab. Justins Freundin weint noch mehr. Dann beginnen plötzlich um sie herum alle zu tanzen, Musik ertönt, die völlig verwirrte Freundin wird vor einen Brunnen geführt, immer mehr Leute tanzen, ihr Freund kommt im Anzug, hält um ihre Hand an, im Brunnen geht eine Wasserfontäne hoch, alle klatschen, sie weint wieder und sagt Ja. Dann sagt Justin, dass er jetzt gleich und hier heiraten will, sie weint wieder, ein Brautkleid wird herangeschafft. Zwischendurch zeigt die Kamera immer wieder eine Art Kontrollraum, in der ein ernst und gestresst wirkender Regisseur allen Beteiligten Anweisungen gibt: »Jetzt die Tänzer! Jetzt die Polizisten!«

Ich glaube, wenn Männer von Romantik überfordert sind, dann planen sie Heiratsanträge wie Justin: mit festgelegtem Zeitplan (18.45 Uhr: Freundin weint; 18.46 Uhr: Tänzer treten auf), mit Walkie-Talkies und möglichst vielen Überraschungen auf einmal. Bloß keine Sekunde Pause. Das alles soll Fantasie beweisen, aber das Ergebnis sieht aus wie ein Actionfilm.
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Kommentare

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Kommentar:

  • Peter Matthiesen (0) Aber es klappt auch in der Öffentlichkeit, nur zu verrückt darf es nicht sein!
  • Marc Baumann (1) ...die Arme, gut: das riskiert man
  • Konstantin Schallmoser (0) Vor ca. 12 jahren, damals spielte die 60-er noch im Grünwalder Stadion, endete die Frage eines weiblichen Löwenfans an ihren damaligen Freund damit, dass dieser meinte, er möchte sich das in Ruhe noch einmal überlegen. Die Kurve stimmte Gesänge an. Stadionsprecher Stephan Schneider wandte sich verlegen ab.