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Neue Fotografie 31. Oktober 2012 Noch keine Kommentare

Erntedank

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Markus Schwarze porträtiert jene Arbeiter, die in der Türkei für unser Obst und Gemüse schuften.

Von Thomas von Eichhorn (Interview)  Fotos: Markus Schwarze



Name: Markus Schwarze
Geboren: 1978 in Hamburg
Ausbildung: EDV-Kaufmann, danach 12 Jahre IT-Berater bei unterschiedlichen Agenturen, seit vielen Jahren Fotograf im Nebenberuf, seit 2012 komplett selbstständig
Homepages: Hochzeiten unter www.markusschwarze.com, Porträts unter www.markusschwarze.me

SZ-Magazin: Sie sind ja eigentlich Hochzeitsfotograf. Bilden Sie Menschen lieber in Hochzeits- oder Alltagskleidung ab?

Markus Schwarze: Was ich an Hochzeiten mag, ist die Leidenschaft und Freude, die dort den ganzen Tag über zu spüren ist. Aber ich fotografiere auch total gerne Menschen ganz natürlich. 2010 hatte ich die Idee für eine Serie, für die ich 365 Tage lang jeden Tag eine andere Person fotografiert und einen kleinen Text dazu geschrieben habe. Seitdem schaue ich immer, wenn ich länger weg bin, dass ich Leute porträtiere, zum Beispiel die Schickeria in Cannes. Es fasziniert mich, mit den Leuten sehr lange zu reden und sie dabei näher kennenzulernen.

Für Ihre aktuelle Serie haben Sie in der ländlichen Gegend um Antalya türkische Landarbeiter abgelichtet. Wie haben Sie sich mit ihnen verständigt?
Ich hatte mir vorher beibringen lassen, was »hallo«, »tschüss« und »Ich komme aus Deutschland« heißen. Ich finde es sehr wichtig, dass wenigstens das Hallo funktioniert. Also bin ich mit dem Auto herumgefahren und habe den Leuten »merhaba« zugerufen. Die Menschen freuen sich gleich, wenn man ihnen auf Türkisch begegnet. Ich habe mich dann auf Deutsch, Englisch, sowie mit Händen und Füßen mit den Leuten unterhalten und sie gebeten, sie fotografieren zu dürfen. Die Menschen sollten sich einfach nur aus der Situation heraus hinstellen. Drehen mussten sie sich nur, wenn das Licht nicht passte.

Wie kamen Sie auf das Thema?
Ich gehe unheimlich gerne weg von touristischen Gegenden und die Türkei ist ja ein großer Lieferant von Obst und Gemüse. Wir meckern immer, dass Obst und Gemüse teurer wird, sehen aber nicht, wie hart die Leute dafür arbeiten. In Deutschland ist ja alles industrialisiert, da gibt es vielleicht maximal noch Spargelstecher. Daher kam mir die Idee, mir das mal vor Ort anzuschauen und zwei bis drei Porträts von Leuten, die auf dem Feld arbeiten, zu machen. Ich hab dann einfach gesagt: »Schatz, ich fahre morgen weg.«

Warum wurden es schließlich doch mehr Porträts?
Die Gastfreundschaft hat mich einfach überwältigt. Die Menschen haben mir immer Tee und Ayran angeboten und am Ende war mein ganzer Wagen voll mit Obst. Einmal bin ich auf der Straße einem Landstreicher begegnet, der kilometerweit eine große Melone geschleppt hat. Nach dem Foto hat er mir die Melone geschenkt. Man kann so was ja eigentlich nicht annehmen, aber ablehnen auch nicht. Er ist danach vermutlich einfach die gleiche Strecke zurückgegangen und hat sich die nächste Melone geholt. Es hat mich fasziniert und schockiert, wie einfach die Leute leben – wie bei uns im Mittelalter.

Wozu machen Sie diese Bilderserien unterwegs?
In erster Linie für mich selber: Ich drucke mir die Porträtserien immer auf einem besonders schönen Papier aus. Ich freue mich schon auf meine nächsten Projekte: Im Oktober fotografiere ich Schäfer in Schottland und Anfang 2013 fahre ich für zwei Wochen nach Indien. Das muss ja ein Traumland für Fotografen sein. Auch dort werde ich versuchen, nicht die typischen Fotos zu machen.

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